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EZB: Wird vermutlich noch abwarten


27.04.26 08:18
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Nach den jüngsten Aussagen wichtiger Vertreter der EZB kann bei der nächsten Sitzung des EZB-Rats noch nicht von einer Leitzinsanhebung ausgegangen werden, so die Analysten der Helaba.

EZB-Präsidentin Lagarde habe dabei auf fehlende Daten zur Dauer des Energiepreisschocks verwiesen und wie stark sich dieser in den allgemeinen Verbraucherpreisen niederschlage. Dabei scheine es weiterhin die Erwartung zu geben, dass der Krieg am Persischen Golf bald vorüber sei und die ökonomischen Auswirkungen damit erträglich bleiben würden.

Die meisten der zur Geldpolitik befragten Analysten - auch die Analysten der Helaba - würden auf dieses Szenario setzen. Die Mehrheit würde im April noch keine Reaktion der EZB erwarten, wohl aber im Juni. Dann werde die EZB auch ihre neuen Wachstums- und Inflationsprognosen veröffentlichen und somit über eine bessere Argumentationsgrundlage verfügen.

Andererseits wäre die Wirkung im Hinblick auf eine kompromisslos inflationsorientierte Geldpolitik sehr stark, wenn sie entgegen den Erwartungen bereits jetzt die Leitzinsen anheben würde. Am 30. April werde zudem die Inflationsrate für den April veröffentlicht. Sollte es hier zu einer negativen Überraschung kommen, würde dies vermutlich nicht ohne Einfluss auf den EZB-Rat bleiben. Ohne einen solchen "Impuls" sei es jedoch fraglich, ob sich der Rat nach den zuletzt schwachen Konjunkturzahlen trauen würde, bereits jetzt zu entscheiden. Zwar seien die Geldmarktsätze an den Terminmärkten zuletzt etwas gesunken, die Anleger würden jedoch weiterhin mehr als einen Zinsschritt der EZB erwarten.

Für die Mitglieder des EZB-Rats dürfte auch die Betrachtung der Inflationserwartungen interessant sein. Die Verbraucherumfragen würden einen deutlichen Anstieg zeigen und der entsprechende EU-Index für den Euroraum sei im März auf den höchsten Stand seit Juli 2022 gesprungen. Die Anleger würden dagegen, wie an der Entwicklung der Terminmärkte (5Y5Y Inflation Forwards) sichtbar werde, vergleichsweise entspannt bleiben.

Die Überlegungen der Anleger bezüglich der langfristigen Folgen der Krise auf die Inflation dürften auch die EZB beschäftigen. Es werde für viele Unternehmen nicht einfach sein, die erhöhten Inputkosten an die Verbraucher weiterzugeben. Anders als nach der Pandemie seien kaum finanzielle Polster vorhanden. In einer solchen Situation die Finanzierungskosten durch geldpolitische Straffungen zusätzlich zu erhöhen, könnte für viele Unternehmen und ihre Arbeitnehmer existenzielle Folgen haben. (Ausgabe vom 24.04.2026) (27.04.2026/alc/a/a)