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Anleihenmarkt für Griechenland wird es eng
17.02.12 16:56
Deutsche Börse AG
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Positive Konjunktursignale und eine Fortsetzung liquiditätssteigernder Maßnahmen der EZB sorgen auch in dieser Woche für Entspannung an den Finanzmärkten, so die Deutsche Börse AG.
Die Diskussion über eine mögliche Verschiebung der Auszahlung des Hilfspakets an Griechenland habe auch den Euro-Bund-Future zwischenzeitlich über die Marke von 139 Prozent und damit nahe an das Allzeithoch von 140, 23 Prozent vom Januar dieses Jahres geschoben.
"Erhöhte Aufmerksamkeit muss man nun der Kreditentwicklung widmen", meine etwa die HSH Nordbank. Denn die Dynamik bei der Finanzierung von Unternehmen habe zuletzt deutlich nachgelassen. Mit den jüngsten Lockerungen ihrer Standards für Notenbanksicherheiten sowie mit dem Ende Februar anstehenden zweiten Dreijahrestender versuche die EZB einer möglichen Kreditklemme entgegenzuwirken.
Überlegungen in der Versicherungsbranche, Anlageformen wie die Bereitstellung von Eigenkapital für mittelständische Unternehmen in Betracht zu ziehen, könnten zudem die Nachfrage nach Unternehmensanleihen erhöhen. "Den Versicherungen bereitet die dünne Ausbeute mit Bundesanleihen Probleme", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. "Die Garantieverzinsung erreicht man damit nicht."
Das Thema Griechenland beschäftige diese Woche einmal mehr die Märkte. "Deutschland, die Niederlande und Finnland halten den Druck auf die Übergangsregierung hoch und machen die Auszahlung der nächsten Hilfszahlungen von der Umsetzung weiterer Sparmaßnahmen abhängig", berichte Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Schriftliche Zusagen aller großen Parteien würden zudem verlangt, um ein Rückrudern nach der Wahl im April zu verhindern.
Als nächster Termin zur Verkündung der Verhandlungsergebnisse über die Höhe des freiwilligen Schuldenschnitts für private Gläubiger Griechenlands werde nun der kommende Montag gehandelt. "Es gibt Signale, die auf eine nahende Lösung deuten", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Griechische Anleihen, die sich in den Büchern der Europäischen Zentralbank befänden, würden derzeit etwa mit neuen Kennnummern bestückt. "Die EZB hält Hellenen-Bonds in Höhe von 55 Milliarden Euro, die auf diese Weise besonders gekennzeichnet und auch beim privaten Schuldenschnitt besonders behandelt werden."
Auch weise der Kursverlauf der am 20. März auslaufenden und seit Monaten spekulativ gehandelten Griechenlandanleihe auf ein mögliches Finale. Zu Beginn der Woche sei sie noch für 41,50 Prozent über den Tisch gegangen und habe in der Spitze bei 45,50 Euro notiert. "Das Tief lag bei 37,50 Euro", bemerke Daniel. Zurzeit koste die Anleihe 38,50 Euro.
Für den Fall, dass es mit der Auszahlung aus dem Rettungsfonds zeitig nicht klappe, sei zudem ein Überbrückungskredit im Gespräch, damit die griechische Regierung die fällig werdenden 14 Milliarden Euro stemmen könne. "Der Euroaustritt ist noch nicht vom Tisch", glaube der Händler, auch weil die hohen Auflagen der Geberländer nicht der Weisheit letzter Schluss seien. "Die griechische Bevölkerung leidet und wehrt sich zunehmend gegen das Diktat aus Brüssel."
Anhaltend hohes Rückschlagpotenzial bei den Reform- und Konsolidierungsprozessen der Krisenländer könnte die kräftige Spread-Einengung von Peripheriestaatsanleihen gegenüber Bundesanleihen beenden, wie die HSH Nordbank befürchte. Sogar eine erneute Erhöhung der Spread-Schere sei denkbar. Deshalb seien Bundesanleihen auch in Zukunft attraktiv geblieben. Die Analysten würden einen nur leichten Anstieg der Rendite von knapp über 2 Prozent beispielsweise für zehnjährige Bundesanleihen bis Mitte des Jahres voraussagen. "Bis Sommer 2013 kommen möglicherweise 100 Basispunkte hinzu, vorausgesetzt die wirtschaftliche Erholung setzt sich fort."
