Erweiterte Funktionen
Weltuntergangs-Stimmung vernebelt den Blick, FED und VW - Unsicherheit dominiert
06.10.15 11:54
GECAM
Wangen (www.anleihencheck.de) - Alles läuft gerade schlecht in der Weltkonjunktur, so Daniel Zindstein, Leiter Portfoliomanagement des Vermögensverwalters GECAM AG.
Wenn man die nervöse Börsenentwicklung verfolge und durchschnittlicher Medienkonsument sei, könnte man meinen, dass der Weltuntergang demnächst bevorstünde. Ein paar Auszüge aus dem Gruselkabinett schlechter Nachrichten gefällig?
China sei wirtschaftlich mittlerweile der Nabel der Welt, wenn China huste, bekämen die "restlichen" Länder einen Schnupfen. China habe Wachstumsprobleme, die Börsen seien ja heftig eingebrochen (nachdem sie vorher noch stärker gestiegen seien), die Regierung agiere kopflos, in bestimmten Sektoren herrsche bereits Rezession.
Die Notenbanken der Welt, allen voran die US-FED habe die Situation nicht mehr im Griff, auch sie agiere wie ein Fähnchen im Wind, halte eigene Prognosen nicht ein und trage somit zur Verunsicherung bei.
Die kompletten Emerging Markets (diese stünden mittlerweile für weit über 50% der Welt-Wirtschaftsleistung) seien kurz davor, komplett zu implodieren und wenn die US-Zentralbank wirklich den Leitzins um ein Quäntchen erhöhe, würden die Lichter dort in Form von Kapitalabflüssen, Pleiten von Dollar-Schuldnern und fallenden Rohstoffpreisen - wahrscheinlich bis auf Null -, komplett ausgehen.
VW, als mit Abstand größter Automobilbauer Europas ginge demnächst Pleite und ziehe gleich die komplette deutsche sowie die halbe europäische Wirtschaft mit ins Nirwana.
Auch reine politische Themen passen natürlich zum Geschehen: Ausländer, in Verkleidung als Asylbewerber, überschwämmen unsere Gesellschaft, und in kürzester Zeit, spätestens Weihnachten, wohnen alle in unseren Wohnungen, hätten alle unsere Jobs und die Deutschen selber schliefen auf der Straße, so die Experten von GECAM.
Die halbe Welt sei sowieso auf der Flucht, Syrien brenne und die großen Weltmächte schauten machtlos zu, griffen symbolartig ein und eine Einigung sei in weiter Ferne. Und dann kämen auch noch die Russen daher. Ja die Russen, das seien im Übrigen grundsätzlich die Bösen, und wenn sie in Syrien das Gleiche tun würden wie die Amerikaner oder Franzosen, sei das eben nicht das Gleiche.
Generell stehe die Welt mindestens ökonomisch vor einer ganz außergewöhnlich schwierigen Phase. Selbst der IWF warne vor Wachstumsrisiken. Kenner der Szene würden wissen, um die Prognosekraft dieser Institution!
Mit der Bitte um Verzeihung für die etwas zynische Einleitung zum heutigen Marktkommentar, würden die folgenden Zeilen etwas zur Versachlichung beitragen mögen.
Seit dem Regierungswechsel in China 2013 richte sich diese zentral regierte Volkswirtschaft vom Grundsatz her marktwirtschaftlich aus, bekämpfe Korruption, bremse Blasenentwicklungen in der einen Branche und versuche gleichzeitig andere Wirtschaftszweige und die Gesamtwirtschaft zu fördern. Dies alles vor dem Hintergrund, die Wirtschaftsstruktur hin zu mehr Binnenkonsum zu verändern. Natürlich verursache ein solch gigantischer Prozess Friktionen und Lernprozesse.
Dass der Prozess auf richtigem Wege sei, würden die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich bestätigen. Während ersterer seit einem Jahr schwächele, boome der andere geradezu. Ein Hinweis im Übrigen auch darauf, dass China evtl. nicht mehr so viele Rohstoffe brauche, um zu wachsen wie in der Vergangenheit.
Mit Börsen könne man nicht planwirtschaftlich umspringen, dieser Lernprozess finde aktuell bei der kommunistischen Regierung statt und werde am Ende zu einem attraktiveren und reiferen Börsenumfeld führen. Eine Währung, die an den sehr aufgewerteten Dollar gekoppelt sei und davor bereits über Jahre aufgewertet habe, belaste natürlich den Export, der nach wie vor die wichtigste Triebfeder des Wachstums darstelle. Vorsichtig gegenzusteuern und die eigene Währung etwas abzuwerten sei sinnvoll und notwendig, wenn auch Anfang August schlecht kommuniziert. Auch hier würden Lernprozesse stattfinden.
