Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2015, Nr. 107, S. 32 Sangui Biotech "Es ist fast ein Wunder, dass es uns noch gibt", sagt Joachim Fleïng, Finanzvorstand der Sangui Biotech. Das Biotech-Unternehmen aus Witten war schon im Frühjahr 2000 in Amerika über einen Börsenmantel in den deutschen Freiverkehr gegangen. Doch mit dem Platzen der Technologie-Blase versiegten die Finanzierungsmöglichkeiten, und 2004 stand Sangui kurz vor dem Bankrott. Die Forschungen mussten eingestellt und sich mit Kosmetikprodukten über Wasser gehalten werden. "Wir sind jenseits des Mainstreams innovativ", sagt Fleïng. Doch jetzt meldet sich Sangui mit seiner ureigensten Expertise zurück. Sangui kommt vom lateinischen Wort für Blut. Und so ist das Hauptprodukt des Unternehmens ein Träger, der die Wundversorgung mit Sauerstoff erhöhen soll. 2010 gründete man das Gemeinschaftsunternehmen Sastomed mit dem Kosmetikdienstleister Sander-Strothmann, und seit 2012 ist mit dem Wundheilungsspray Granulox das erste Sangui-Produkt in Deutschland und 17 weiteren Ländern verfügbar. Schrittweise wird die Präsenz derzeit über Vertriebspartner ausgebaut. "Wir stecken noch in der Markteintrittsphase", sagt Fleïng. Die hohen Erwartungen in Deutschland hätten sich zwar nicht erfüllt, aber in der Fachöffentlichkeit beginne sich das Produkt zu verbreiten. Aber Granulox ist nur der erste Schritt. Nächstes Ziel ist ein Präparat gegen den septischen Schock. Dieser gilt als eine der häufigsten Todesursachen in der Intensivmedizin. Der Körper konzentriert sich auf die Versorgung einer Wunde, und es kommt zum Multi-Organ-Versagen. Granulox kann hier nicht angewendet werden. Mit der selbstentwickelten Hyperpolymer-Technik habe man im März einen Durchbruch erzielt, als man im Versuch an Mäusen eine verbesserte Sauerstoffversorgung innerer Organe erreichen konnte. Nun sucht Sangui Finanzierungspartner, um die präklinischen Studien abschließen zu können. In den kommenden Jahren wird die finanzielle Entwicklung daher von Granulox geprägt sein. In der zweiten Hälfte des Jahres 2014 hat Sangui rund 100 000 Dollar umgesetzt. Bis 2017 soll der Umsatz auf 1,1 Millionen Dollar steigen und das Unternehmen operativ profitabel werden. Der Aktienkurs liegt derzeit bei 5 Cent, auf einem langfristig tiefen Niveau, wodurch das Unternehmen mit lediglich 7,65 Millionen Euro bewertet ist. Wer das mit einem solchen Pennystock verbundene hohe Risiko nicht scheut, kann jetzt billig zugreifen. mho. Print http://fazarchiv.faz.net/document/iframePrint 11.05.2015 11:53 |