Anleihen-Handel: Anleger setzen verstärkt auf Sicherheit


26.09.14 16:30
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Von Oktoberfest-Stimmung ist an den Finanzmärkten wenig zu spüren, so die Deutsche Börse AG.

"Die europäische Wirtschaft lahmt", fasse Arthur Brunner von ICF Kursmakler zusammen. Damit rücke das von der Europäischen Notenbank angepeilte Anleihen-Kaufprogramm wieder stärker in den Vordergrund. Bei seiner jüngsten Rede vor dem europäischen Parlament habe Mario Draghi zwar die Strukturreformen der EU-Mitgliedsstaaten angemahnt. "Gleichzeitig wiederholte der EZB-Präsident aber die Bereitschaft zu weiteren Maßnahmen zur Förderung des Wachstums und Erreichen des Inflationsziels", ergänze Sabine Tillmann von der Hellwig Wertpapierhandelsbank.

Die Währungshütern seien von der bislang unzureichenden Ausweitung der Geldmenge enttäuscht. Zwar gebe es laut Helaba mit 2 Prozent im vergangenen Monat einen leichten Anstieg. Die Kombination mit einer nach wie vor rückläufigen Kreditvergabe von minus 1,5 Prozent hätten allerdings Zweifel an der Wirksamkeit der EZB-Maßnahmen größer werden lassen. "Für die zaghafte konjunkturelle Erholung ist das gleichmäßige Wachstum von Kreditnachfrage und -angebot entscheidend."

Insbesondere aus Deutschland bleibe der Widerstand gegen den geplanten Aufkauf von Staatsanleihen und verbrieften Produkten hoch. "Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist strikter Gegner des Programms", bemerke Brunner. Er befürchte ein Nachlassen des Reformdrucks. Ohne Strukturreformen bestehe mittelfristig die Gefahr von Kapitalabfluss aus den Schuldenländern.

Viele Kritiker hätten den Bundesgerichtshof bemüht, der die Entscheidung an den Europäischen Gerichtshof weitergeleitet hat. "Am 14. Oktober soll es eine erste mündliche Verhandlung darüber geben." Unter dem Aspekt möglicher Interessenskonflikte beurteile Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die EZB-vorgesehenen Maßnahmen ebenfalls eher skeptisch. Auch die strukturellen: Es sei problematisch, die geldpolitische Verantwortung und die Bankenaufsicht in einer Institution zu bündeln. Deshalb müsse auf die strikte Trennung der beiden Verantwortungsbereiche geachtet werden.

Vor diesem Hintergrund hätten sich Staatsanleihen bonitätsstarker Länder wie Deutschland und die USA lebhafter Nachfrage erfreut. "In dieser Woche wurde zum Beispiel eine neue zweijährige US-Anleihe mit dem beachtlichen Volumen von 29 Milliarden US-Dollar erfolgreich am Markt platziert."

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264), das hiesige Rentenbarometer, habe auf Wochensicht von 147,81 auf 149,45 Prozent zugelegt. "Damit rutschte die Rendite mit aktuell 0,954 Prozent wieder deutlich unter die 1 Prozent-Marke", bemerke Brunner. Aktien hätten dagegen das Nachsehen gehabt, ebenso wie der Euro, der zeitweise unter 1,27 US-Dollar notiert habe.

Angesichts eines stärker werdenden US-Dollar hätten Investoren nach Beobachtung von Klaus Stopp den Markt für US-amerikanische Unternehmensanleihen für sich entdeckt. Gefragt seien beispielsweise in US-Dollar geführte Apple-Anleihen (ISIN US037833AJ95 / WKN A1HKKW, ISIN US037833AL42 / WKN A1HKKY). Erstere laufe bis Mai 2018 und biete eine aktuelle Rendite von 1,61 Prozent. Der Langläufer mit Fälligkeit im Mai 2043 komme dem Händler der Baader Bank zufolge derzeit auf 4,26 Prozent Rendite.

Auf reges Interesse stoße zudem eine im September 2022 zur Auszahlung vorgesehene Vodafone-Anleihe mit aktuell rund 3,54 Prozent Rendite. Auch ein bis Oktober 2022 laufender Bond (ISIN USC10602AY36 / WKN A1ZFW8) von Bombardier mit einer Rendite von rund 5,95 Prozent und ein (ISIN US651639AN69 / WKN A1G153) von Newmont Mining mit einer Laufzeit bis Dezember 2022 und rund 4,30 Prozent Rendite kämen bei Investoren gut an.

Deutlich unter Druck geraten sei eine Hybridanleihe (ISIN XS0222524372 / WKN A0E6FU) von Südzucker, wie Tillmann berichte. Tiefstkurse seien bei 88,50 Prozent erreicht worden, wobei sich der Kurs auf dem Niveau um 89 Prozent zunächst habe stabilisieren können. "Offensichtliche Gründe für den Einbruch scheint es nicht zu geben." Der Wert vollziehe vermutlich die Kursbewegung der Aktie nach. So mancher Anleger sei angesichts des mittlerweile erreichten Preisrückgangs ratlos.

Am 29. September beginne die Zeichnungsfrist einer fünfjährigen Mittelstandsanleihe (ISIN DE000A11QGQ1 / WKN A11QGQ) der KTG Agrar AG mit einem Kupon von 7,25 Prozent, die im Entry Standard der Börse Frankfurt gehandelt werde. Der Produzent von Agrarrohstoffen plane die Aufnahme von bis zu 50 Millionen Euro.

Bereits in der Zeichnung sei eine Anleihe (ISIN DE000A12UAA8 / WKN A12UAA) von KSW Immobilien mit einer Laufzeit bis Oktober 2019 und einem jährlichen Zins von 6,5 Prozent. Die KSW Immobilien sei eine Projektgesellschaft der KSW-Gruppe, die zur Errichtung und Verpachtung des Hotel- und Restaurantprojekts "Kosmos-Ensemble" in Leipzig gegründet worden sei. (26.09.2014/alc/a/a)





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