Eine ägyptische Sex-Therapeutin sprach in Wien über Lust, Ehe und den Koran.
Wien. Der Raum des Wiener Hotels war zum Bersten voll. Doch dann durchbrach Heba Kotb mit ihrer These die Stille: Der Koran erlaubt, dass sowohl Mann als auch Frau Spaß am Sex haben dürfen. „Ich glaube, meine Religion verwöhnt mich“, sagte die Ärztin. „Denn sie gibt verheirateten Frauen gewisse Rechte.“
Das Thema Sexualität wird in der arabischen Welt vermieden. Und auch in Wien fühlten sich viele der Zuhörer am Ende ihres Vortrags angegriffen, besonders weil Kotb ihre Interpretationen aus dem Koran ableitet. Verheiratete Frauen seien bezüglich ihres Sexuallebens verschüchtert und unsicher, so Kotb.
Die ägyptische Eheberaterin war in Wien, um an der Konferenz „Ein Blick auf die Frauen in der arabischen Welt: Errungenschaften und Ziele“ teilzunehmen. Die Medizinerin leitet eine Klinik mit dem Schwerpunkt Sexualleben in Kairo.
Mohammed gab Beispiel
Viele der Frauen im Publikum trugen Kopftücher. Ihre Gesichter waren angespannt. Kotb möchte gegen die Verschwiegenheit ankämpfen. Sie sagt, Sex sei für eine erfolgreiche Ehe entscheidend. Sie erinnert ihre Zuhörer – unter ihnen auch einige Männer – daran, dass Aisha, die Frau des Propheten Mohammed, ihren Mann ins Bett gerufen habe.
Die Reaktionen im Publikum waren geteilt. „Kein praktizierender Muslim würde Sie ernst nehmen“, sagte einer der Zuhörer. „Ist das Ihre eigene Interpretation?“, meinte eine Frau zu Kotbs Interpretation des Koran bezüglich Sexualität und Lust. Ablehnung ist für Kotb nichts Neues: Ihre Klinik, die Sexberatung, Eheberatung und Sextherapie anbietet, ist sehr umstritten, in Kairo und in der ganzen arabischen Welt. Kotb, die selbst Muslimin ist, will weder zu Sex außerhalb der Ehe noch zu Homosexualität ermutigen.
Ihr Ziel ist es, mit Vorurteilen gegen muslimische Frauen aufzuräumen und den Umgang von Muslime mit Sexualität zu entkrampfen. Auch religiöse Menschen sollten offen über diese Themen sprechen können, meint die Ärztin.
Dr. Abdul Basit – der Muslim leitet eine Klinik in den USA und ist Chefredakteur der medizinischen Zeitschrift „Journal for Muslim Mental Health“ – stimmt ihr zu, dass Muslime nicht viel über Sex reden. Es gebe nämlich viel größere Probleme. Hauptursache für Schwierigkeiten in muslimischen Ehen seien Streitereien ums Geld, sagt Basit.
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