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Zinslandschaft 2025: Regionale Unterschiede und Chancen


06.12.24 09:45
Swisscanto

Zürich (www.anleihencheck.de) - Trotz neuer US-Regierung und absehbarem Kurswechsel haben wir unsere Konjunktur- und Inflationsprognosen vorerst unverändert belassen, so die Experten von Swisscanto.

Die Experten von Swisscanto würden weiter mit einem robusten Wachstum, moderater Inflation und sinkenden Leitzinsen rechnen. Da sowohl der Umfang der Maßnahmen als auch der zeitliche Rahmen noch unsicher seien, wäre es unseriös, bereits jetzt über die genauen Auswirkungen zu spekulieren. Die unmittelbaren makroökonomischen Auswirkungen der US-Wahlen seien aber ohnehin gering und die US-Wirtschaft befinde sich weiter in einer starken Verfassung. Mittelfristig könnte das Wahlprogramm von Donald Trump aufgrund neuer Handelsstreitigkeiten und der damit verbundenen Unsicherheit zu einem schwächeren Wirtschaftswachstum und einer höheren Inflation führen.

Zu berücksichtigen sei zudem, dass neben den politischen Änderungen in den USA auch der Rest der Welt nicht stehen bleiben werde. So würden neue US-Importzölle mit großer Wahrscheinlichkeit Reaktionen bei den wichtigsten Handelspartnern auslösen und es dürfte zu Gegenmaßnahmen kommen. Darüber hinaus dürften auch Firmen und Privathaushalte ihr Verhalten anpassen.

Der Mix aus moderatem Wachstum und Zinssenkungen sorge auch im Jahr 2025 für ein konstruktives Aktienumfeld. Die Bewertungsniveaus an den globalen Aktienmärkten, besonders in den USA, seien allerdings hoch und die Anlageklasse stehe in Konkurrenz zu den ebenfalls höheren Anleihenrenditen, was sich in einer bescheidenen Risikoprämie widerspiegele. Daher werde die Gewinnentwicklung der Unternehmen der Haupttreiber der Aktienperformance sein.

Bei den Anleihen würden die Experten von Swisscanto wegen der hartnäckigeren Inflation und des fiskalpolitischen Drucks vorerst keine großen Renditerückgänge erwarten. Die erwarteten Zinssenkungen seien bereits in den heutigen Renditeniveaus realistisch eingepreist. Da die Inflationserwartungen trotz allem gut verankert seien, rechne man wieder mit einer negativen Korrelation zwischen Aktien und Anleihen, was den Diversifikationseffekt in einem gemischten Portfolio verbessere.

Innerhalb der Anlageklassen Aktien und Anleihen sähen die Experten von Swisscanto insbesondere Chancen in einer zunehmenden Marktbreite der Aktienmärkte. Dabei werde die Diversifikation innerhalb der Regionen und Sektoren entscheidend sein. Der US-Markt werde seine Wettbewerbsvorteile nicht so schnell verlieren, Europa müsse den Stimmungsschalter auf positiv stellen, um den Anschluss nicht zu verpassen. China werde fiskal- und geldpolitische Maßnahmen immer wieder punktuell einsetzen, aber keinen Befreiungsschlag erreichen. Bei den Anleihen würden die Experten von Swisscanto Regionen mit höheren Renditen und Überraschungspotenzial bei Zinssenkungen favorisieren. Der Schweizer Franken und der US-Dollar würden sichere Werte im Portfolio bleiben - Letzterer mindestens zu Jahresbeginn.

Die Erwartungen für das Leitzinsniveau der Bank of England und der US-Notenbank FED hätten sich bereits deutlich nach oben verschoben. Bis im März werde im GBP- und im USD-Währungsraum nur noch eine Leitzinssenkung antizipiert. Viele Sorgen bezüglich einer expansiveren Fiskalpolitik der neuen US-Regierung seien bereits vorweggenommen worden. Ein Leitzinsniveau von 4% per Ende September 2025 impliziere immer noch eine Geldpolitik, die deutlich im straffen Bereich liege.

