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Ein berauschter Markt?
15.05.15 17:07
Financière de l´Echiquier
Paris (www.anleihencheck.de) - Viele Banker in den USA sind begeistert: J.P. Morgan gibt für 2014 einen Rekordgewinn in Höhe von 22 Milliarden Dollar bekannt, so Didier Le Menestrel, Chairman bei La Financière de lEchiquier.
Die Zahl sei umso spektakulärer, als die Bank 2013 und 2014 verschiedene Geldstrafen in Höhe von insgesamt 25 Milliarden Dollar habe begleichen müssen. Goldman Sachs befinde sich auf ähnlichem Wege: Mehrere Geldstrafen würden die Investmentbank nicht an einem stattlichen Gewinn für das vergangene Jahr und an einem rekordartigen ersten Quartal 2015 mit 2,7 Milliarden Dollar Gewinn hindern.
Die Krise des Jahres 2008 sei nicht vergessen, aber die amerikanische Finanzwelt sitze wieder äußerst fest im Sattel. In wenigen Jahren habe die Bankenbranche in den USA mit der massiven Hilfe der Federal Reserve den Weg von "back to business" zu "business as usual" gefunden und stehe heute sogar "better than usual" da.
"Better than usual" sei ungewöhnlich vor dem Hintergrund der Risiken einer übermäßigen Volatilität auf den Märkten. Doch: Sei diese Paranoia zu einem Zeitpunkt, an dem die Börsenindices - trotz Korrekturen in den letzten Wochen - in langfristiger Perspektive behaglich schnurrend aufwärts streben würden, nicht übertrieben? Das sei gar nicht so sicher.
Zwei Marktereignisse in jüngster Vergangenheit haben uns in Erinnerung gerufen, dass die Volatilitätsspitzen äußerst brutal sein können, so die Experten von Financière de l´Echiquier. Am 15. Januar habe der Schweizer Franken in weniger als einer halben Stunde um 35% geschwankt (infolge der Aufhebung der Kursbindung seitens der Schweizerischen Nationalbank). Am 15. Oktober 2014 sei die Rendite zehnjähriger amerikanischer Anleihen in wenigen Minuten von 2,21% auf 1,86% geschmolzen, bevor sie zwei Stunden später zum Normalwert zurückgekehrt sei.
Insbesondere auf diesem Anleihenmarkt entstehe heute ein merkwürdiges Gleichgewicht. Die noch immer zunehmende, von den Zentralbanken bereitgestellte Liquidität gehe mit einer Schwächung der Liquidität auf den Märkten einher, die sie aufnehmen würden. Mit dem Wort Liquidität würden zwei verschiedene Realitäten beschrieben: Erstens die Geldmenge und zweitens die Fähigkeit der Akteure, Marktpreise zu bieten.
Die Liquidität des Marktes lasse sich quantitativ ermitteln, indem man Angebot und Nachfrage zu einer bestimmten Anlage beobachte. Um bei den zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen zu bleiben: Laut Schätzungen hätten die drei besten Angebote und Nachfragen 2007 zusammen genommen bei 500 Millionen Dollar gelegen. Auf den aktuellen Märkten sei diese Zahl auf 125 Millionen Dollar gefallen. Ein großer Käufer oder ein großer Verkäufer hätte daher heute mehr Schwierigkeiten, einen Geschäftspartner zu finden, als früher.
Auf dem Markt für Unternehmensanleihen bestehe derselbe Trend. Man gehe davon aus, dass die Positionen der Market Maker auf ein Viertel geschrumpft seien und dass die Liquidität weiter abnehme. Der Grund für diesen Rückgang sei im regulatorischen Umfeld zu suchen. Wenn die Experten von einer Rückkehr zum "business as usual" im Bankensektor sprechen würden, sei das stark verkürzt. Die Realität sei komplexer und die nach 2008 eingeführten Regelungen hätten starke Vorgaben für die Risikoprofile der Banken zur Folge gehabt. Das neue Umfeld habe in hohem Maße ihre Fähigkeit verringert, Preise zu liefern und sich Akteuren auf dem Markt als Geschäftspartner anzubieten.
Angesichts der Politik der Europäischen Zentralbank (mit Ausnahme eines massiven griechischen Ausrutschers) bestünden wenig Chancen, dass die Akteure der Eurozone die Aufnahmefähigkeit der Märkte in den kommenden Monaten testen würden. Warum also nach einem Notausgang suchen, so lange das Orchester noch spiele?
