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Die Woche der FED


15.12.15 10:49
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die nun kaum mehr in Frage gestellte Zinserhöhung der FED am Mittwoch wird wohl die am längsten erwartete, diskutierte und gefürchtetste der amerikanischen Notenbank sein, so Karsten Junius, Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin AG.

Sie werde sieben Jahre Nullzinsen zu Ende bringen und seit Juni 2006 das erste Mal sein, dass die FED die Geldpolitik straffe. Es dürfte nicht schlimm sein, wenn rund 40 Millionen Kinder in den USA noch nie eine FED-Zinserhöhung miterlebt hätten, aber auch für viele Investoren global werde der beginnende Zinszyklus Neuland sein.

Vor diesem Hintergrund möge es verständlich sein, dass die US-Notenbank so vorsichtig agiere. Und einige Stimmen würden eine Zinserhöhung immer noch für verfrüht halten. Schließlich sei der Außenwert des US-Dollars seit Jahresbeginn um 10% angestiegen, die Konjunktur in den Schwellenländern habe sich stark abgekühlt und die Stimmung im Industriesektor habe sich in den letzten Monaten spürbar verschlechtert, wie der Fall des ISM-Index unter die Expansionsmarke von 50 zeige.

Für eine Zinserhöhung spreche das solide Wachstum im Dienstleistungssektor, der Arbeitsmarkt, die schon nahe bei 2% liegende Kerninflation und die hohe Kapazitätsauslastung. Statt dem Timing der ersten Zinserhöhung werde das entscheidende neue Thema der nächsten Zeit sein, ob und wann der beginnende Zinszyklus die Wirtschaft in die Knie zwinge. Nach Einschätzung der Analysten dürfte der Konjunkturzyklus tatsächlich zumindest noch bis weit in das Jahr 2017 reichen.

Auch wenn der Industriesektor durch die schwache globale Nachfrage insbesondere aus den rohstoffexportierenden Ländern belastet werde und die Konjunktur derzeit nicht anschieben könne, so sollten die steigenden Realeinkommen, höhere Vermögenspreise - insbesondere die gestiegenen Immobilienpreise - und der stabile Arbeitsmarkt zu einem robusten privaten Verbrauch führen. Das wichtigste Signal bei der FED-Sitzung werde daher sein, ob die Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) diese Einschätzung teilen würden. Sie würden dies insbesondere dann tun, wenn sie für die nächsten zwei Jahre stetige Zinserhöhungen signalisieren würden. Die berühmten "dots" - also die individuellen Erwartungen der einzelnen FOMC-Mitglieder bezüglich der Leitzinsentwicklung könnten darüber Auskunft geben.

Nach Einschätzung der Analysten dürften diese Prognosen tiefer liegen als bislang. Dies liege auch daran, dass die EZB signalisiert habe, die Zinsen in Euroland noch längere Zeit sehr niedrig zu halten. Deutlich höhere US-Zinsen würden damit die Zinsdifferenz weiter ausweiten, was gewöhnlich zu einem höheren Außenwert des US-Dollar führe. Damit würden im kommenden Zinszyklus sowohl das Zinsniveau als auch der Wechselkurs die Wirtschaft bremsen. Das dürfte dazu führen, dass weniger Zinserhöhungen notwendig sein würden als in einem global synchronen Zinszyklus, in dem sich die Zinsdifferenzen zu anderen Währungsbereichen nicht so stark ausweiten würden. Übersetzt in Notenbanker-Deutsch heiße dies ein weiterhin datenabhängiges Vorgehen - ein Signal, dass diese Woche wohl kaum fehlen werde. (15.12.2015/alc/a/a)