Die chinesische Geldpolitik sei in den letzten Monaten deutlich expansiver gestaltet (Zinssenkungen, Mindestreserve-Senkungen, etc.), Infrastrukturprogramme aufgelegt und Regularien offener ausgerichtet worden. Die Experten würden daraus positive Effekte spätestens zum Jahreswechsel erwarten.
Auch die Verschuldungssituation sei nicht so krass, wie meist geschildert. Dazu müsse man wissen, dass in China Schuldner oftmals stattliche Institutionen, oder staatlich dominierte Unternehmen bzw. Gebietskörperschaften seien. Letztendlich sollte die immense Finanzkraft der Regierung ausreichen, diese Risiken zu managen und zu tragen.
Ganz Generell würden die Experten weder die Wirtschaft, noch die Verschuldungssituation so schlecht sehen, wie sie manchmal dargestellt werde. China werde weiter um rund 600 Mrd. US-Dollar jährlich wachsen und weiter größter Rohstoff-Importeur der Welt sein. 1,35 Mrd. Chinesen stünden jeden Tag auf mit dem Gedanken auf ein besseres Leben in der Zukunft - das beruhige.
Natürlich würden die Experten auch das Vorgehen der US-Zentralbank (FED) für etwas inkonsequent halten. Seit zwei Jahren die geldpolitische Wende zu verkünden, damit die Welt zu verunsichern (vor allem die Schwellenländer), aber dann nicht zu liefern, sei schon schwer zu begreifen. Doch immerhin seien die USA überhaupt Willens und in der Lage, darüber nachzudenken, eine "extreme" Geldpolitik auf nur noch "sehr expansiv" zu verändern. Ein Wert an sich möchte man fast sagen in einer hochverschuldeten Welt, die am Niedrigzins hänge wie an der Drogen-Spritze. Auf jeden Fall sei die US-Volkswirtschaft aktuell die Konjunktur-Lokomotive der Welt und sollte das wohl auch noch eine Weile bleiben.
Ein Wort zu dem Volks-Automobilhersteller VW sei gestattet. Immerhin habe dieses Unternehmen das Potenzial gehabt, weltweit die Börsen für eine Woche zu verunsichern. Negative Prognosen diverser "Experten" würden ins Kraut schießen. Professoren dürften etwaige Schäden täglich von 20 Mrd. über 30 bis zu 40 Mrd. Euro hochschrauben. Politiker würden sich einen Wettlauf darum leisten, wer am schnellsten neue betroffene Länder, Modelltypen oder andere "infizierte" Autobauer zu wissen glaube. Natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass Regulierungen und Tests massiv verschärft werden müssten.
Konstruktives würden die Wenigsten sagen: Zum Beispiel, dass in den USA nur eine bestimmte Höchstzahl der von Regelverstößen betroffenen Autos der Höchststrafe von 37.500 Dollar unterlägen. Das maximale Strafmaß sei nicht bei 18 Mrd. sondern eher bei 7,4 Mrd. Dollar anzusiedeln. Verbunden mit dem Hinweis, dass andere Automobilhersteller mit klemmenden Gaspedalen, blockierenden Vorderreifen etc. (immerhin resultierten daraus Todesfälle), in der Vergangenheit finanzielle Einbußen von ein bis zwei Mrd. Dollar zu verzeichnen gehabt hätten.
Man sollte die Kirche also im Dorf lassen. Natürlich werde es Absatzeinbußen durch Imageverluste geben und höhere Kosten durch mehr Regulierung. Aber man sollte doch mal ehrlich sein und absolute Zahlen vergleichen: Dieselfahrzeuge hätten in den USA einen Anteil von drei Prozent! Die drei meistverkauften Autos im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten seien Pick-ups mit Verbrauchswerten über 20 Liter ("saubere" Benziner natürlich), während der neue Euro 6 Dieselmotor zu den saubersten Motoren überhaupt gehöre. Wo seien also die wahren Umweltverschmutzer?
