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Haben die Banken die Blamage verhindert?
Dann aber geht es rund. Der Kurs schnellt mit einem einzigen Wimpernschlag vom Einstiegspreis (38 Dollar) auf 42,99 Dollar - ein Plus von 13 Prozent. Allein in den ersten 30 Sekunden wechseln da 82 Millionen Aktien den Besitzer. Ein fulminantes Debüt.
Kurz darauf sackt der Wert schon wieder ab, rutscht unter 40 Dollar. 23 Minuten nach der Premiere landet die Aktie auf ihrem Ausgangswert: 38 Dollar. "Unchanged", blinkt es von der Nasdaq-Wand - unverändert. Tiefer ging es jedoch nicht. Fortan pendelt das Papier hin und her. Immer noch im Plus, aber eben nicht so deutlich wie zum Auftakt. Prompt setzen die Spekulationen am Markt ein. Nach Einschätzung von Beobachtern dürften die Banken, die den Börsengang begleiteten, zu diesem Zeitpunkt mit Aktienkäufen eine Blamage verhindert haben.
Vor der Nasdaq-Zentrale am Times Square, die den Kurs live über ihre Glasfassade flimmern lässt, drängen sich Dutzende Schaulustige und mehrere Kamerateams hinter einer Absperrung. Experten warnen, dass die dramatischen Zahlen nicht viel heißen müssen: Listings explodieren oft am Anfang. Worauf es wirklich ankommt, ist der Langzeit-Trend.
Sicher, mit dem Börsengang bezifferte das erst acht Jahre alte soziale Netzwerk seinen Marktwert auf sagenhafte 104 Milliarden Dollar, mehr als jeder andere US-Konzern bei seiner Börsenpremiere. Mit 18,4 Milliarden Dollar verdient sich Facebook damit den Titel des größten Tech-Listings und des drittgrößten Börsengangs überhaupt in der US-Börsengeschichte.
Doch Partystimmung sieht anders aus. "Wir sehen da draußen einige unglückliche Leute. Sie hatten darauf gehofft, dass Facebook sich deutlich besser schlägt. Ich wette, da sind viele enttäuscht", sagte Wayne Kaufman vom Brokerhaus John Thomas Financial. Das holprige Börsendebüt belastete die Wall Street. Alle Indizes notierten im Minus. "Wir stehen nach diesem wenig erstaunlichen Handelsstart etwas unter Druck. Der Börsengang konnte nicht wie von einigen Händlern erhofft den Gesamtmarkt beflügeln", sagte Frank Davis von LEK Securities in New York.
Skeptiker dürften sich von dem wackeligen Auftakt bestätigt sehen. Vor allem die zuletzt enttäuschenden Umsatzzahlen und die unscharfe Unternehmensstrategie schrecken vorsichtige Anleger weiterhin ab. Hinzu kam am Freitag ein Bericht über eine Sammelklage gegen das Netzwerk. Nutzer werfen Facebook vor, ihre Spuren im Internet aufgezeichnet zu haben - selbst nachdem sie die Website geschlossen hätten. Die Kläger verlangen nun im Namen aller Geschädigten in den USA 15 Milliarden Dollar.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/...-boerse-a-833899.html |