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Zinssenkung: Juni bleibt Monat der Wahl!
08.03.24 09:50
AllianceBernstein
London (www.anleihencheck.de) - In ihrer aktuellen Sitzung bestätigten die Währungshüter der EZB ihre bisherige Haltung: Sie werden einen restriktiven Kurs bei der Geldpolitik fortsetzen, so Sandra Rhouma, European Economist - Fixed Income bei AllianceBernstein.
Gleichzeitig würden sie an ihrem datenabhängigen Ansatz für zukünftige geldpolitische Entscheidungen festhalten. Auffällig sei auch, dass der EZB-Rat bei seinem Treffen keine Zinssenkungen diskutiert habe. Das zeige, dass das Gremium gerade erst damit begonnen habe, eine "Rücknahme" ihrer restriktiven Haltung zu erwägen. Nach Meinung von Rhouma würden sie hier mit Worten spielen: Die EZB könne ihre restriktive Haltung nicht "zurücknehmen", ohne die Zinsen zu senken.
EZB könnte über Inflationsziel hinausschießen
Dennoch lege die Prognose für März nahe, dass der Zinssenkungszyklus schnell näher rücke. Die makroökonomischen Projektionen für März hätten die Kerninflation ebenfalls nach unten korrigiert. Es werde nun erwartet, dass diese bis 2025 auf 2,1 Prozent und bis 2026 auf 2 Prozent zurückgehe. Auch wenn die EZB gleichzeitig betont habe, dass der inländische Preisdruck in den Euroländern hoch bleibe, teilweise aufgrund des starken Wachstums der Löhne. Obwohl das reale BIP-Wachstum für 2024 weiter auf 0,6 Prozent nach unten korrigiert worden sei, sei zu erwarten, dass sich die Konjunktur über den Prognosezeitraum hinweg stabilisiere, wenn die inländische Nachfrage wieder anziehe. Insgesamt hätten die aktualisierten Prognosen klar dovische Implikationen: Basierend auf dem aktuellen Marktniveau der Zinssätze würden die Währungshüter erwarten, dass die Kerninflation mittelfristig ihren Zielwert erreiche. Oder anders gesagt: Bei den aktuellen Zinssätzen könnte die Inflation mittelfristig sogar über ihr Ziel hinausschießen. Dennoch lasse die EZB vorsichtig walten. Insbesondere bei den Lohn- und Dienstleistungsgetriebenen Preissteigerungen müssten erst klare Anzeichen für Entspannung sichtbar sein.
Vier Zinssenkungen um insgesamt 100 Basispunkte seien wahrscheinlich
Sowohl die heutige Sitzung als auch die Projektionen würden das Vertrauen in eine Zinssenkung im Juni stärken. Tatsächlich habe Präsidentin Christine Lagarde implizit die Botschaft bestätigt, die bereits in den vergangenen Wochen erkennbar gewesen sei: Juni sei der Monat der Wahl. Erstens weise der Datenkalender in diese Richtung: Mit nur einer weiteren Veröffentlichung von Inflationsdaten vor dem Treffen im April, aber drei weiteren bis Juni, bleibe genügend Zeit, um ausreichend zu belegen, dass die Inflation im Dienstleitungssektor weniger hartnäckig sei, als zunächst befürchtet. Auch die Lohndaten für das erste Quartal des Jahres, auf die die meisten hawkisch eingestellten Mitglieder unbedingt warten wollten, würden ebenfalls vor dem Junitreffen verfügbar sein.
Zweitens sei für Juni auch ein Projektions-Meeting angesetzt, bei dem weitere nach unten korrigierte Inflationswerte erwartet werden könnten. Bereits heute würden die Schätzungen zeigen, dass die Kerninflation mittelfristig ihr Ziel erreiche. In der Juniprognose für 2025 und 2026 werde sie wahrscheinlich etwas darunter, aber immer noch nahe bei 2 Prozent liegen, also genau dort, wo sie die EZB haben möchte.