Wirtschaftlich sei noch ergänzt, dass VW mittlerweile ein Drittel seiner Fahrzeuge in China verkaufe, wo es gar keine Dieselfahrzeuge gebe, somit auch zumindest unmittelbar auch kein Schaden entstehe. Der Hauptabsatzmarkt sei Europa und dort boome der Automobilabsatz gerade nach Jahren der Rezession mit zweistelligen Wachstumsraten. Glaube wirklich irgendjemand, dass plötzlich alle Europäer keine BMW, Mercedes, Audi oder VW mehr fahren wollten, sondern Fiat, Renault oder gar US-Marken? Der smarte Autokäufer nutze die schwere Zeit für VW aktuell, um sich hochqualitative Automobiltechnologie mit Schlechtem-Image-Rabatt zu kaufen.
Es scheine also klar, dass die US-Geldpolitik (Resultat: starker Dollar) und die schwächelnde China-Wirtschaft für fallende Rohstoffpreise verantwortlich seien. Dass jedoch ein wirtschaftlicher Strukturwandel (weniger und effizientere Industrie, mehr Dienstleistung) dafür verantwortlich sein könnte, davon rede niemand.
Dass dafür in den letzten 15 Jahren aufgebaute Überkapazitäten und somit ein Überangebot verantwortlich sein könnte, würden zwar viele wissen, aktuell rede aber jeder nur von Nachfrageschwäche, um somit einen Beweis für die ach so schwache Weltwirtschaft zu haben. Dass dafür neue Grenzanbieter, wie die US-Fracking-Industrie verantwortlich sein könnten, wolle man ignorieren. Dass ein 50 Jahre altes Angebots-Kartell (OPEC) gerade auseinanderbreche und Preise für Rohöl nun endlich den freien Marktkräften überlassen seien, werde geflissentlich ignoriert, da das Argument ja nicht neu sei.
Natürlich würden die Rohstoff-Schwellenländer unter den niedrigen Preisen leiden. Sie hätten jedoch während der Boom-Zeiten versäumt, die damals sprudelnden Einnahmen zum Aufbau von Infrastruktur, eines Verarbeitenden Gewerbes, einer vernünftigen Verwaltung (Stichwort Korruption) etc. zu verwenden. Auch hier würden offensichtlich nur unter Druck Lernprozesse stattfinden. Wichtig sei aber in dem Zusammenhang, dass der Großteil der Welt von fallenden Rohstoffen massiv profitiere. Allein ein nachhaltiger Rückgang des Ölpreises auf 50 Dollar wirke wie ein globales Konjunkturprogramm im Gegenwert von 1,5 Billionen Dollar. Ein Faktor der zweifelsfrei vorhanden sei und wirke, aber von Volkswirten und Investoren aktuell größtenteils ignoriert werde.
Eine Stimmung, die die Welt am Abgrund sehe, das Vertrauen in politische Institutionen und Notenbanken zu verlieren scheine, die im negativen Sinne jede Nachricht übertreibe, passe zur Jahreszeit. In den letzten Jahren sei es nahezu schon Tradition gewesen, in den Sommer- und Herbstmonaten die weltweite Konjunktur-Angst zu "spielen". Natürlich immer mit anderen Akteuren: 2010 - Griechenland & die Euro-Krise, 2011 - Fukushima und das US-Schuldendrama, 2012 - wieder die Euro-Krise, 2013 - Tapering der US-Zentralbank und die EM-Krise, 2014 - Russland und Ukraine, 2015 - Griechenland, China und die Schwellenländer usw.
Stimmungen seien das Eine, Fakten, Bewertungen und Zukunftsperspektive das Andere. Die USA würden wachsen, China wachse weiter, selbst Europas Konjunkturdaten seien erstaunlich positiv und robust. Iran komme wieder zur Weltgemeinschaft hinzu, mit Russland werde vernünftigerweise wieder gesprochen, Griechenland beruhige sich. Das sei doch klasse! Aktien seien nach der Korrektur wieder günstig. Im Niedrig-/Nullzinsumfeld komme kein Investor an rentierlichen Anlagen wie Aktien oder Unternehmensanleihen herum. Schwankungen würden zum Geschäft gehören, auch wenn diese, zugegebenermaßen aktuell etwas heftig ausfallen würden.
Wer das verstehe, sehe nicht die Risiken (Schwankungen), sondern die Potenziale in der Zukunft. Im Einkauf liege der Gewinn, das sei klar und deshalb seien solche Phasen wie aktuell zum Vermögensaufbau ideal. Wer sich leichter tue auch gern mit ratierlichen Käufen, die die Schwankungen etwas glätten würden oder im Vertrauen auf seinen Vermögensverwalter. (06.10.2015/alc/a/a)
Wenn man die nervöse Börsenentwicklung verfolge und durchschnittlicher Medienkonsument sei, könnte man meinen, dass der Weltuntergang demnächst bevorstünde. Ein paar Auszüge aus dem Gruselkabinett schlechter Nachrichten gefällig?
