10,00% Vontobel-Aktienanleihe auf Volkswagen: Zwischen Krise und Comeback - Anleiheanalyse


06.03.25 09:15
Bank Vontobel Europe AG

München (www.anleihencheck.de) - Volkswagen durchlebte ein schwieriges Jahr, so das Zertifikate-Team der Bank Vontobel Europe AG im aktuellen "Aktienanleihen Investor".

Intensiver Wettbewerbsdruck im Segment der Kompaktwagen, vor allem aus China, sowie Herausforderungen bei der Einführung eines neuen Elektroautomodells und komplizierte Produktionsbedingungen in Deutschland würden nicht nur der Unternehmensführung Sorgen bereiten. Die Automarke aus Wolfsburg sei eine Ikone der deutschen Wirtschaft und spiele eine wichtige Rolle für das Land. Seit Anfang 2025 gebe es jedoch Anzeichen für eine möglichen Trendwende. Könne VW trotz allem die Kurve kriegen?

Im vergangenen Jahr habe es nicht an pessimistischen Prognosen über den Niedergang der deutschen Automobilindustrie gefehlt. Die Gründe dafür seien zahlreich gewesen. In seiner über 80-jährigen Geschichte habe sich Volkswagen mit drastischen Maßnahmen konfrontiert gesehen, darunter Werkschließungen, Massenentlassungen und finanzielle Rettungsaktionen. Während die chinesische Konkurrenz frühzeitig konkrete Schritte zur vollständigen Elektrifizierung ihrer Fahrzeugflotte unternommen habe, habe VW gezögert. Neue Elektromodelle seien langsamer auf den Markt als bei den Wettbewerbern gekommen und die vorhandenen Modelle hätten nicht die erwarteten Verkaufszahlen erfüllt. Weltweit gesehen habe Volkswagen im Jahr 2024 2,3 Prozent weniger Fahrzeuge als 2023 verkauft (Manager Magazin, 14.01.2025).

Im wichtigsten Markt, China, habe sich der Gegenwind für das Unternehmen im letzten Jahr zunehmend verschärft und die Nachfrage nach Fahrzeugen sei stark zurückgegangen. Im Jahr 2024 seien in China etwa 2,2 Millionen Fahrzeuge weniger verkauft worden als im Vorjahr, was einem Rückgang um rund 8,3 Prozent entspreche (NDR, 09.01.2025). Ein genauerer Blick auf die Wettbewerbssituation in China zeige, dass chinesische Hersteller es geschafft hätten, das Image schlechter Qualität und Leistung, das vor allem ihre Verbrennungsmotoren betroffen habe, abzulegen. Lokale Automarken wie BYD, Nio und Xiaomi würden ihre Modelle nun nicht nur günstiger anbieten, sondern auch mit innovativeren Funktionen, benutzerfreundlicherer und zuverlässigerer Software sowie leistungsfähigeren Batterien überzeugen.

Während die Verbreitung der Elektromobilität in Europa und Nordamerika nur langsam vorankomme, steige der Anteil der E-Autos auf Chinas Straßen stetig. Prognosen der" Financial Times" zufolge könnten im Jahr 2025 in China erstmals mehr Elektrofahrzeuge als Verbrenner verkauft werden. VW tue sich zunehmend schwer, ein wettbewerbsfähiges und preislich attraktives Modell auf den Markt zu bringen. Das Modell "ID.3", das erste ausschließlich als Elektroauto entwickelte Modell von VW, habe lange unter schwacher Nachfrage gelitten, unter anderem wegen anfänglicher Softwareprobleme. Dies habe VW dazu veranlasst, die Preise auf dem chinesischen Markt drastisch zu senken und damit die Gewinnmargen weiter zu drücken.

