Charttechniker sehen Dax mit relativer Stärke Begrenzung bei 3 600 Punkten bereits überschritten
UWE WAGNER HANDELSBLATT, 3.11.2003 FRANKFURT/M. In Europa und in den USA markierten die Aktienindizes im Handelsverlauf Ende vergangener Woche neue Hochs bei ihren Aufwärtsreaktionen, doch fällt die nachlassende Schwungkraft auf. Wegen der zum Teil nahen Widerstände steigt das Risiko eines Auslaufens der jüngsten tertiären Aufwärtstrends.
Innerhalb der von uns beurteilten europäischen Aktienindizes erwies sich der Deutsche Aktienindex (Dax) in den letzten Tagen als einer der Börsenbarometer mit der höchsten relativen Stärke. Im Gegensatz zu anderen Indizes hielten sich die Verluste vor zwei Wochen im Dax in Grenzen und schöpften nur das normale Korrekturpotenzial aus. Folgerichtig fällt der Aufwärtsimpuls im Dax stärker aus als in anderen Marktbarometern. So könnte man unterstellen, dass der Dax ausreichend Kraft aufbauen könnte, neue Jahreshochs zu erreichen. Gegen diese Aussicht spricht die verhaltene Reaktionsstärke in den meisten Europa-Indizes. Das zwingt uns, Long-Positionen per Stop-Kurs abzusichern und auf Einstiegssignale auf der Short-Seite zu warten.
Ordnen wir die jüngste Entwicklung des Dax in sein Gesamtbild ein: Er befindet sich in einer sehr breit gefassten Konsolidierungszone mit potenziellen Begrenzungen um 3600/3676 auf der Oberseite und 3200 auf der Unterseite. Hier eingebettet kristallisierte sich in den letzten Wochen eine enger gefasste Schiebezone heraus, deren Begrenzungen wir um 3600 und um 3438/3423 definieren. Diese Schiebezone wurde am Donnerstag nach oben überwunden.
Das neutrale Gesamtbild wird von der Markttechnik nur unzureichend bestätigt, denn über die trendfolgenden Indikatoren wird dem Dax seit Tagen ein sogenanntes long-set-up ausgewiesen, was eine Bestätigung des laufenden Aufwärtstrends bedeutet. Die Schwungkraft ist auf der Oberseite gut ausgebildet, markiert jedoch keinen Extrembereich. Lediglich die mittelfristig relevante Bewegungsdynamik, gemessen über den ADX, ist rückläufig. Doch zeigte die bisherige Korrektur, dass wir wahrscheinlich eine höhere Dynamik auf der Oberseite liegen haben als über den ADX angezeigt wird.
Aus diesen Faktoren heraus ziehen wir folgende Schlussfolgerung: Unter strategischem Blickwinkel bleiben wir erstens für den Dax vorerst neutral, da sich der Kursverlauf noch innerhalb der übergeordneten Konsolidierungszone bewegt. Die sich verbessernde Markttechnik sollte zweitens nicht unbeachtet gelassen werden, sondern zwingt uns, nicht vorschnell zu agieren, sondern einen Ausbruch auf der Oberseite nicht auszuschließen. Selbst wenn es drittens zu einem Impulswechsel kommt, bleibt die Frage nach seinem Ausmaß. Somit berechnen wir die Reaktionspotenziale auf die bisherige Wegstrecke des Kursanstieges: 3593/3580 (Minimumkorrektur), 3551 (Normalkorrektur) und 3521/3509 (Maximumkorrektur).
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