China sei wirtschaftlich mittlerweile der Nabel der Welt, wenn China huste, bekämen die "restlichen" Länder einen Schnupfen. China habe Wachstumsprobleme, die Börsen seien ja heftig eingebrochen (nachdem sie vorher noch stärker gestiegen seien), die Regierung agiere kopflos, in bestimmten Sektoren herrsche bereits Rezession.
Die Notenbanken der Welt, allen voran die US-FED habe die Situation nicht mehr im Griff, auch sie agiere wie ein Fähnchen im Wind, halte eigene Prognosen nicht ein und trage somit zur Verunsicherung bei.
Die kompletten Emerging Markets (diese stünden mittlerweile für weit über 50% der Welt-Wirtschaftsleistung) seien kurz davor, komplett zu implodieren und wenn die US-Zentralbank wirklich den Leitzins um ein Quäntchen erhöhe, würden die Lichter dort in Form von Kapitalabflüssen, Pleiten von Dollar-Schuldnern und fallenden Rohstoffpreisen - wahrscheinlich bis auf Null -, komplett ausgehen.
VW, als mit Abstand größter Automobilbauer Europas ginge demnächst Pleite und ziehe gleich die komplette deutsche sowie die halbe europäische Wirtschaft mit ins Nirwana.
Auch reine politische Themen passen natürlich zum Geschehen: Ausländer, in Verkleidung als Asylbewerber, überschwämmen unsere Gesellschaft, und in kürzester Zeit, spätestens Weihnachten, wohnen alle in unseren Wohnungen, hätten alle unsere Jobs und die Deutschen selber schliefen auf der Straße, so die Experten von GECAM.
Die halbe Welt sei sowieso auf der Flucht, Syrien brenne und die großen Weltmächte schauten machtlos zu, griffen symbolartig ein und eine Einigung sei in weiter Ferne. Und dann kämen auch noch die Russen daher. Ja die Russen, das seien im Übrigen grundsätzlich die Bösen, und wenn sie in Syrien das Gleiche tun würden wie die Amerikaner oder Franzosen, sei das eben nicht das Gleiche.
Generell stehe die Welt mindestens ökonomisch vor einer ganz außergewöhnlich schwierigen Phase. Selbst der IWF warne vor Wachstumsrisiken. Kenner der Szene würden wissen, um die Prognosekraft dieser Institution!
Mit der Bitte um Verzeihung für die etwas zynische Einleitung zum heutigen Marktkommentar, würden die folgenden Zeilen etwas zur Versachlichung beitragen mögen.
Seit dem Regierungswechsel in China 2013 richte sich diese zentral regierte Volkswirtschaft vom Grundsatz her marktwirtschaftlich aus, bekämpfe Korruption, bremse Blasenentwicklungen in der einen Branche und versuche gleichzeitig andere Wirtschaftszweige und die Gesamtwirtschaft zu fördern. Dies alles vor dem Hintergrund, die Wirtschaftsstruktur hin zu mehr Binnenkonsum zu verändern. Natürlich verursache ein solch gigantischer Prozess Friktionen und Lernprozesse.
Dass der Prozess auf richtigem Wege sei, würden die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich bestätigen. Während ersterer seit einem Jahr schwächele, boome der andere geradezu. Ein Hinweis im Übrigen auch darauf, dass China evtl. nicht mehr so viele Rohstoffe brauche, um zu wachsen wie in der Vergangenheit.
Mit Börsen könne man nicht planwirtschaftlich umspringen, dieser Lernprozess finde aktuell bei der kommunistischen Regierung statt und werde am Ende zu einem attraktiveren und reiferen Börsenumfeld führen. Eine Währung, die an den sehr aufgewerteten Dollar gekoppelt sei und davor bereits über Jahre aufgewertet habe, belaste natürlich den Export, der nach wie vor die wichtigste Triebfeder des Wachstums darstelle. Vorsichtig gegenzusteuern und die eigene Währung etwas abzuwerten sei sinnvoll und notwendig, wenn auch Anfang August schlecht kommuniziert. Auch hier würden Lernprozesse stattfinden.
