Erweiterte Funktionen
Anleihen: Erleichterung und sinkende Renditen
31.10.22 11:11
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen wie erwartet erhöht, mit Blick auf künftige Zinsschritte aber einen verhalteneren Ton angeschlagen, so die Deutsche Börse AG.
In der Folge seien die Renditen in Europa deutlich gesunken.
Mit der Anhebung der Leitzinsen um 75 Basispunkte habe der Markt zu 100 Prozent gerechnet, kommentiere Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank. Unerwartet sei jedoch der weniger falkenhafte Ton im Vergleich zur September-Sitzung. "Zum Beispiel fehlte der Hinweis, dass die EZB selbst erwartet, in jeder der nächsten Sitzungen die Zinsen weiter zu erhöhen", fasse Lübbing das Geschehen zusammen. Sein Kollege Martin Hartmann ergänze: "Die Marktteilnehmer gehen jetzt eher von einer Verminderung des Zinserhöhungstempos auf der Dezembersitzung aus." Als Falken würden die geldpolitischen Entscheider gelten, die für höhere Zinssätze stimmen würden, um die Inflation zu dämpfen.
"Erleichtert reagiert der Markt auch, weil die EZB keinen Beschluss gefasst hat, Anleihen zu verkaufen, um mit diesem so genannten Quantitative Tightening die Geldpolitik zu straffen", ergänze Tim Oechsner von Steubing. Weitere Zinsschritte würden jedoch kommen. "Die US-Notenbank FED wird kommende Woche die Richtung vorgeben." Hier werde ein Zinsschritt von 50 Basispunkten statt 75 nun am Markt eingepreist. Zugleich steige die Hoffnung auf ein Nachlassen der Inflation.
Der Spagat der Notenbanken, die Inflation zu bekämpfen und die Wirtschaft aber nicht abzuwürgen, bestehe nach Einschätzung von Oechsner weiter. "Die Anleger bleiben deshalb vorsichtig, denn wir befinden uns nach wie vor in einem Zinserhöhungszyklus." Die Stimmung wechsele zwischen größerer und niedrigerer Risiko-Neigung hin und her - je nach Nachrichtenlage.
"Für private Anleger bleibt die Verzinsung auch nach der Zinserhöhung der EZB vergleichsweise unattraktiv", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Für zweijährige deutsche Staatsanleihen betrage die Verzinsung derzeit 1,83 Prozent, für fünf Jahre 1,89 Prozent. "Das ist immer noch ein niedriges Niveau, deshalb wird auch nicht von Aktien in Anleihen umgeschichtet", berichte der Spezialist vom Frankfurter Parkett.
Gekauft würden nach Beobachtung von Daniel ausgewählte Unternehmensanleihen mit Laufzeiten zwischen zwei und drei Jahren von Unternehmen, die einen guten Namen hätten.
Oechsner sehe ebenfalls in ausgewählten Anleihen Nachfrage, vor allem mit Laufzeiten von drei bis vier Jahren. "Wir sehen Käufe von Titeln mit guter Bonität, stärkeren Emittenten und krisenresistenten Geschäftsmodellen." Viele Anleger hielten aber hohe Bargeld-Bestände und blieben vorerst an der Seitenlinie.
Gemieden werde vor allem der Immobiliensektor. "Wir sehen hier deutliche Zurückhaltung, obwohl die Renditen zum Teil attraktiv sind", bemerke Daniel. Das Risiko steigender Zinsen werde höher gewichtet als die Renditemöglichkeiten. Trotz solider Neunmonatszahlen und eines bestätigten Ausblicks treffe beispielsweise die Anleihe (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) der FCR Immobilien nach Einschätzung von Daniel auf Missachtung. Auch DIC-Asset-Papiere würden darunter leiden. Die Anleihe sei Ende September von 97 auf 90 Prozent gefallen, seit Mitte Oktober erhole sich der Kurs. Aktuell notiere das Papier bei 96 Prozent.
Mit Veröffentlichung der Quartalszahlen vermerke Daniel Käufe einer Volkswagen-Anleihe, die bis 2026 laufe und mit 2,25 Prozent pro Jahr verzinst sei. "Auf dem aktuellen Niveau beträgt die Rendite der Anleihe 3,3 Prozent", berichte Daniel. Die gemeldeten Quartalszahlen spielten hier offensichtlich eine untergeordnete Rolle bei der Kaufentscheidung.
Von weiterhin hohen Umsätzen berichte Oechsner mit Anleihen der Metalcorp Group, einem Dienstleister für die Beschaffung, die Produktion, den Abbau und die Vermarktung von Metallen und Mineralien. Die Anleihe (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP) mit 8,5 Prozent und Laufzeit 2026 sei von 81 Prozent Ende September auf zeitweise unter 30 Prozent gefallen. "Bei aktuell 34 Prozent sehen wir hohe Umsätze auf der Kauf- wie auf der Verkaufsseite."
Metalcorp könne eine Anleihe mit Fälligkeit Oktober 2022 nicht zurückzahlen und strebe eine Verlängerung der Laufzeit um ein Jahr an. Dafür solle der Kupon von 7 auf 8,5 Prozent erhöht werden. Eine erste Abstimmung der Gläubiger sei daran gescheitert, dass die Teilnehmerquote das erforderliche Quorum von 50 Prozent des ausstehenden Anleihevolumens nicht erreicht habe. Metalcorp lade nun zur Gläubigerversammlung am 18. November ein.
Im Zusammenhang mit dem Kursrutsch der Metalcorp-Anleihe (ISIN DE000A3K73Z7 / WKN A3K73Z) würden auch die Kurse des Hafeninfrastrukturbetreibers R-Logitech, einem Schwesterunternehmen der Metalcorp Group fallen. (Ausgabe vom 28.10.2022) (31.10.2022/alc/a/a)
In der Folge seien die Renditen in Europa deutlich gesunken.