Und als dritter Punkt: Präsidentin Lagarde habe gewürdigt, dass sich der Markt im Vergleich zum Zeitpunkt nach dem Januartreffen vernünftiger bewegt habe - das lasse sich durchaus als eine Form impliziter Unterstützung werten. Der Markt bewerte derzeit die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni mit 79 Prozent sowie für Zinssenkungen von insgesamt 100 Basispunkten im gesamten Jahr 2024. Dies stimme auch mit der Prognose von AllianceBernstein überein. Rhouma erwarte, dass die EZB im Juni eine Senkung vornehme, aber den Juli auslasse. Damit würden sich die Währungshüter frühzeitig Handlungsspielraum für weitere Projektions-Meetings im Zyklus offenhalten. Weitere drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im späteren Verlauf des Jahres halte Rhouma für am wahrscheinlichsten. (08.03.2024/alc/a/a)
Gleichzeitig würden sie an ihrem datenabhängigen Ansatz für zukünftige geldpolitische Entscheidungen festhalten. Auffällig sei auch, dass der EZB-Rat bei seinem Treffen keine Zinssenkungen diskutiert habe. Das zeige, dass das Gremium gerade erst damit begonnen habe, eine "Rücknahme" ihrer restriktiven Haltung zu erwägen. Nach Meinung von Rhouma würden sie hier mit Worten spielen: Die EZB könne ihre restriktive Haltung nicht "zurücknehmen", ohne die Zinsen zu senken.
EZB könnte über Inflationsziel hinausschießen
Vier Zinssenkungen um insgesamt 100 Basispunkte seien wahrscheinlich
Sowohl die heutige Sitzung als auch die Projektionen würden das Vertrauen in eine Zinssenkung im Juni stärken. Tatsächlich habe Präsidentin Christine Lagarde implizit die Botschaft bestätigt, die bereits in den vergangenen Wochen erkennbar gewesen sei: Juni sei der Monat der Wahl. Erstens weise der Datenkalender in diese Richtung: Mit nur einer weiteren Veröffentlichung von Inflationsdaten vor dem Treffen im April, aber drei weiteren bis Juni, bleibe genügend Zeit, um ausreichend zu belegen, dass die Inflation im Dienstleitungssektor weniger hartnäckig sei, als zunächst befürchtet. Auch die Lohndaten für das erste Quartal des Jahres, auf die die meisten hawkisch eingestellten Mitglieder unbedingt warten wollten, würden ebenfalls vor dem Junitreffen verfügbar sein.
Zweitens sei für Juni auch ein Projektions-Meeting angesetzt, bei dem weitere nach unten korrigierte Inflationswerte erwartet werden könnten. Bereits heute würden die Schätzungen zeigen, dass die Kerninflation mittelfristig ihr Ziel erreiche. In der Juniprognose für 2025 und 2026 werde sie wahrscheinlich etwas darunter, aber immer noch nahe bei 2 Prozent liegen, also genau dort, wo sie die EZB haben möchte.
Und als dritter Punkt: Präsidentin Lagarde habe gewürdigt, dass sich der Markt im Vergleich zum Zeitpunkt nach dem Januartreffen vernünftiger bewegt habe - das lasse sich durchaus als eine Form impliziter Unterstützung werten. Der Markt bewerte derzeit die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni mit 79 Prozent sowie für Zinssenkungen von insgesamt 100 Basispunkten im gesamten Jahr 2024. Dies stimme auch mit der Prognose von AllianceBernstein überein. Rhouma erwarte, dass die EZB im Juni eine Senkung vornehme, aber den Juli auslasse. Damit würden sich die Währungshüter frühzeitig Handlungsspielraum für weitere Projektions-Meetings im Zyklus offenhalten. Weitere drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im späteren Verlauf des Jahres halte Rhouma für am wahrscheinlichsten. (08.03.2024/alc/a/a)