Insbesondere Privatanleger aber würden sich zunehmend von der Zins-Magerkost deutscher Staatsanleihen abwenden und hätten sich im Zweifel für Tages- oder Festgeld entschieden. "Attraktiv ist eine Verzinsung von 0,05 Prozent für einjährige Bundesschatzbriefe und 0,3 Prozent für zweijährige Bundesanleihen lediglich für den Staat", meine Klaus Stopp, weil er sich dadurch günstig refinanzieren könne. Um Privatinvestoren bei der Stange zu halten, erwäge die Finanzagentur derzeit die Auflegung eines inflationsindizierten Bundesschatzbriefs, das so genannte Schatzdepot des Bundes, das auch sparplanfähig sein solle. "Denn der Anteil privater Kunden ist bei der Finanzagentur in den vergangenen fünf Jahren von 1,6 Prozent auf 1 Prozent geschrumpft."
Anleger hätten Spanien und Italien (ISIN IT0004780380 / WKN A1GXZ0) in dieser Woche problemlos erneut Kredit gewährt. "Auch Portugal verkaufte Geldmarktpapiere in Höhe von fast 3 Milliarden Euro", berichte Brunner. Erfolgreich aufgestockt hätten auch Belgien (ISIN BE0000308172 / WKN A0GSPZ), Frankreich und die Niederlande. Mit einer Staatsanleihe in US-Dollar seien die Niederländer frisch an den Markt herangetreten. "Böse Zungen behaupten, dass die niederländische Regierung dem Euro nicht mehr über den Weg traut", gebe Daniel die ersten Reaktionen aus dem Handelssaal preis.
Großkonzerne hätten gegenwärtig wenig Probleme, sich über den Kapitalmarkt frisches Geld zu beschaffen. Stopp berichte etwa von zwei erfolgreichen Emissionen des britischen Energiekonzerns BP in Höhe von jeweils 1,25 Milliarden Euro mit Laufzeiten bis 2016 und 2019. Die feste Verzinsung falle mit 2,177 und 2,994 Prozent aufgrund BPs sehr guter Bonitätsnote indes nicht üppig aus. Gut angenommen worden sei zudem eine neue Daimler (ISIN DE0007100000 / WKN 710000)-Anleihe in Höhe von einer Milliarde Euro. Anleger hätten sich bei der am 21. Mai 2015 fällig werdenden Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent zufrieden gegeben.
Aufgrund hoher Nachfrage bereits am ersten Tag vorzeitig beendet worden sei die Emission einer Anleihe des Recycling-Unternehmens Scholz. Bis zum Mittag sei das gesamte Volumen von 150 Millionen Euro platziert gewesen. Vorgesehen gewesen für die mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 8,5 Prozent ausgestattete Anleihe sei eine Zeichnungsfrist bis zum 2. März. Seit heute sei die Anleihe im Handel.
Im Handel würden Investoren laut Daniel derzeit namhaften Unternehmen wie dem Pharmadienstleister Celesio vertrauen und hätten sich die Anleihe (ISIN XS0503554627 / WKN 1AWC7) mit einer Laufzeit bis Oktober 2017 und einer Verzinsung von 4,5 Prozent verstärkt ins Depot gelegt. Ausgeglichen aber rege gehandelt worden sei beispielsweise ein Bond (ISIN XS0415624393 / WKN A0T7DD) des Pharmaunternehmens Roche mit Fälligkeit im September 2013 und einem Kupon von 4,625 Prozent.
