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Aktienanleihen: LBBW mit bestem, UBS mit schlechtestem Pricing


08.08.13 16:09
Scope Analysis

Berlin (www.anleihencheck.de) - Scope hat für den Monat Juli die Preise der gängigsten Aktienanleihen und Discountzertifikate auf den DAX, sowie Bonuszertifikate auf die Deutsche Telekom analysiert, so die Analysten von Scope Analysis.

Ergebnis: Die von der LBBW und HSBC gestellten Preise für Aktienanleihen bzw. Discountzertifikate hätten im Durchschnitt die geringsten Abweichungen zum fairen Wert (Fair Value) aufgewiesen. Bei Bonuszertifikaten habe BNP die aus Anlegersicht besten Preise gestellt. Die insgesamt größten Abweichungen vom Fair Value seien bei Bonuszertifikaten der WGZ Bank ermittelt worden.

Scope habe die Fair Values der insgesamt rund 570 betrachteten Zertifikate für sämtliche Handelstage im Juli mehrmals täglich errechnet und mit den quotierten Briefkursen der Produkte verglichen. Die erfassten Fair-Value-Abweichungen seien jeweils für alle Anbieter aggregiert worden. Das Ergebnis sei ein Ranking, das die durchschnittlichen Fair-Value-Abweichungen jedes Emittenten ausweise.

Das beste Pricing für die analysierten Aktienanleihen auf den DAX habe im Juli die LBBW aufgewiesen. Das aus Anlegerperspektive nachteiligste Pricing habe die UBS gezeigt. Die Abweichungen zum Fair Value seien bei der UBS im Durchschnitt 1,03 Prozentpunkte größer als bei der LBBW gewesen. Für Anleger entspreche dies einer Renditeeinbuße im gleichen Umfang.

Bei Discountzertifikaten auf den DAX hätten im Durchschnitt HSBC und die WGZ Bank die fairsten Preise gestellt. Durchschnittlich 0,93 Prozentpunkte größer seien die Fair-Value-Abweichungen bei BNP Paribas gewesen.

Das fairste Pricing für Bonuszertifikate auf den DAX habe im Juli die BNP Paribas aufgewiesen, dicht gefolgt von der Deutschen Bank. Das aus Anlegerperspektive nachteiligste Pricing habe die WGZ Bank gezeigt. Die Fair-Value-Abweichungen seien bei Bonuszertifikaten der WGZ Bank durchschnittlich 2,25 Prozentpunkte größer als bei der BNP Paribas gewesen.

Die ESMA habe - analog zu den Auswertungen von Scope - vor kurzem Fair Value Abweichungen bei strukturierten Produkten ermittelt und veröffentlicht. Im Fokus hätten dabei Zertifikate aus verschiedenen europäischen Märkten gestanden. Die von der ESMA beobachteten Angebotspreise hätten durchschnittlich 5,5 Prozentpunkte oberhalb der berechneten Fair Values gelegen.

Die von Scope fortlaufend berechneten Fair Value Abweichungen lägen signifikant unterhalb der von der ESMA ermittelten Werte. Der Unterschied lasse sich darauf zurückführen, dass sich die Analysen von Scope ausschließlich auf strukturierte Produkte beziehen würden, die in Deutschland zum öffentlichen Vertrieb zugelassen seien. Aus den Berechnungen der ESMA lasse sich daher der Schluss ziehen, dass die in Deutschland zugelassenen strukturierten Produkte im europäischen Vergleich im Durchschnitt fairer gepreist seien.

Anders als bei Aktien oder Anleihen ergebe sich der Preis von Zertifikaten nicht durch Angebot und Nachfrage. Vielmehr würden die Zertifikate-Emittenten die Geld- und Briefkurse selbst stellen. Diese von den Anbietern gesetzten Preise würden jedoch zum Teil deutlich von ihrem fairen Wert abweichen - und somit versteckte Kosten in signifikanter Höhe enthalten. Das Problem für Anleger und Berater: man könne nicht ohne Weiteres erkennen, ob der angebotene Preis fair sei oder nicht. Der Grund: Der faire Preis eines Zertifikats lasse sich nur mit Hilfe komplexer mathematischer Modelle ermitteln.

Um den Fair Value zu berechnen, würden Zertifikate in ihre Komponenten - Anleihe und Optionen - zerlegt und einzeln bewertet werden. Der Preis der Anleihe ergebe sich maßgeblich durch die Risikoprämie für die Bonität des Emittenten (CDS-Spread). Die Preise für die Optionen wiederum würden wesentlich durch die implizite Volatilität und den Kurs des Basiswerts beeinflusst. Durch den Einsatz von mathematischen Modellen lasse sich der "faire" Preis eines Zertifikats errechnen. (08.08.2013/alc/n/a)