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Die unerträglichen Wartezeiten der Währungshändler
15.06.16 10:12
Saxo Bank
Kopenhagen (www.anleihencheck.de) - Die Zeit bis zum Volksreferendum in Großbritannien am 23. Juni tickt, so John J. Hardy, Head of FX Strategy bei der Saxo Bank.
Und dieses Ticken sei mittlerweile ein ohrenbetäubender Trommelschlag, nachdem die letzte Umfrageserie ein Umschwenken zum EU-Ausstieg verzeichnet habe - am dramatischsten zu sehen in der Lücke von 10 Prozentpunkten zwischen Verbleib und Ausstieg, die in den ORB-Umfrageergebnissen vom Freitag geklafft habe. Der Markt für den Handel mit der britischen Währung sei im Vorfeld dieses Ereignisses absolut zum Erliegen gekommen, und die Liquidität für Optionen am Optionsmarkt, die erst nach der Abstimmung fällig würden, habe sich praktisch in Wohlgefallen aufgelöst. Die implizierte Optionsvolatilität für die wenigen Optionen, die überhaupt noch gehandelt würden, sei auf ein Niveau geschnellt, das es so noch nicht einmal in der tiefsten Weltwirtschaftskrise gegeben habe.
Und abgesehen von den Währungen schlage die jüngste Verschärfung der Brexit-Ängste nicht nur an den Devisenmärkten und den britischen Inlandsanlagemärkten hohe Wellen, sondern habe nach dieser Freitagsumfrage auch einen immer stärker werdenden Ansteckungseffekt über sämtliche globalen Anlagemärkte hinweg ausgelöst. Eine Prognose der potenziellen Auswirkungen aus einem Brexit-Szenario sei völlig unmöglich, aber die Volatilität werde sich zwangsläufig sehr schnell beruhigen, wenn der Markt sich auf die neuen Gegebenheiten einstelle, wobei die Bank von England und vielleicht sogar die Europäische Zentralbank helfend einspringen dürften, falls die Märkte völlig aus den Fugen geraten würden.
Die längerfristigen Probleme für das Britische Pfund Sterling würden bestehen bleiben, insbesondere das weltweit größte strukturelle Defizit in einem Industrieland, das bei mehr als 5 Prozent des BIP liege. Eine Erholung des Pfunds für den Fall des Verbleibs könnte sich also nur als recht kurzlebig herausstellen, besonders wenn die jüngsten schwachen US-Daten auf eine schnurstracks bevorstehende Rezession in den USA hindeuten würden. Eine Rezession in den USA würde sich unvermeidlich in schwachen Anlagemärkten niederschlagen, und schwache Anlagemärkte würden Kontokorrent-Sünder bestrafen, wenn die Investoren ihre Finanzmittel zurückholen würden, sodass Länder mit Defiziten ohne Finanzierung dastünden.
Das bringt uns zur nächsten und sogar noch unerträglicheren Wartezeit, die die Märkte sofort heimsuchen wird, sobald das Heulen und Zähneklappern angesichts des britischen Referendums abgeklungen ist: die viereinhalb Monate bis zur US-Präsidentschaftswahl am 8. November, so Hardy. Solange die Umfragen auch nur den Hauch einer Chance erkennen lassen würden, dass Donald J. Trump der nächste Präsident der USA werden könnte, würden die Weltmärkte in einem unerträglichen Wartezustand verharren. Warum? Eine Präsidentschaft von Clinton würde bloß den Status-quo-Stillstand aus den Jahren unter Obama verlängern. Aber eine Präsidentschaft von Trump? Mal abgesehen von seiner unberechenbaren, umstrittenen Persönlichkeit, wäre Trump etwas ganz Neues. Mit einer Mehrheit im Kongress wäre Trump der erste Präsident seit Reagan, der die finanzpolitische Bühne aus den Händen einer US-Notenbank reißen würde, die ihre Glaubwürdigkeit schon längst überstrapaziert und verloren habe.
Und es gebe noch mehr unerträgliche Wartezeiten, die jede Andeutung längerfristiger Tendenzen bei den Devisen im Keim ersticken könnten, zumindest bis nach der US-Präsidentschaftswahl. Wann werde China endlich die Augen öffnen und die Realität der Währung erkennen? Was bedeute ein möglicher Brexit für Europa und die nächsten großen Wahlen in Europa? Und kurzfristiger gesehen: Wo liege der Schmerzpunkt in der Stärke des Japanischen Yen, bei dem die Japanische Zentralbank und/oder die Regierung Abe ihren nächsten großen Schritt tun würden? Es gelte allgemein als unbestritten, dass die BoJ aus einer Erweiterung des bestehenden QE-Programms nichts gewinnen könne und dass nur ein gemeinsamer Wirtschaftsruck durch die Finanzpolitik und die Japanische Zentralbank das japanische BIP nominell in Schwung bringen könne.
