Ein Abiturient aus Afghanistan bekommt keinen Pass, weil er seinen Namen nicht nachweisen kann. In einer Petition forderten 100.000 seine Einbürgerung, auch Politiker. Die Behörden bleiben stur.
Als der Junge sechs Jahre als ist, werden seine Eltern und vier Geschwister von den Taliban ermordet. In einem Versteck im Hühnerstall kann er dem Massaker entkommen. Er wartet, bis die Schüsse vorüber sind, kriecht aus seinem Versteck und ist Vollwaise. Die kommenden Jahre lebt er beim Bruder seiner Mutter. Er arbeitet auf dem Feld, sammelt Holz, näht. So verdient er sich das Recht, bei seinem Onkel auf dem Boden schlafen zu dürfen.
Mit zwölf Jahren beginnt für den Jungen eine vierjährige Flucht-Odyssee. Er schläft in den Parks von Paris, quetscht sich auf Schlepper-Lkw in Wassermelonenkisten, bis seine Gliedmaßen taub werden. In Athen treten Polizisten auf ihn ein. Als er 15 ist, wird er in Norddeutschland gefasst. Zu diesem Zeitpunkt weiß er nicht, in welchem Land er sich überhaupt befindet. Sie stecken ihn in ein Gefängnis für erwachsene Straftäter in Hannover-Langenhagen. Zwei Mal versuchen sie, ihn abzuschieben. Der völlig panische Junge klammert sich am Flughafen an alles, was sich ihm bietet, er weint und wehrt sich. Der Pilot der Maschine weigert sich schließlich, Martin mitzunehmen. Der Junge muss ins Gefängnis zurück. Seine Geschichte rührt selbst die Insassen. Schließlich sammelt ein einsitzender Drogendealer unter den Gefangenen Geld für einen Anwalt. Es gibt Termine, Verhandlungen. Martin versteht kein Wort. "Ich hatte einen Ledergürtel um den Bauch, an den meine Hände gefesselt wurden", schreibt er. "Ich sah aus, als hätte ich jemanden umgebracht." Nach der Verhandlung bewegt er sich zum Ausgang Richtung Zelle – die Macht der Gewohnheit. Sein Anwalt ruft ihm nach: "You are free, you can go." Wendet sich die Geschichte zum Guten?
http://www.welt.de/vermischtes/article143134607/...chtlingsnamen.html
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