Mit der Anhebung der Leitzinsen um 75 Basispunkte habe der Markt zu 100 Prozent gerechnet, kommentiere Hans-Joachim Lübbing von der Commerzbank. Unerwartet sei jedoch der weniger falkenhafte Ton im Vergleich zur September-Sitzung. "Zum Beispiel fehlte der Hinweis, dass die EZB selbst erwartet, in jeder der nächsten Sitzungen die Zinsen weiter zu erhöhen", fasse Lübbing das Geschehen zusammen. Sein Kollege Martin Hartmann ergänze: "Die Marktteilnehmer gehen jetzt eher von einer Verminderung des Zinserhöhungstempos auf der Dezembersitzung aus." Als Falken würden die geldpolitischen Entscheider gelten, die für höhere Zinssätze stimmen würden, um die Inflation zu dämpfen.
"Erleichtert reagiert der Markt auch, weil die EZB keinen Beschluss gefasst hat, Anleihen zu verkaufen, um mit diesem so genannten Quantitative Tightening die Geldpolitik zu straffen", ergänze Tim Oechsner von Steubing. Weitere Zinsschritte würden jedoch kommen. "Die US-Notenbank FED wird kommende Woche die Richtung vorgeben." Hier werde ein Zinsschritt von 50 Basispunkten statt 75 nun am Markt eingepreist. Zugleich steige die Hoffnung auf ein Nachlassen der Inflation.
Der Spagat der Notenbanken, die Inflation zu bekämpfen und die Wirtschaft aber nicht abzuwürgen, bestehe nach Einschätzung von Oechsner weiter. "Die Anleger bleiben deshalb vorsichtig, denn wir befinden uns nach wie vor in einem Zinserhöhungszyklus." Die Stimmung wechsele zwischen größerer und niedrigerer Risiko-Neigung hin und her - je nach Nachrichtenlage.
"Für private Anleger bleibt die Verzinsung auch nach der Zinserhöhung der EZB vergleichsweise unattraktiv", berichte Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Für zweijährige deutsche Staatsanleihen betrage die Verzinsung derzeit 1,83 Prozent, für fünf Jahre 1,89 Prozent. "Das ist immer noch ein niedriges Niveau, deshalb wird auch nicht von Aktien in Anleihen umgeschichtet", berichte der Spezialist vom Frankfurter Parkett.
Oechsner sehe ebenfalls in ausgewählten Anleihen Nachfrage, vor allem mit Laufzeiten von drei bis vier Jahren. "Wir sehen Käufe von Titeln mit guter Bonität, stärkeren Emittenten und krisenresistenten Geschäftsmodellen." Viele Anleger hielten aber hohe Bargeld-Bestände und blieben vorerst an der Seitenlinie.
Gemieden werde vor allem der Immobiliensektor. "Wir sehen hier deutliche Zurückhaltung, obwohl die Renditen zum Teil attraktiv sind", bemerke Daniel. Das Risiko steigender Zinsen werde höher gewichtet als die Renditemöglichkeiten. Trotz solider Neunmonatszahlen und eines bestätigten Ausblicks treffe beispielsweise die Anleihe (ISIN DE000A2TSB16 / WKN A2TSB1) der FCR Immobilien nach Einschätzung von Daniel auf Missachtung. Auch DIC-Asset-Papiere würden darunter leiden. Die Anleihe sei Ende September von 97 auf 90 Prozent gefallen, seit Mitte Oktober erhole sich der Kurs. Aktuell notiere das Papier bei 96 Prozent.
Mit Veröffentlichung der Quartalszahlen vermerke Daniel Käufe einer Volkswagen-Anleihe, die bis 2026 laufe und mit 2,25 Prozent pro Jahr verzinst sei. "Auf dem aktuellen Niveau beträgt die Rendite der Anleihe 3,3 Prozent", berichte Daniel. Die gemeldeten Quartalszahlen spielten hier offensichtlich eine untergeordnete Rolle bei der Kaufentscheidung.
Von weiterhin hohen Umsätzen berichte Oechsner mit Anleihen der Metalcorp Group, einem Dienstleister für die Beschaffung, die Produktion, den Abbau und die Vermarktung von Metallen und Mineralien. Die Anleihe (ISIN DE000A3KRAP3 / WKN A3KRAP) mit 8,5 Prozent und Laufzeit 2026 sei von 81 Prozent Ende September auf zeitweise unter 30 Prozent gefallen. "Bei aktuell 34 Prozent sehen wir hohe Umsätze auf der Kauf- wie auf der Verkaufsseite."
Metalcorp könne eine Anleihe mit Fälligkeit Oktober 2022 nicht zurückzahlen und strebe eine Verlängerung der Laufzeit um ein Jahr an. Dafür solle der Kupon von 7 auf 8,5 Prozent erhöht werden. Eine erste Abstimmung der Gläubiger sei daran gescheitert, dass die Teilnehmerquote das erforderliche Quorum von 50 Prozent des ausstehenden Anleihevolumens nicht erreicht habe. Metalcorp lade nun zur Gläubigerversammlung am 18. November ein.
Im Zusammenhang mit dem Kursrutsch der Metalcorp-Anleihe (ISIN DE000A3K73Z7 / WKN A3K73Z) würden auch die Kurse des Hafeninfrastrukturbetreibers R-Logitech, einem Schwesterunternehmen der Metalcorp Group fallen. (Ausgabe vom 28.10.2022) (31.10.2022/alc/a/a)
Werte im Artikel



