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Die unterstützenden Signale der EZB sind zu schwach
18.09.20 10:50
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Peter De Coensel, Chef-Anleihenstratege von Degroof Petercam Asset Management (DPAM), ist der Meinung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) mehr präventiv statt reaktiv handeln sollte.
Die EZB sei nicht sensibel genug für negative Rückkopplungen, die sich nach einem eingetretenen Schaden in den meisten Fällen hartnäckig halten würden. Vor allem Inflations- und Investitionskanäle würden nicht aufgrund einer zu zurückhaltenden Ausstattung und/ oder zu späten Ankündigung politischer Initiativen funktionieren. Während die Umsetzung fehlerfrei sei, sei die Qualität der Signalgebung und der Präventivmaßnahmen schlecht oder gar nicht vorhanden.
Der Experte beziehe sich auf die jüngsten makroökonomischen Projektionen der EZB bis 2022, die neben einem Basisszenario ein mildes sowie ein schwieriges Szenario berücksichtigen würden. Der Verlauf innerhalb des Basisszenarios für die Inflation des "Harmonisierten Verbraucherpreisindex" (HVPI) ergebe einen Inflationsdruck von 0,3% für 2020, 1,00% für 2021 und 1,3% für 2022. Während dieses Projektionszeitraums werde das Inflationsziel von "2% oder knapp darunter" nicht erreicht. Bereits in einer Präsentation Ende August habe Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB erklärt, dass die COVID-19-Gesundheitskrise deflationär wirke und ein wichtiger geldpolitischer Stimulus erforderlich sei, um den Inflationspfad anzuheben.
Eine unzureichende Umsetzung könne den Weg zum offiziellen Inflationsziel um zwei bis drei Jahre verlängern. Natürlich dürfe man sich bei der EZB nicht von negativen Einlagenzinsen in Höhe von 0,5%, 1,3 Billionen Euro an Bankfinanzierungen zu einem Zinssatz von -1,00% und über 1,5 Billionen Euro an Asset-Käufen beeindrucken lassen, die sich bis zum zweiten Quartal 2021 auswirken und bis Ende 2022 reinvestiert würden. Selbst angesichts solcher Anreize komme die EZB ihrem Auftrag nicht nach.
Der mit 750 Milliarden Euro ausgestattete "Europäische Konjunkturfonds der nächsten Generation" (Next Generation European Recovery Fund, NGEU) werde den Mitgliedstaaten zusätzliche fiskalische Befugnisse zur Abfederung von Nachfrage-, Investitions- und Angebotsrückgängen geben. Zu befürchten sei aber, dass die Verbraucherpreisinflation unter Berücksichtigung aller oben genannten Anreize nur zwischen 0,7% und 1,3% liegen werde. Wenn die EZB ihre Reputation erhalten wolle, würden mehr Anreize erforderlich sein.
Eine wichtige Größe sei in diesem Zusammenhang auch das Währungspaar Euro-Dollar. Die Inflation bleibe in der Eurozone wegen des Rückgangs des Ölpreises in der ersten Hälfte des Jahres 2020, der deutschen Mehrwertsteuersenkung und der Euro-Stärke über das Jahr 2020 niedrig. Der EUR/USD-Kurs werde 1,22 oder 1,25 erreichen müssen, bevor die EZB handeln werde. Der Schaden für die Wirtschaftsakteure, insbesondere für die Exporteure, sei jedoch bereits eingetreten.
Warum also mit der Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte oder mehr warten? Schütze man den Bankensektor, indem man den Multiplikator bei den Mindestreserveanforderungen von 6 auf 9 erhöhe, um mehr überschüssige Liquidität der Banken vom negativen Einlagensatz zu befreien? Die Signalfunktion bei -0,5% sei anscheinend nicht stark genug. Das Geldmengenwachstum in Europa von etwa 10% auf Jahresbasis hinke dem US-Geldmengenwachstum um 15%-Punkte hinterher: Die US-Geldmenge M2 sei um 25% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Das sei Reflation! Und sie sei sowohl auf der Ebene der realwirtschaftlichen Indikatoren als auch der Finanzmärkte sichtbar. Die EZB sei zu langsam gewesen, um auf die Große Finanzkrise von 2008 zu reagieren. Werde sie im Jahr 2020 den gleichen Fehler machen?
Die aktuelle Einschätzung des DPAM-Experten lasse sich folgendermaßen zusammenfassen:
Die EZB habe den Spielraum, um den Volkswirtschaften der Eurozone schlagkräftige geldpolitische Impulse zu geben. Ihre Reaktionsfunktion sollte vorbeugend sein anstatt nur reaktiv. Mit einer stabileren Konstruktion der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion seit dem historischen Abkommen vom 18. Juli über ein COVID-19-Aufbaupaket und dem Beginn gemeinsamer Anleiheemissionen ab 2021 sollte die EZB bei der Gestaltung der Zentralbankpolitik eine führendere Rolle einnehmen. Jenseits des Atlantiks seien die FED und die US-Regierung wieder besser aufeinander abgestimmt und würden sich aggressiver den aktuellen Herausforderungen stellen.