Von größeren Umsätzen spreche Brunner in einer Schäffler Anleihe (ISIN XS0741938624 / WKN A1G0J3) mit Laufzeit bis 2017 und Zins von 7,75 Prozent. Anleger hätten sich zudem für eine Nachranganleihe (ISIN XS0171797219 / WKN 273032) der IKB interessiert. "Es locken 18,5 Prozent Rendite auf 15 Monate als Ausgleich für die Risiken." In beide Richtungen Einiges bewegt hätten Investoren in einer Anleihe (ISIN DE000WLB26G6 / WKN WLB26G) der WestLB. "Auch größere Positionen waren dabei." (17.02.2012/alc/m/a)
Die Diskussion über eine mögliche Verschiebung der Auszahlung des Hilfspakets an Griechenland habe auch den Euro-Bund-Future zwischenzeitlich über die Marke von 139 Prozent und damit nahe an das Allzeithoch von 140, 23 Prozent vom Januar dieses Jahres geschoben.
"Erhöhte Aufmerksamkeit muss man nun der Kreditentwicklung widmen", meine etwa die HSH Nordbank. Denn die Dynamik bei der Finanzierung von Unternehmen habe zuletzt deutlich nachgelassen. Mit den jüngsten Lockerungen ihrer Standards für Notenbanksicherheiten sowie mit dem Ende Februar anstehenden zweiten Dreijahrestender versuche die EZB einer möglichen Kreditklemme entgegenzuwirken.
Überlegungen in der Versicherungsbranche, Anlageformen wie die Bereitstellung von Eigenkapital für mittelständische Unternehmen in Betracht zu ziehen, könnten zudem die Nachfrage nach Unternehmensanleihen erhöhen. "Den Versicherungen bereitet die dünne Ausbeute mit Bundesanleihen Probleme", bemerke Klaus Stopp von der Baader Bank. "Die Garantieverzinsung erreicht man damit nicht."
Das Thema Griechenland beschäftige diese Woche einmal mehr die Märkte. "Deutschland, die Niederlande und Finnland halten den Druck auf die Übergangsregierung hoch und machen die Auszahlung der nächsten Hilfszahlungen von der Umsetzung weiterer Sparmaßnahmen abhängig", berichte Arthur Brunner von ICF Kursmakler. Schriftliche Zusagen aller großen Parteien würden zudem verlangt, um ein Rückrudern nach der Wahl im April zu verhindern.
Als nächster Termin zur Verkündung der Verhandlungsergebnisse über die Höhe des freiwilligen Schuldenschnitts für private Gläubiger Griechenlands werde nun der kommende Montag gehandelt. "Es gibt Signale, die auf eine nahende Lösung deuten", erkläre Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsgesellschaft. Griechische Anleihen, die sich in den Büchern der Europäischen Zentralbank befänden, würden derzeit etwa mit neuen Kennnummern bestückt. "Die EZB hält Hellenen-Bonds in Höhe von 55 Milliarden Euro, die auf diese Weise besonders gekennzeichnet und auch beim privaten Schuldenschnitt besonders behandelt werden."
Auch weise der Kursverlauf der am 20. März auslaufenden und seit Monaten spekulativ gehandelten Griechenlandanleihe auf ein mögliches Finale. Zu Beginn der Woche sei sie noch für 41,50 Prozent über den Tisch gegangen und habe in der Spitze bei 45,50 Euro notiert. "Das Tief lag bei 37,50 Euro", bemerke Daniel. Zurzeit koste die Anleihe 38,50 Euro.
Anhaltend hohes Rückschlagpotenzial bei den Reform- und Konsolidierungsprozessen der Krisenländer könnte die kräftige Spread-Einengung von Peripheriestaatsanleihen gegenüber Bundesanleihen beenden, wie die HSH Nordbank befürchte. Sogar eine erneute Erhöhung der Spread-Schere sei denkbar. Deshalb seien Bundesanleihen auch in Zukunft attraktiv geblieben. Die Analysten würden einen nur leichten Anstieg der Rendite von knapp über 2 Prozent beispielsweise für zehnjährige Bundesanleihen bis Mitte des Jahres voraussagen. "Bis Sommer 2013 kommen möglicherweise 100 Basispunkte hinzu, vorausgesetzt die wirtschaftliche Erholung setzt sich fort."
