Bei einem israelischen Luftangriff im Südlibanon ist möglicherweise auch ein österr. UN-Beobachter getötet worden. Nach Angaben der Vereinten Nationen starben mindestens zwei UN-Beobachter. Es wird befürchtet, dass die Leichen zweier weiterer UN-Soldaten unter den Trümmern begraben liegen. UN-Generalsekretär Kofi Annan reagierte schockiert und empört und sprach von einem „offenbar vorsätzlichen“ Angriff der Israelis. Ein ranghoher libanesischer Militärangehöriger sagte, bei dem israelischen Luftangriff seien UN-Beobachter aus Österreich, Kanada, China und Finnland ums Leben gekommen. Im Verteidigungsministerium in Wien konnte man diese Angaben nicht bestätigen. Der Vorfall werde untersucht. Es seien zwei Leichen gefunden worden, deren Identität bisher noch nicht festgestellt werden konnte. Gegenwärtig befinden sich insgesamt vier österreichische Beobachter im Südlibanon.
Das Verteidigungsministerium bestätigte, dass ein UN-Posten getroffen wurde, in dem sich UN-Beobachter befanden. Auf diesem Posten seien ein österreichischer, ein chinesischer, ein kanadischer und ein finnischer UN-Beobachter stationiert. Nachdem kein Kontakt mehr mit dem UN-Posten aufgenommen werden konnte, sei von der UN-Mission UNIFIL eine indische Patrouille zu dem Posten entsendet worden. Diese Patrouille habe dann die beiden Leichen gefunden.
Annan erklärte, die UNO wolle zunächst die Angehörigen benachrichtigen, bevor sie Angaben zur Herkunft der getöteten Beobachter mache. Er drücke „den Familien unserer gefallenen Friedenssoldaten“ sein aufrichtiges Beileid auf. Annan sagte, er sei geschockt und zutiefst beunruhigt von dem „offenbar vorsätzlichen“ Angriff der israelischen Streitkräfte auf den UN-Posten. Der Stützpunkt existiere schon seit geraumer Zeit und sei klar gekennzeichnet gewesen. „Ich fordere die israelische Regierung zu einer umfassenden Untersuchung dieses überaus beunruhigenden Vorfalls auf und verlange, dass alle Angriffe auf UN-Stellungen und Angehörige aufhören müssen.“
Der französische General Alain Pelligrini, der die Beobachtermission UNIFIL im Süden des Libanon kommandiert, habe „den ganzen Dienstag lang“ immer wieder mit israelischen Offizieren gesprochen und dabei betont, dass dieser UN-Posten von Angriffen verschont bleiben müsse. Annan erfuhr in Rom nach einem Treffen mit US-Außenministerin Condoleezza Rice und dem libanesischen Ministerpräsidenten Fouad Siniora von dem Angriff.
Der israelische UN-Botschafter Gillerman erklärte, er sei „schockiert und sehr beunruhigt“ über Annans Anschuldigungen. Die Behauptungen des UN-Generalsekretärs seien „voreilig und falsch“.
Es sind nicht die ersten Opfer aus den Reihen der UN seit Beginn der israelischen Offensive vor zwei Wochen. So wurden bei einem Feuergefecht zwischen israelischen Soldaten und Hisbollah-Kämpfern in der Hafenstadt Tyrus ein ziviler Beschäftigter der UNIFIL und seine Frau getötet. Außerdem wurden nach UN-Angaben fünf UNIFIL-Soldaten und ein Militärbeobachter verwundet
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