http://www.faz.net/aktuell/politik/...kitsch-und-das-geld-117395.html Jeder, der den Kulturbetrieb kennt, hat in den letzten Jahren ähnliche Erfahrungen machen können: Die Entrechtung, Vertreibung, Versklavung und Ermordung der europäischen Juden wurde zur Grundlage einer pseudoreligiösen Rhetorik, ja für manche zum eigenen Erwerbszweig. Irgendwann kam in den Vereinigten Staaten der böse Satz auf: „There is no business like Shoa-business.“ Kein Geschäft ist so gut wie das mit dem moralischen Kapital des guten Gewissens. Buch "Die Holocaust-Industrie" von Norman G. Finkelstein Finkelstein ist ein jüdischer Dissident, wie Hannah Arendt zu ihrer Zeit. Eine ideologische Darstellung der Naziverbrechen: Das ist, so Finkelstein, die Hauptsünde der Holocaust-Industrie. Er will zu den robusten politischen Kategorien zurück, die einst die Linke und die Dissidenten auszeichneten: Er spricht von Geschichte, Macht und Interessen, nicht von Erinnerung. Und Ideologie bedeutet für ihn nicht nur eine ästhetisch mißglückte Darstellung - auch wenn ihm gerade hier, an den unsäglichen Sätzen des gefeierten Elie Wiesel über die „Majestät“ des Holocaust, die überzeugendste Kritik gelingt -, sondern Ideologie heißt klipp und klar: Der Kitsch ist eine Waffe im politischen und wirtschaftlichen Kampf. Hier gewinnt das Buch seine eigentliche Brisanz. Der Sprengsatz steckt im dritten Teil, der sich nicht scheut, vom Geld zu reden und von den Kampagnen der vergangenen Jahre. Finkelstein wirft den amerikanischen Organisationen zwei Dinge vor: Sie legten ihren Forderungen zu hohe Zahlen der überlebenden Opfer zugrunde, und zweitens: Sie hätten große Teile der deutschen Wiedergutmachungszahlungen, die seit Beginn der fünfziger Jahre geleistet wurden, für andere Zwecke des jüdischen Aufbaus verwendet. Nur etwa fünfzehn Prozent der Gesamtleistungen seien jüdischen Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung zugute gekommen. Die Jewish Claims Conference steht nun, nicht zum ersten Mal übrigens, unter Druck. Der Streit, den etwa Gabriele Hammerstein mit der Organisation ausfechten mußte, um an das Erbe ihrer vertriebenen Eltern zu gelangen, machte schon vor mehr als zwei Jahren Schlagzeilen. |