Insbesondere Privatanleger aber würden sich zunehmend von der Zins-Magerkost deutscher Staatsanleihen abwenden und hätten sich im Zweifel für Tages- oder Festgeld entschieden. "Attraktiv ist eine Verzinsung von 0,05 Prozent für einjährige Bundesschatzbriefe und 0,3 Prozent für zweijährige Bundesanleihen lediglich für den Staat", meine Klaus Stopp, weil er sich dadurch günstig refinanzieren könne. Um Privatinvestoren bei der Stange zu halten, erwäge die Finanzagentur derzeit die Auflegung eines inflationsindizierten Bundesschatzbriefs, das so genannte Schatzdepot des Bundes, das auch sparplanfähig sein solle. "Denn der Anteil privater Kunden ist bei der Finanzagentur in den vergangenen fünf Jahren von 1,6 Prozent auf 1 Prozent geschrumpft."
Anleger hätten Spanien und Italien (ISIN IT0004780380 / WKN A1GXZ0) in dieser Woche problemlos erneut Kredit gewährt. "Auch Portugal verkaufte Geldmarktpapiere in Höhe von fast 3 Milliarden Euro", berichte Brunner. Erfolgreich aufgestockt hätten auch Belgien (ISIN BE0000308172 / WKN A0GSPZ), Frankreich und die Niederlande. Mit einer Staatsanleihe in US-Dollar seien die Niederländer frisch an den Markt herangetreten. "Böse Zungen behaupten, dass die niederländische Regierung dem Euro nicht mehr über den Weg traut", gebe Daniel die ersten Reaktionen aus dem Handelssaal preis.
Großkonzerne hätten gegenwärtig wenig Probleme, sich über den Kapitalmarkt frisches Geld zu beschaffen. Stopp berichte etwa von zwei erfolgreichen Emissionen des britischen Energiekonzerns BP in Höhe von jeweils 1,25 Milliarden Euro mit Laufzeiten bis 2016 und 2019. Die feste Verzinsung falle mit 2,177 und 2,994 Prozent aufgrund BPs sehr guter Bonitätsnote indes nicht üppig aus. Gut angenommen worden sei zudem eine neue Daimler (ISIN DE0007100000 / WKN 710000)-Anleihe in Höhe von einer Milliarde Euro. Anleger hätten sich bei der am 21. Mai 2015 fällig werdenden Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent zufrieden gegeben.
Aufgrund hoher Nachfrage bereits am ersten Tag vorzeitig beendet worden sei die Emission einer Anleihe des Recycling-Unternehmens Scholz. Bis zum Mittag sei das gesamte Volumen von 150 Millionen Euro platziert gewesen. Vorgesehen gewesen für die mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 8,5 Prozent ausgestattete Anleihe sei eine Zeichnungsfrist bis zum 2. März. Seit heute sei die Anleihe im Handel.
Im Handel würden Investoren laut Daniel derzeit namhaften Unternehmen wie dem Pharmadienstleister Celesio vertrauen und hätten sich die Anleihe (ISIN XS0503554627 / WKN 1AWC7) mit einer Laufzeit bis Oktober 2017 und einer Verzinsung von 4,5 Prozent verstärkt ins Depot gelegt. Ausgeglichen aber rege gehandelt worden sei beispielsweise ein Bond (ISIN XS0415624393 / WKN A0T7DD) des Pharmaunternehmens Roche mit Fälligkeit im September 2013 und einem Kupon von 4,625 Prozent.
Von größeren Umsätzen spreche Brunner in einer Schäffler Anleihe (ISIN XS0741938624 / WKN A1G0J3) mit Laufzeit bis 2017 und Zins von 7,75 Prozent. Anleger hätten sich zudem für eine Nachranganleihe (ISIN XS0171797219 / WKN 273032) der IKB interessiert. "Es locken 18,5 Prozent Rendite auf 15 Monate als Ausgleich für die Risiken." In beide Richtungen Einiges bewegt hätten Investoren in einer Anleihe (ISIN DE000WLB26G6 / WKN WLB26G) der WestLB. "Auch größere Positionen waren dabei." (17.02.2012/alc/m/a)
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