passt zur aktuellen Wirtschaftslage und passt für die Leute in diesem Board...
Der Wallstreet-Yuppie Patrick Bateman scheint ein normaler Oberschichten-Snob Mitte der 80er zu sein: Er trägt teure Anzüge, hat eine überteuerte Wohnung und langweilt sich mit seinen oberflächlichen Bekannten in Luxus-Clubs oder auf Koks-Partys. Doch unter der Oberfläche ist er mehr als seine Bekannten erahnen können, denn er versucht, die Leere in seinem Leben auf die denkbar brutalste Weise zu kompensieren: Er misshandelt und tötet Menschen.
Im Laufe der Handlung verliert sich Bateman zusehends in seinem Blutrausch und weiß bald nur noch schwer Realität und Phantasie zu unterscheiden. Gegen Ende des Romans richtet Bateman ein Blutbad an, das nicht übersehen werden kann, und beichtet seinem Anwalt alle seine Greueltaten. Allerdings muss er erkennen, dass selbst sein Anwalt ihn ignoriert, das Ganze für einen Scherz hält und ihn sogar mit einem anderen verwechselt. Das stellt ein Schlüsselmotiv des Romans dar - zum einen, weil Bateman immer wieder von Bekannten verwechselt wird, und zum anderen, da er ständig seine Greueltaten gesteht, ohne jedoch Gehör zu finden. Als Bateman nach den Opfern, die er noch in der Eigentumswohnung eines von ihm ermordeten Bekannten vermutet, sehen will, sind diese schon alle verschwunden und die Wohnung, in der er die Leichen lagerte, ist gestrichen und zum Verkauf angeboten. Auch der Taxifahrer, der ihn als den Mörder eines Kollegen wiedererkennt, zeigt ihn nicht an, sondern will lediglich sein Geld und seine Rolex.
Bret Easton Ellis entwirft in American Psycho eine Art „Amerikanischen Albtraum“. Bateman hat das geschafft, wovon alle träumen: Reich zu werden und ein sorgenfreies Leben zu führen. Dieses Leben erscheint dem Leser jedoch als albtraumhaft langweilig und inhaltslos. Der einzige Inhalt sind Batemans Sex- und Gewaltexzesse. Sein Reichtum, seine Zugehörigkeit zur Gesellschaft der Reichen hat ihn in Wirklichkeit nicht weitergebracht. American Psycho zeigt das böse Gesicht eines amoralischen Materialismus, aus dem es für Bateman keinen Ausweg mehr gibt. Die Frage, ob diese Gewaltexzesse real sind und von der Gesellschaft ignoriert werden, oder ob sie nur in der psychotischen Phantasie Batemans stattfinden, lässt das Buch offen. Auch das in Ellis' Romanen wiederkehrende Motiv des Identitätsverlustes des Protagonisten spielt hier mit hinein. |