In der vergangenen Woche hätten die Experten erklärt, dass die Kaufprogramme der Zentralbanken die Inflationserwartungen anheben würden. Das stimme auch weiterhin, jedoch würden für die Eurozone die gegenwärtigen Anstrengungen nicht ausreichen. Andere politische Hebel würden angepasst werden müssen. Von der Senkung des Einlagenzinssatzes über einen besseren Schutz des Bankensystems vor den Folgen negativer Einlagenzinsen bis hin zur Fortsetzung des Anleihenkaufprogramms PEPP im Jahr 2021. Auch weitere Optionen müssten untersucht werden. Tatsache sei, dass die von den Experten der EZB erstellten Wirtschaftsprognosen heute und nicht erst morgen Maßnahmen erfordern würden. (18.09.2020/alc/a/a)
Die EZB sei nicht sensibel genug für negative Rückkopplungen, die sich nach einem eingetretenen Schaden in den meisten Fällen hartnäckig halten würden. Vor allem Inflations- und Investitionskanäle würden nicht aufgrund einer zu zurückhaltenden Ausstattung und/ oder zu späten Ankündigung politischer Initiativen funktionieren. Während die Umsetzung fehlerfrei sei, sei die Qualität der Signalgebung und der Präventivmaßnahmen schlecht oder gar nicht vorhanden.
Der Experte beziehe sich auf die jüngsten makroökonomischen Projektionen der EZB bis 2022, die neben einem Basisszenario ein mildes sowie ein schwieriges Szenario berücksichtigen würden. Der Verlauf innerhalb des Basisszenarios für die Inflation des "Harmonisierten Verbraucherpreisindex" (HVPI) ergebe einen Inflationsdruck von 0,3% für 2020, 1,00% für 2021 und 1,3% für 2022. Während dieses Projektionszeitraums werde das Inflationsziel von "2% oder knapp darunter" nicht erreicht. Bereits in einer Präsentation Ende August habe Philip Lane, Chefvolkswirt der EZB erklärt, dass die COVID-19-Gesundheitskrise deflationär wirke und ein wichtiger geldpolitischer Stimulus erforderlich sei, um den Inflationspfad anzuheben.
Eine unzureichende Umsetzung könne den Weg zum offiziellen Inflationsziel um zwei bis drei Jahre verlängern. Natürlich dürfe man sich bei der EZB nicht von negativen Einlagenzinsen in Höhe von 0,5%, 1,3 Billionen Euro an Bankfinanzierungen zu einem Zinssatz von -1,00% und über 1,5 Billionen Euro an Asset-Käufen beeindrucken lassen, die sich bis zum zweiten Quartal 2021 auswirken und bis Ende 2022 reinvestiert würden. Selbst angesichts solcher Anreize komme die EZB ihrem Auftrag nicht nach.
Eine wichtige Größe sei in diesem Zusammenhang auch das Währungspaar Euro-Dollar. Die Inflation bleibe in der Eurozone wegen des Rückgangs des Ölpreises in der ersten Hälfte des Jahres 2020, der deutschen Mehrwertsteuersenkung und der Euro-Stärke über das Jahr 2020 niedrig. Der EUR/USD-Kurs werde 1,22 oder 1,25 erreichen müssen, bevor die EZB handeln werde. Der Schaden für die Wirtschaftsakteure, insbesondere für die Exporteure, sei jedoch bereits eingetreten.
Warum also mit der Senkung des Einlagensatzes um 10 Basispunkte oder mehr warten? Schütze man den Bankensektor, indem man den Multiplikator bei den Mindestreserveanforderungen von 6 auf 9 erhöhe, um mehr überschüssige Liquidität der Banken vom negativen Einlagensatz zu befreien? Die Signalfunktion bei -0,5% sei anscheinend nicht stark genug. Das Geldmengenwachstum in Europa von etwa 10% auf Jahresbasis hinke dem US-Geldmengenwachstum um 15%-Punkte hinterher: Die US-Geldmenge M2 sei um 25% gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Das sei Reflation! Und sie sei sowohl auf der Ebene der realwirtschaftlichen Indikatoren als auch der Finanzmärkte sichtbar. Die EZB sei zu langsam gewesen, um auf die Große Finanzkrise von 2008 zu reagieren. Werde sie im Jahr 2020 den gleichen Fehler machen?
Die aktuelle Einschätzung des DPAM-Experten lasse sich folgendermaßen zusammenfassen:
Die EZB habe den Spielraum, um den Volkswirtschaften der Eurozone schlagkräftige geldpolitische Impulse zu geben. Ihre Reaktionsfunktion sollte vorbeugend sein anstatt nur reaktiv. Mit einer stabileren Konstruktion der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion seit dem historischen Abkommen vom 18. Juli über ein COVID-19-Aufbaupaket und dem Beginn gemeinsamer Anleiheemissionen ab 2021 sollte die EZB bei der Gestaltung der Zentralbankpolitik eine führendere Rolle einnehmen. Jenseits des Atlantiks seien die FED und die US-Regierung wieder besser aufeinander abgestimmt und würden sich aggressiver den aktuellen Herausforderungen stellen.
In der vergangenen Woche hätten die Experten erklärt, dass die Kaufprogramme der Zentralbanken die Inflationserwartungen anheben würden. Das stimme auch weiterhin, jedoch würden für die Eurozone die gegenwärtigen Anstrengungen nicht ausreichen. Andere politische Hebel würden angepasst werden müssen. Von der Senkung des Einlagenzinssatzes über einen besseren Schutz des Bankensystems vor den Folgen negativer Einlagenzinsen bis hin zur Fortsetzung des Anleihenkaufprogramms PEPP im Jahr 2021. Auch weitere Optionen müssten untersucht werden. Tatsache sei, dass die von den Experten der EZB erstellten Wirtschaftsprognosen heute und nicht erst morgen Maßnahmen erfordern würden. (18.09.2020/alc/a/a)


