Anleihen: "EZB hat kühlen Kopf bewahrt"


20.03.23 10:15
Deutsche Börse AG

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Dass die EZB am Donnerstag die Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben hat - trotz der heftigen Turbulenzen -, wird allgemein begrüßt, so die Deutsche Börse AG.

"Der Schritt war von Marktteilnehmern in dieser Größenordnung nicht mehr erwartet worden, die EZB hat in diesen unsicheren und turbulenten Zeiten kühlen Kopf bewahrt", erkläre Ralf Umlauf von der Helaba. Der Deutschen Bank zufolge sei der Zinsschritt um 50 Basispunkte als "Symbol der Stärke und des Vertrauens in die Robustheit der Finanzmärkte" bewertet worden.

Schon vor der EZB-Sitzung habe sich die Stimmung gedreht: "Marktteilnehmer waren zu der Überzeugung gekommen, dass sich Credit Suisse mit der Liquiditätsspritze der Schweizerischen Nationalbank retten kann und anderenfalls die Bereitschaft der Aufsichtsbehörden vorhanden ist, im Notfall weitere 'Löcher zu stopfen'", erkläre Umlauf. Zusätzlich hätten Nachrichten aus den USA über milliardenschwere Liquiditätshilfen der Großbanken für die strauchelnde Regionalbank First Republic gestützt.

Neu sei gewesen, dass sich die EZB nicht auf weitere Zinserhöhungen festgelegt habe, sondern datenabhängig handeln wolle. "Dementsprechend wurden die Zinserwartungen nach unten angepasst", berichte Rentenhändler Rainer Petz von Oddo BHF. Die Markterwartungen für den EZB-Einlagesatz im Herbst seien laut Commerzbank von über 4 Prozent auf nur noch knapp über 3 Prozent gefallen.

Die Woche habe einer Achterbahnfahrt geglichen. "Es war ein ziemliches Auf und Ab an den Rentenmärkten, selbst innerhalb eines Tages waren die Ausschläge groß", erkläre Petz. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen hätten im Laufe der Woche zwischen 2,11 und 2,50 Prozent geschwankt, am Freitagmittag seien es 2,24 Prozent. Anfang März sei mit 2,7 Prozent der höchste Stand seit 2011 erreicht worden.

Auch die neue Woche verspreche Spannung: Am Mittwoch stehe die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank an. "Eine Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte dürfte nunmehr vom Tisch sein", meine Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank. An den Terminmärkten werde nun eine Zinsanhebung um 25 Basispunkten eingepreist. Von diesem Zinsgipfel ausgehend würden dann Leitzinssenkungen von insgesamt einem ganzen Prozentpunkt bis Anfang 2024 antizipiert. "Wir schließen uns dieser Einschätzung nicht an, so lange die Turbulenzen nicht in eine tiefe Rezession münden", bemerke de la Rubia.

Im Handel mit Unternehmensanleihen herrsche Kaufzurückhaltung, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichte. "Anleger schrecken vor Käufen zurück." Im großen Stil verkauft werde aber auch nicht. "Die Märkte sind eher illiquider geworden. Die meisten wollen das wohl aussitzen."

Kräftige Kursverluste hätten Credit Suisse-Anleihen verzeichnet, "ohne Umsatz", wie Daniel bemerke. Etwa sei der Kurs einer im Juli fälligen Anleihe (ISIN US225433AT80 / WKN A189K3) mit Kupon von 3,8 Prozent von fast 100 Prozent auf 81 beziehungsweise 88 Prozent (Geld- und Briefkurs) gefallen. "Daran lässt sich die Unsicherheit sehr deutlich ablesen." Mit Mindestanlagesummen von 250.000 und 200.000 US-Dollar oder 100.000 Euro für diese und auch andere Anleihen der Schweizer Bank (ISIN CH1214797172 / WKN A3LBF3; ISIN USH3698DDQ46 / WKN A3K6ZB; ISIN US225433AR25 / WKN A189DD) seien die Papiere für die meisten Privatanleger*innen aber ohnehin nicht relevant. Auch Anleihen anderer Banken hätten Kursverluste verzeichnet, allerdings nur leichte.

Käufe melde Daniel für Bonds von Nestlé (ISIN XS2350621863 / WKN A3KSAA) mit Kupon von 0 Prozent und Laufzeit bis 2026 und Mercedes-Benz (ISIN DE000A2R9ZU9 / WKN A2R9ZU) mit 0,625 Prozent bis 2027. Die Rendite liege aktuell bei 3,13 beziehungsweise 3,37 Prozent.

Neben Sowitec (https://www.boerse-frankfurt.de/sowitec-group-gmbh) sei seit Dienstag eine weitere Anleihe in der Zeichnung: Bis zum 21. März, also am kommenden Dienstag, könne die neue, vierjährige Anleihe (ISIN NO0012530965 / WKN A30V9T) der Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares gezeichnet werden. Verzinst werde sie zum Drei-Monats-Euribor plus 7,50 bis 8,50 Prozent, derzeit wären das über 10 Prozent. Mutares peile ein Volumen von bis zu 125 Millionen Euro an. Die Mindestanlagesumme betrage 1.000 Euro. Ein Umtauschangebot für die 2024 fällige Anleihe habe am Donnerstag geendet. Mehr dazu: www.boerse-frankfurt.de/mutares-se-co-kgaa. (Ausgabe vom 17.03.2023) (20.03.2023/alc/a/a)