Erweiterte Funktionen
Am Zinsmarkt ging es zuletzt ruhig zu
06.10.25 09:26
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Der seit 1. Oktober andauernde Shutdown des öffentlichen Dienstes in den USA ist aktuell ein bestimmendes Thema für Politik und Finanzmärkte, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Nachdem sich der Kongress aufgrund anhaltender politischer Differenzen zwischen der republikanischen und der demokratischen Partei nicht rechtzeitig auf ein Budget für das neu angebrochene Fiskaljahr 2026 habe einigen können, liege der öffentliche Sektor seit Monatsanfang größtenteils auf Eis. So müssten als systemkritisch eingestufte Angestellte (bspw. Militär, Rechtswesen) ihre Arbeit unbezahlt verrichten, während nicht systemkritische Angestellte ohne Lohnfortzahlungen zu Hause bleiben müssten. Eine Budgetfindung - und somit ein Ende des Shutdowns - sei aktuell noch nicht absehbar, der historisch längste Shutdown im Jahr 2018 habe 35 Tage angehalten. Angesichts der verschärften politischen Fronten in den USA sei ein Ende des Shutdowns während der nächsten Tage jedenfalls kaum zu erwarten. Eine erste spürbare Konsequenz werde somit das Ausbleiben des eigentlich für Freitag angesetzten Arbeitsmarktberichts für September sein, in weiterer Folge wären auch andere Datenpunkte wie die VPI-Inflation am 15. Oktober betroffen. Über die kurze Frist hinaus könnte der Shutdown auch vorübergehende negative Auswirkungen auf die US-Konjunktur haben, sollte er tatsächlich länger andauern. Viel wichtiger könnten allerdings die politischen Konsequenzen sein. Donald Trump habe bereits angedeutet, im Falle eines Shutdowns Massen an öffentlichen Angestellten entlassen zu wollen. Darüber hinaus habe das Weiße Haus schon explizit Förderungsprogramme für demokratisch orientierte Bundesstaaten eingestellt. Der US-Präsident scheine den Ausnahmezustand also für seinen politischen Vorteil nutzen zu wollen - sollte ihm dies tatsächlich gelingen, könnten die negativen Auswirkungen auf Konjunktur und Politik klar stärker ausfallen und länger anhalten als in der Vergangenheit.
Auch ohne US-Shutdown stünden in den USA in der nächsten Woche keine wirklichen Datenhighlights auf der Agenda. In der Eurozone falle der Datenkalender ebenfalls relativ ruhig aus. Mit dem Sentix stehe der erste Vorlaufindikator für Oktober zur Veröffentlichung an. Das Stimmungsbarometer könnte nach zwei Monaten mit Rückgängen wieder leicht zulegen - RBI prognostiziere einen Anstieg von -9,2 auf -8,7 Punkte. Das positive Terrain, welches der Index während der Sommermonate kurzzeitig habe erreichen können (Höchstwert 4,5 Punkte) erscheine damit dennoch weiterhin in weiter Ferne. Erste nationale Daten zur Industrieproduktion im August würden indessen weitere Aufschlüsse zur Lage der Eurozonen-Industrie im Sommer erlauben.
Am Zinsmarkt sei es zuletzt ruhig zugegangen. Bezüglich der EZB habe die Ansicht konstanter Leitzinsen bis Jahresende weiter an Rückhalt gewonnen. Die zuletzt veröffentlichten Inflationsdaten hätten diese Einschätzung auch weiter gestärkt, sogar "einzementiert". Vorerst werde die EZB nicht an den Leitzinsen drehen. Dies sorge für Stabilität am kurzen Ende der Zinskurve, wo sich die 2-jährige Bund-Rendite bei 2% halte. Und auch im längeren Bereich (10J) sei die Volatilität zurückgegangen, bei leicht niedrigeren Renditen nahe 2,7%. Dies sei wohl auch den mangelnden Datenveröffentlichungen aus den USA geschuldet. Treasury-Renditen seien abermals etwas rückläufig gewesen und hätten auf negative Arbeitsmarktdaten (ADP nationale Beschäftigung) reagiert. Ohne die Veröffentlichungen aus dem BLS (Arbeitsmarktbericht) fehle es dem Treasury-Markt aber wohl zunächst an Wegweisern. Das anstehende Protokoll der letzten Zinssitzung könnte daher eine Richtung vorgeben. Zur Ausgangslage: Leitzinssenkungen von insgesamt rund 50 BP bis Jahresende würden der Medianerwartung des FOMC und dem Pricing am Zinsmarkt entsprechen. Interessant sei also, ob in der Mitschrift gewichtige Argumente für ein etwaiges anderes Vorgehen zu finden seien, welche auch ohne neue Daten den Ausschlag geben könnten. (06.10.2025/alc/a/a)