Im Gegensatz dazu seien die Zinssenkungserwartungen des Terminmarkts an die schweizerische Nationalbank weiter erhöht worden. Mittlerweile würden die Finanzmarktakteure gar wieder mit einem Nullzinsumfeld in der Schweiz der zweiten Jahreshälfte 2025 rechnen. Die langfristige Swisscanto-Leitzinsprognose liege für die Schweiz weiterhin bei 0,5%.

Im Jahresverlauf und insbesondere vor den US-Wahlen seien die Risikoprämien (Prämie über dem prognostizierten Leitzinspfad) an vielen Staatsanleihenmärkten deutlich angestiegen. Die fiskalpolitischen Sorgen hätten vor allem auf den Märkten im Vereinigten Königreich (UK) und den USA gelastet. Die nach wie vor hohen Staatsausgaben würden zwar einen Stimulus für die Konjunktur darstellen. Sie würden aber auch die Befürchtung schüren, dass die Notenbanken die Inflationsbekämpfung länger aufrechterhalten müssten und die Leitzinsen in Zukunft weniger schnell senken könnten.

Die angepassten Zinserwartungen seien mittlerweile in den Anleihenpreisen reflektiert. Die Renditen seien vor allem in den angelsächsischen Währungsregionen aufgrund der höheren Risikoprämie für die unsichere Entwicklung der Fiskalpolitik und Inflation angestiegen. Die Risikoprämien in UK und Australien würden im Verhältnis zum Budgetdefizit und dem hohen Schuldner-Rating (AA bzw. AAA) eine attraktive Entschädigung bieten. Nicht zuletzt da die Neuverschuldung geringer ausfallen dürfte als in den USA. Gemäß Prognosen des IMF betrage das Budgetdefizit im nächsten Jahr in den USA rund 7%, während es in UK unter 4% und in Australien gar bei 2% liegen solle.

In der Eurozone komme die wirtschaftliche Erholung nur schleppend voran. Wichtige Teilmärkte würden unter politischer Unsicherheit sowie strukturellen Herausforderungen leiden. Und anders als in den USA fehle den souveränen Mitgliedern der Währungsunion eine schlüssige und gemeinschaftlich akzeptable Strategie in der Wirtschaftspolitik. Dies spiegele sich in einer unterdurchschnittlichen Gewinn- und Kursentwicklung des regionalen Aktienindex. Hinzu komme neu, dass durch die protektionistische Wirtschaftspolitik der künftigen US-Regierung zusätzlicher Gegenwind drohe.

Insofern sähen die Experten von Swisscanto kurzfristig wenig Chancen dafür, dass sich das Umfeld für die Unternehmen in der Eurozone aufhelle. Zwar dürften die Gewinne auch in der Eurozone 2025 weiter steigen, das höhere Wachstumspotenzial sehe man aber nach wie vor in Nordamerika und den Schwellenländern des asiatischen Raums. Solange sich diesbezüglich keine Aussicht auf Besserung abzeichne, sollte sich auch die Bewertung des Markts unterhalb ihres langfristigen Durchschnitts bewegen.

Auf der anderen Seite des Atlantiks verhalte es sich nach wie vor umgekehrt. Das Gewinnwachstum wie auch die Marktbewertung seien überdurchschnittlich. Derzeit spreche einiges dafür, dass sich daran wenig ändere. Die US-Wirtschaft wachse stärker als die Eurozone und profitiere mehr von der Sonderkonjunktur durch das Thema "Künstliche Intelligenz". Zudem habe die neue Regierung eine Senkung der Unternehmenssteuern sowie Zölle auf ausländische Güter in Aussicht gestellt. Mittlerweile herrsche ein breiter Konsens über die Einschätzung beider Märkte. Deshalb und angesichts der extremen relativen Bewertung bestehe mittelfristig ein erhöhtes Überraschungspotenzial. Dabei könnten gegenläufige Nachrichten zunächst zu einer schnellen Bewertungskonvergenz führen. Sie wäre aber nur dann nachhaltig, wenn auch die Gewinne zusammenlaufen würden. (Ausgabe vom 05.12.2024) (06.12.2024/alc/a/a)