Berlin beendet die Ära vertrauensvoller, langjähriger freundschaftlicher Beziehungen zu Moskau, die Gorbatschow eröffnet hat. Auch Moskau blättert die historische Seite um. Damit wird die Situation einfacher, aber gleichzeitig auch risikoreicher.
Der Fall der Vergiftung von Alexej Nawalny ist ein Wendepunkt in den deutsch-russischen Beziehungen. Die Einzelheiten des Falles, die noch weitgehend unklar sind, sind nicht mehr wichtig. Im September 2020 traf Berlin eine grundlegende Entscheidung der deutschen Außenpolitik: Deutschland wird gegenüber Russland keine Sonderpolitik mehr betreiben. Es wird nicht mehr versucht, die Motive der anderen Seite zu verstehen, gegenseitiges Verständnis und zumindest minimale Zusammenarbeit anzustreben. Weder wird Berlin als Dolmetscher aus dem Russischen in westliche politische Sprachen fungieren, noch wird es als Verantwortlicher für die Beziehungen zu Russland in Moskau die Positionen seiner Verbündeten erläutern.
Damit beendet nicht nur Berlin eine Ära vertrauensvoller, langjähriger freundschaftlicher Beziehungen zu Moskau, die Gorbatschow eröffnet hat. Auch in Moskau wird diese Seite umgeblättert. Was vor 30 Jahren, zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands, nicht nur als historische Versöhnung, sondern auch als Garant für künftige freundschaftliche Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern und Staaten gesehen wurde, gehört heute der Vergangenheit an.
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