Nachdem sich der Kongress aufgrund anhaltender politischer Differenzen zwischen der republikanischen und der demokratischen Partei nicht rechtzeitig auf ein Budget für das neu angebrochene Fiskaljahr 2026 habe einigen können, liege der öffentliche Sektor seit Monatsanfang größtenteils auf Eis. So müssten als systemkritisch eingestufte Angestellte (bspw. Militär, Rechtswesen) ihre Arbeit unbezahlt verrichten, während nicht systemkritische Angestellte ohne Lohnfortzahlungen zu Hause bleiben müssten. Eine Budgetfindung - und somit ein Ende des Shutdowns - sei aktuell noch nicht absehbar, der historisch längste Shutdown im Jahr 2018 habe 35 Tage angehalten. Angesichts der verschärften politischen Fronten in den USA sei ein Ende des Shutdowns während der nächsten Tage jedenfalls kaum zu erwarten. Eine erste spürbare Konsequenz werde somit das Ausbleiben des eigentlich für Freitag angesetzten Arbeitsmarktberichts für September sein, in weiterer Folge wären auch andere Datenpunkte wie die VPI-Inflation am 15. Oktober betroffen. Über die kurze Frist hinaus könnte der Shutdown auch vorübergehende negative Auswirkungen auf die US-Konjunktur haben, sollte er tatsächlich länger andauern. Viel wichtiger könnten allerdings die politischen Konsequenzen sein. Donald Trump habe bereits angedeutet, im Falle eines Shutdowns Massen an öffentlichen Angestellten entlassen zu wollen. Darüber hinaus habe das Weiße Haus schon explizit Förderungsprogramme für demokratisch orientierte Bundesstaaten eingestellt. Der US-Präsident scheine den Ausnahmezustand also für seinen politischen Vorteil nutzen zu wollen - sollte ihm dies tatsächlich gelingen, könnten die negativen Auswirkungen auf Konjunktur und Politik klar stärker ausfallen und länger anhalten als in der Vergangenheit.
Auch ohne US-Shutdown stünden in den USA in der nächsten Woche keine wirklichen Datenhighlights auf der Agenda. In der Eurozone falle der Datenkalender ebenfalls relativ ruhig aus. Mit dem Sentix stehe der erste Vorlaufindikator für Oktober zur Veröffentlichung an. Das Stimmungsbarometer könnte nach zwei Monaten mit Rückgängen wieder leicht zulegen - RBI prognostiziere einen Anstieg von -9,2 auf -8,7 Punkte. Das positive Terrain, welches der Index während der Sommermonate kurzzeitig habe erreichen können (Höchstwert 4,5 Punkte) erscheine damit dennoch weiterhin in weiter Ferne. Erste nationale Daten zur Industrieproduktion im August würden indessen weitere Aufschlüsse zur Lage der Eurozonen-Industrie im Sommer erlauben.
Am Zinsmarkt sei es zuletzt ruhig zugegangen. Bezüglich der EZB habe die Ansicht konstanter Leitzinsen bis Jahresende weiter an Rückhalt gewonnen. Die zuletzt veröffentlichten Inflationsdaten hätten diese Einschätzung auch weiter gestärkt, sogar "einzementiert". Vorerst werde die EZB nicht an den Leitzinsen drehen. Dies sorge für Stabilität am kurzen Ende der Zinskurve, wo sich die 2-jährige Bund-Rendite bei 2% halte. Und auch im längeren Bereich (10J) sei die Volatilität zurückgegangen, bei leicht niedrigeren Renditen nahe 2,7%. Dies sei wohl auch den mangelnden Datenveröffentlichungen aus den USA geschuldet. Treasury-Renditen seien abermals etwas rückläufig gewesen und hätten auf negative Arbeitsmarktdaten (ADP nationale Beschäftigung) reagiert. Ohne die Veröffentlichungen aus dem BLS (Arbeitsmarktbericht) fehle es dem Treasury-Markt aber wohl zunächst an Wegweisern. Das anstehende Protokoll der letzten Zinssitzung könnte daher eine Richtung vorgeben. Zur Ausgangslage: Leitzinssenkungen von insgesamt rund 50 BP bis Jahresende würden der Medianerwartung des FOMC und dem Pricing am Zinsmarkt entsprechen. Interessant sei also, ob in der Mitschrift gewichtige Argumente für ein etwaiges anderes Vorgehen zu finden seien, welche auch ohne neue Daten den Ausschlag geben könnten. (06.10.2025/alc/a/a)