Auch im Heimatmarkt Deutschland befinde sich Volkswagen in schwierigem Fahrwasser. Wie viele deutsche Industrieunternehmen kämpfe auch Volkswagen mit den Nachwirkungen der Energiekrise. Zusätzlich würden hausgemachte Probleme wie hohe Produktionskosten und Effizienzprobleme dem Konzern zu schaffen machen. Die Konzernleitung versuche, den überhöhten Kosten mit Maßnahmen zur Reduzierung der Überkapazitäten entgegenzuwirken. Es stünden Maßnahmen im Raum, die zuvor als undenkbar gegolten hätten, wie die Schließung von Produktionsstätten in Deutschland und damit verbundene Entlassungen, welche die seit 1994 bestehende Beschäftigungssicherung aufheben würden. Dies habe jedoch zu massiven Protesten der Gewerkschaften geführt.

Aufgrund dieser Umstände gerate Volkswagen zunehmend in den politischen Fokus. Der neue Bundeskanzler Deutschlands, Friedrich Merz, habe bereits im September letzten Jahres kritisiert, dass der Konzern zu sehr dem Wunsch seiner staatlichen Anteilseigner gefolgt sei, auf Elektromobilität umzustellen. Der CDU-Vorsitzende habe bemängelt, dass weder die notwendige Infrastruktur noch ein wettbewerbsfähiges Fahrzeugangebot vorhanden seien.

Mit dem Wahlsieg der CDU würden deutsche Automobilhersteller nun verstärkt einen Strategiewechsel erwägen. Ursprünglich habe Volkswagen geplant, ab 2033 in Europa keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr anzubieten. Es zeichne sich jedoch ab, dass der Konzern seine Bestseller wie Golf, Tiguan und T-Roc länger als geplant produzieren könnte. Diese Entscheidung könnte im Rahmen einer Investitionsplanungsrunde getroffen werden, die Anfang März 2025 stattfinden solle (Handelsblatt, 14.02.2025). Branchenexperten würden bemerken, dass diese Maßnahme angesichts des unveränderten Trends hin zur E-Mobilität im Schlüsselmarkt China keine nachhaltige Lösung darstellen könnte.

Der Aktienkurs des Volkswagen-Konzerns habe seit Jahresbeginn 2025 um 20 Prozent zulegen können (Stand 26.02.2025). Dieser Anstieg könnte auf die Erwartung einer strategischen Neupositionierung des Konzerns infolge des politischen Wandels in Deutschland zurückzuführen sein. Dennoch stehe Volkswagen vor der Herausforderung, sich in einem schnelllebigen Automarkt neu zu positionieren und den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verpassen. Die Verlängerung der Produktion von Verbrenner-Modellen könnte dem Konzern kurzfristig Stabilität geben, um seine Elektroauto-Palette konsequent zu überarbeiten und mit neuen, wettbewerbsfähigen Modellen die verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen. Die nächsten Monate könnten zeigen, auf welche Maßnahmen die Konzernleitung setzen werde, um Volkswagen wieder auf Kurs zu bringen.

Eine Investmentidee sei zum Beispiel die 4,00% Aktienanleihe mit Barriere auf Volkswagen. Der Basispreis betrage 100,00%, die Barriere 80,00%. Der aktuelle Verkaufspreis belaufe sich auf 100,00%. Die Laufzeit ende am 20.03.2026. (Stand: 05.03.2025) (Ausgabe März 2025)


Da der weitere Kursverlauf der Aktien von einer Vielzahl konzernpolitischen, branchenspezifischen und ökonomischen Faktoren abhängig ist, sollten Anleger das Risiko bei ihren Investmententscheidungen berücksichtigen. Entwicklungen können jederzeit anders verlaufen, als Anleger es erwarten, wodurch Verluste entstehen können.

Ausgewählte Risiken:

Korrelationsrisiko:
Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen bezieht sich auf mehrere Basiswerte. Damit ist der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreicht. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich ist, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt hat (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals ist daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko:
Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen ist von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen hat. Der Aktienkurs kann sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen können.

Emittenten-/Bonitätsrisiko:
Anleger sind dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit/Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen können. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde kann im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Das Produkt unterliegt als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung. (06.03.2025/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.