Das Risiko, dass sich kurzfristige, aber heftige Kursschwankungen wie am 15. Oktober letzten Jahres auch in mittlerer Zukunft wiederholen würden, sei hoch. Die Kapitalmassen würden anschwellen und Preisanbietern seien die Hände gebunden. Man werde sich dann an das Bonmot eines Traders erinnern: "Der Markt ist extrem liquide, nur nicht, wenn man handeln will!" (15.05.2015/alc/a/a)
Die Zahl sei umso spektakulärer, als die Bank 2013 und 2014 verschiedene Geldstrafen in Höhe von insgesamt 25 Milliarden Dollar habe begleichen müssen. Goldman Sachs befinde sich auf ähnlichem Wege: Mehrere Geldstrafen würden die Investmentbank nicht an einem stattlichen Gewinn für das vergangene Jahr und an einem rekordartigen ersten Quartal 2015 mit 2,7 Milliarden Dollar Gewinn hindern.
Die Krise des Jahres 2008 sei nicht vergessen, aber die amerikanische Finanzwelt sitze wieder äußerst fest im Sattel. In wenigen Jahren habe die Bankenbranche in den USA mit der massiven Hilfe der Federal Reserve den Weg von "back to business" zu "business as usual" gefunden und stehe heute sogar "better than usual" da.
"Better than usual" sei ungewöhnlich vor dem Hintergrund der Risiken einer übermäßigen Volatilität auf den Märkten. Doch: Sei diese Paranoia zu einem Zeitpunkt, an dem die Börsenindices - trotz Korrekturen in den letzten Wochen - in langfristiger Perspektive behaglich schnurrend aufwärts streben würden, nicht übertrieben? Das sei gar nicht so sicher.
Insbesondere auf diesem Anleihenmarkt entstehe heute ein merkwürdiges Gleichgewicht. Die noch immer zunehmende, von den Zentralbanken bereitgestellte Liquidität gehe mit einer Schwächung der Liquidität auf den Märkten einher, die sie aufnehmen würden. Mit dem Wort Liquidität würden zwei verschiedene Realitäten beschrieben: Erstens die Geldmenge und zweitens die Fähigkeit der Akteure, Marktpreise zu bieten.
Die Liquidität des Marktes lasse sich quantitativ ermitteln, indem man Angebot und Nachfrage zu einer bestimmten Anlage beobachte. Um bei den zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen zu bleiben: Laut Schätzungen hätten die drei besten Angebote und Nachfragen 2007 zusammen genommen bei 500 Millionen Dollar gelegen. Auf den aktuellen Märkten sei diese Zahl auf 125 Millionen Dollar gefallen. Ein großer Käufer oder ein großer Verkäufer hätte daher heute mehr Schwierigkeiten, einen Geschäftspartner zu finden, als früher.
Auf dem Markt für Unternehmensanleihen bestehe derselbe Trend. Man gehe davon aus, dass die Positionen der Market Maker auf ein Viertel geschrumpft seien und dass die Liquidität weiter abnehme. Der Grund für diesen Rückgang sei im regulatorischen Umfeld zu suchen. Wenn die Experten von einer Rückkehr zum "business as usual" im Bankensektor sprechen würden, sei das stark verkürzt. Die Realität sei komplexer und die nach 2008 eingeführten Regelungen hätten starke Vorgaben für die Risikoprofile der Banken zur Folge gehabt. Das neue Umfeld habe in hohem Maße ihre Fähigkeit verringert, Preise zu liefern und sich Akteuren auf dem Markt als Geschäftspartner anzubieten.
Angesichts der Politik der Europäischen Zentralbank (mit Ausnahme eines massiven griechischen Ausrutschers) bestünden wenig Chancen, dass die Akteure der Eurozone die Aufnahmefähigkeit der Märkte in den kommenden Monaten testen würden. Warum also nach einem Notausgang suchen, so lange das Orchester noch spiele?
Das Risiko, dass sich kurzfristige, aber heftige Kursschwankungen wie am 15. Oktober letzten Jahres auch in mittlerer Zukunft wiederholen würden, sei hoch. Die Kapitalmassen würden anschwellen und Preisanbietern seien die Hände gebunden. Man werde sich dann an das Bonmot eines Traders erinnern: "Der Markt ist extrem liquide, nur nicht, wenn man handeln will!" (15.05.2015/alc/a/a)


