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Nach der Zinssenkung der FED bieten Schwellenländeranleihen Chancen


08.10.24 11:35
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - In den letzten drei Jahrzehnten haben Schwellenländer outperformt, wenn die US-Notenbank Federal Reserve (FED) die Zinsen senkte, so Daniela Savoia, Portfoliomanagerin Emerging Markets Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Seit 1995 hätten Staatsanleihen aus Schwellenländern in den sechs Monaten, nachdem die FED den Lockerungszyklus mit der ersten Zinssenkung begonnen habe, eine durchschnittliche Rendite von 7,7 Prozent erzielt, während US-Investment-Grade- und US-High-Yield-Anleihen 4,9 Prozent bzw. 2,3 Prozent abgeworfen hätten (Quellen: J.P. Morgan [Emerging Markets] und Bloomberg [US IG und US HY]).

Eine ähnliche Dynamik habe man bereits seit der Zinssenkung um 50 Basispunkte Mitte September dieses Jahres beobachten können. Insbesondere Afrika und Osteuropa hätten in früheren Zyklen tendenziell besser abgeschnitten. Anleger sollten daher speziell diese Regionen im Auge behalten.

Die erste Zinssenkung eines Lockerungszyklus wirke in der Regel als Katalysator für eine positive Entwicklung in den Schwellenländern. Sinkende Zinsen würden die Emission und Refinanzierung von Schuldtiteln für Staaten und Unternehmen günstiger machen. Dies wiederum trage zu einer Verringerung ihrer Zinslast bei und stärke ihre Bilanzen. Niedrigere Zinssätze würden auch den Marktzugang für Emittenten mit niedrigerem Rating verbessern, was die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen weiter verringere.

Die Experten würden auch diesmal Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer erwarten, wie sie normalerweise nach der ersten Zinssenkung zu beobachten seien. Wenn die Renditen in den Industrieländern sinken würden, führe die Suche nach höheren Erträgen zu Zuflüssen in die aufstrebenden Volkswirtschaften. Dadurch verbessere sich das fundamentale Bild der Emittenten weiter, was wiederum weiteres Kapital anziehen könne. Staatsanleihen aus Schwellenländern böten derzeit Renditen von 7,5 Prozent, im High-Yield-Bereich seien es mehr als 10 Prozent (Quelle: J.P. Morgan EMBIG Diversified mit Stand 26.09.2024). Das seien Renditeniveaus, die in anderen festverzinslichen Segmenten nicht zu finden seien.

Derweil seien die Fundamentaldaten sowohl der Staaten als auch der Unternehmen derzeit gut. Generell seien die Devisenreserven der Schwellenländer heute höher als vor zehn Jahren. Die letzten beiden Jahre seien eine besondere Herausforderung gewesen, da höhere Zinsen den Marktzugang für Länder mit niedrigerem Rating erschwert hätten. Dies habe sie gezwungen, ihre Fundamentaldaten zu verbessern. Jetzt, da der Marktzugang wiederhergestellt sei und die Zuflüsse zunehmen würden, seien diese Länder in einer ausgezeichneten Position, um davon zu profitieren.

Auf der Unternehmensseite seien die Fundamentaldaten mit einem durchschnittlichen Nettoverschuldungsgrad von 0,9x für Investment-Grade- und 2,4x für High-Yield-Emittenten weiterhin sehr solide und konservativer als in den USA oder Europa. Auch die Zahlungsausfälle dürften sehr gering bleiben. Die aktuellen Werte seien die niedrigsten seit der Vor-Corona-Zeit.

Ein weiterer Schlüsselfaktor sei die Diversifizierung, die Schwellenländeranleihen böten. Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund steigender Wachstumssorgen in Europa und den entwickelten Märkten insgesamt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwarte für die Industrieländer ein Wachstum von 1,8 Prozent im Jahr 2025. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer würden die Experten ein Konjunkturplus von 4,3 Prozent prognostizieren. Die Realzinsen seien in vielen Schwellenländern hoch. In Mexiko lägen sie beispielsweise bei 5,75 Prozent, während der historische Durchschnitt knapp 2 Prozent betrage.

Dies lasse viel Spielraum für wirtschaftliche Anreize und eine weitere Wachstumsbeschleunigung. Angesichts einer abnehmenden Globalisierung, aber zunehmender regionaler Fokussierung könnten verschiedene Schwellenländer interessante Chancen bieten und ein wichtiges Diversifikationselement für Investoren bieten. (08.10.2024/alc/a/a)