Der einzige Trend, der hier klar und deutlich durchschimmere: Die finanzpolitischen Schachzüge der Zentralbanken würden weiterhin ins Leere zielen, wenn sie ihren Einfluss auf den Markt verlieren würden. Die Frage nach fast zehn Jahren fruchtloser Zentralbankpolitik löse nur unerträgliche Unsicherheit inmitten der unerträglichen Wartezeiten aus: Wie gehe es weiter? (15.06.2016/alc/a/a)
Und dieses Ticken sei mittlerweile ein ohrenbetäubender Trommelschlag, nachdem die letzte Umfrageserie ein Umschwenken zum EU-Ausstieg verzeichnet habe - am dramatischsten zu sehen in der Lücke von 10 Prozentpunkten zwischen Verbleib und Ausstieg, die in den ORB-Umfrageergebnissen vom Freitag geklafft habe. Der Markt für den Handel mit der britischen Währung sei im Vorfeld dieses Ereignisses absolut zum Erliegen gekommen, und die Liquidität für Optionen am Optionsmarkt, die erst nach der Abstimmung fällig würden, habe sich praktisch in Wohlgefallen aufgelöst. Die implizierte Optionsvolatilität für die wenigen Optionen, die überhaupt noch gehandelt würden, sei auf ein Niveau geschnellt, das es so noch nicht einmal in der tiefsten Weltwirtschaftskrise gegeben habe.
Und abgesehen von den Währungen schlage die jüngste Verschärfung der Brexit-Ängste nicht nur an den Devisenmärkten und den britischen Inlandsanlagemärkten hohe Wellen, sondern habe nach dieser Freitagsumfrage auch einen immer stärker werdenden Ansteckungseffekt über sämtliche globalen Anlagemärkte hinweg ausgelöst. Eine Prognose der potenziellen Auswirkungen aus einem Brexit-Szenario sei völlig unmöglich, aber die Volatilität werde sich zwangsläufig sehr schnell beruhigen, wenn der Markt sich auf die neuen Gegebenheiten einstelle, wobei die Bank von England und vielleicht sogar die Europäische Zentralbank helfend einspringen dürften, falls die Märkte völlig aus den Fugen geraten würden.
Das bringt uns zur nächsten und sogar noch unerträglicheren Wartezeit, die die Märkte sofort heimsuchen wird, sobald das Heulen und Zähneklappern angesichts des britischen Referendums abgeklungen ist: die viereinhalb Monate bis zur US-Präsidentschaftswahl am 8. November, so Hardy. Solange die Umfragen auch nur den Hauch einer Chance erkennen lassen würden, dass Donald J. Trump der nächste Präsident der USA werden könnte, würden die Weltmärkte in einem unerträglichen Wartezustand verharren. Warum? Eine Präsidentschaft von Clinton würde bloß den Status-quo-Stillstand aus den Jahren unter Obama verlängern. Aber eine Präsidentschaft von Trump? Mal abgesehen von seiner unberechenbaren, umstrittenen Persönlichkeit, wäre Trump etwas ganz Neues. Mit einer Mehrheit im Kongress wäre Trump der erste Präsident seit Reagan, der die finanzpolitische Bühne aus den Händen einer US-Notenbank reißen würde, die ihre Glaubwürdigkeit schon längst überstrapaziert und verloren habe.
Und es gebe noch mehr unerträgliche Wartezeiten, die jede Andeutung längerfristiger Tendenzen bei den Devisen im Keim ersticken könnten, zumindest bis nach der US-Präsidentschaftswahl. Wann werde China endlich die Augen öffnen und die Realität der Währung erkennen? Was bedeute ein möglicher Brexit für Europa und die nächsten großen Wahlen in Europa? Und kurzfristiger gesehen: Wo liege der Schmerzpunkt in der Stärke des Japanischen Yen, bei dem die Japanische Zentralbank und/oder die Regierung Abe ihren nächsten großen Schritt tun würden? Es gelte allgemein als unbestritten, dass die BoJ aus einer Erweiterung des bestehenden QE-Programms nichts gewinnen könne und dass nur ein gemeinsamer Wirtschaftsruck durch die Finanzpolitik und die Japanische Zentralbank das japanische BIP nominell in Schwung bringen könne.
Der einzige Trend, der hier klar und deutlich durchschimmere: Die finanzpolitischen Schachzüge der Zentralbanken würden weiterhin ins Leere zielen, wenn sie ihren Einfluss auf den Markt verlieren würden. Die Frage nach fast zehn Jahren fruchtloser Zentralbankpolitik löse nur unerträgliche Unsicherheit inmitten der unerträglichen Wartezeiten aus: Wie gehe es weiter? (15.06.2016/alc/a/a)


