Anleihen-Handel: "Käuferstreik in Erwartung steigender Zinsen"


21.01.22 16:00
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Der in der kommenden Woche anstehenden Sitzung der US-Notenbank wird diesmal besonders entgegengefiebert - immerhin scheint die FED nun doch rigoros gegen die Inflation vorgehen zu wollen, so die Deutsche Börse AG.

"Der Markt erwartet aufgrund der anhaltend hohen Inflation insgesamt eine deutlich restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank", stelle Tim Oechsner von der Steubing AG fest. Bis zu vier Zinsschritte von 0,25 Prozent würden mittlerweile als eingepreist gelten. "Einzelne Marktteilnehmer rechnen bei der ersten Erhöhung des Leitzinses inzwischen sogar mit einem Schritt um einen halben Prozentpunkt."

So könnte die lange erwartete Zinswende nun wirklich da sein. Seit Jahresanfang sei die Rendite zehnjähriger US-Treasuries von 1,51 auf kurzzeitig 1,90 Prozent in dieser Woche gestiegen. Die Rendite für Bundesanleihen gleicher Laufzeit habe am Mittwoch erstmals seit 2019 wieder positives Terrain erreicht.

Am heutigen Freitagmittag liege die Rendite der US-Staatsanleihen allerdings wieder unter 1,80 Prozent, die der Bundesanleihe bei minus 0,05 Prozent. Aktuell würden die zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den USA über die Lage an der Grenze zur Ukraine Anleger*innen in "sichere Häfen" treiben. "Es war insgesamt eine volatile Woche", fasse es Arthur Brunner von der ICF Bank zusammen.

Einiges an Umsätzen in beide Richtungen melde Oechsner für bis 2031 laufende US-Staatsanleihen (ISIN US91282CCS89 / WKN A3KUZ4) mit Kupon von 1,25 Prozent und Stückelung von 100 US-Dollar. "Hier spielen Retail-Anleger die US-Zinsgeschichte."

"Insgesamt halten sich Anleger in Erwartung steigender Zinsen zurück", berichte Brunner. Eine neue zehnjährige Griechenland-Anleihe mit Kupon von 1,75 Prozent habe diese Woche aber noch viele Interessenten gefunden: Einem Angebot von 3 Milliarden Euro habe eine Nachfrage von 15 Milliarden Euro gegenübergestanden. "Letzten Sommer war die Nachfrage nach neuen Griechenland-Anleihen aber noch viel höher."

Auch Unternehmen würden weiter versuchen, sich noch schnell zu den immer noch vergleichsweise niedrigen Zinsen zu refinanzieren. "Die Neuemissions-Pipeline ist zu Jahresbeginn voll, sehr viele Deals treffen aber auf sehr verhaltende Investoren", stelle Oechsner fest. "Die Käufer streiken, da sie mit steigenden Zinsen rechnen."

Unter weiteren Abgabedruck geraten seien Ekosem-Agrar-Anleihen, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank erkläre. "Da macht sich der Russland/Ukraine-Konflikt bemerkbar." Nach positiven Meldungen zum Geschäft - vor allem der Weiterentwicklung des jungen Bereichs Milchverarbeitung - sei es zu einer kleinen Kurserholung gegeben. "Die Krise wirkt aber schwerer, der Kurs liegt weiter unter dem Niveau vor einer Woche", stelle der Händler fest. "Ein Russland/Ukraine-Krieg würde das in Russland tätige Unternehmen schwer treffen."

Verkäufe melde Daniel außerdem für die bis 2026 laufende VW-Anleihe (ISIN XS1893631769 / WKN A2LQ6C) mit Kupon von 2,25 Prozent, Käufe für US-Dollar-Anleihen (ISIN USP91528AA03 / WKN A19F7K) der Provincia de Tierra del Fuego mit Kupon von 8,95 Prozent und Fälligkeit 2027, die aktuell mit 12,36 Prozent rentieren würden.

Deutlich erholt hätten sich Papiere (ISIN DE000A2GSB86 / WKN A2GSB8) des Autozulieferers paragon, wie Brunner melde. Es sei ein Vorstoß vom Unternehmen gekommen, die Laufzeit der im Juli fälligen Anleihe, die zu diesem Zeitpunkt wohl nicht zurückgezahlt werden könne, zu verlängern. "Auch eine Teiltilgung ist Thema", erkläre der Händler. Im Tief war der Kurs auf 33 Prozent gefallen, jetzt sind es 61,80 Prozent. Käufe sieht Brunner auch für Papiere der Beteiligungsgesellschaft Mutares (NO0010872864). "Insgesamt herrscht bezüglich der Mittelstandsanleihen aber eher Zurückhaltung wegen des Renditeanstiegs am Markt."

Hohe Umsätze gebe es laut Oechsner in Anleihen (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP, ISIN NO0010795701 / WKN A19JEV, ISIN DE000A19MDV0 / WKN A19MDV) der Metalcorp Group S.A., eines weltweiten Dienstleisters für Beschaffung, Produktion, Abbau und Vermarktung von Metallen und Mineralien. "Die Anleger sind sehr verunsichert. Medien berichteten, dass der Bergbaubetrieb der Bauxit-Tochtergesellschaft in Guinea gestoppt wurde." Metalcorp habe aber dementiert: Es habe zwar ein vorläufiges Verfahren gegeben, eingeleitet von einem Zulieferer, das sei aber zugunsten von Metalcorp eingestellt worden. Wettgemacht seien die Kursverluste aber noch nicht.

Käufe zu rund 94 Prozent beobachte Oechsner außerdem für die 25 Millionen Euro schwere Anleihe (ISIN DE000A283WQ2 / WKN A283WQ) des Immobilienprojektentwicklers Henri Broen mit Kupon von 7,5 Prozent und Fälligkeit 2025. "Das ist ein Kandidat für ein Aktien-IPO noch in diesem Jahr." (21.01.2022/alc/a/a)





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Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
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ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
US91282CCS89 A3KUZ4 88,58 $ 83,32 $
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