Auch die Verschuldungssituation sei nicht so krass, wie meist geschildert. Dazu müsse man wissen, dass in China Schuldner oftmals stattliche Institutionen, oder staatlich dominierte Unternehmen bzw. Gebietskörperschaften seien. Letztendlich sollte die immense Finanzkraft der Regierung ausreichen, diese Risiken zu managen und zu tragen.
Ganz Generell würden die Experten weder die Wirtschaft, noch die Verschuldungssituation so schlecht sehen, wie sie manchmal dargestellt werde. China werde weiter um rund 600 Mrd. US-Dollar jährlich wachsen und weiter größter Rohstoff-Importeur der Welt sein. 1,35 Mrd. Chinesen stünden jeden Tag auf mit dem Gedanken auf ein besseres Leben in der Zukunft - das beruhige.
Natürlich würden die Experten auch das Vorgehen der US-Zentralbank (FED) für etwas inkonsequent halten. Seit zwei Jahren die geldpolitische Wende zu verkünden, damit die Welt zu verunsichern (vor allem die Schwellenländer), aber dann nicht zu liefern, sei schon schwer zu begreifen. Doch immerhin seien die USA überhaupt Willens und in der Lage, darüber nachzudenken, eine "extreme" Geldpolitik auf nur noch "sehr expansiv" zu verändern. Ein Wert an sich möchte man fast sagen in einer hochverschuldeten Welt, die am Niedrigzins hänge wie an der Drogen-Spritze. Auf jeden Fall sei die US-Volkswirtschaft aktuell die Konjunktur-Lokomotive der Welt und sollte das wohl auch noch eine Weile bleiben.
Ein Wort zu dem Volks-Automobilhersteller VW sei gestattet. Immerhin habe dieses Unternehmen das Potenzial gehabt, weltweit die Börsen für eine Woche zu verunsichern. Negative Prognosen diverser "Experten" würden ins Kraut schießen. Professoren dürften etwaige Schäden täglich von 20 Mrd. über 30 bis zu 40 Mrd. Euro hochschrauben. Politiker würden sich einen Wettlauf darum leisten, wer am schnellsten neue betroffene Länder, Modelltypen oder andere "infizierte" Autobauer zu wissen glaube. Natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass Regulierungen und Tests massiv verschärft werden müssten.
Konstruktives würden die Wenigsten sagen: Zum Beispiel, dass in den USA nur eine bestimmte Höchstzahl der von Regelverstößen betroffenen Autos der Höchststrafe von 37.500 Dollar unterlägen. Das maximale Strafmaß sei nicht bei 18 Mrd. sondern eher bei 7,4 Mrd. Dollar anzusiedeln. Verbunden mit dem Hinweis, dass andere Automobilhersteller mit klemmenden Gaspedalen, blockierenden Vorderreifen etc. (immerhin resultierten daraus Todesfälle), in der Vergangenheit finanzielle Einbußen von ein bis zwei Mrd. Dollar zu verzeichnen gehabt hätten.
Man sollte die Kirche also im Dorf lassen. Natürlich werde es Absatzeinbußen durch Imageverluste geben und höhere Kosten durch mehr Regulierung. Aber man sollte doch mal ehrlich sein und absolute Zahlen vergleichen: Dieselfahrzeuge hätten in den USA einen Anteil von drei Prozent! Die drei meistverkauften Autos im Land der (un)begrenzten Möglichkeiten seien Pick-ups mit Verbrauchswerten über 20 Liter ("saubere" Benziner natürlich), während der neue Euro 6 Dieselmotor zu den saubersten Motoren überhaupt gehöre. Wo seien also die wahren Umweltverschmutzer?
Wirtschaftlich sei noch ergänzt, dass VW mittlerweile ein Drittel seiner Fahrzeuge in China verkaufe, wo es gar keine Dieselfahrzeuge gebe, somit auch zumindest unmittelbar auch kein Schaden entstehe. Der Hauptabsatzmarkt sei Europa und dort boome der Automobilabsatz gerade nach Jahren der Rezession mit zweistelligen Wachstumsraten. Glaube wirklich irgendjemand, dass plötzlich alle Europäer keine BMW, Mercedes, Audi oder VW mehr fahren wollten, sondern Fiat, Renault oder gar US-Marken? Der smarte Autokäufer nutze die schwere Zeit für VW aktuell, um sich hochqualitative Automobiltechnologie mit Schlechtem-Image-Rabatt zu kaufen.
Es scheine also klar, dass die US-Geldpolitik (Resultat: starker Dollar) und die schwächelnde China-Wirtschaft für fallende Rohstoffpreise verantwortlich seien. Dass jedoch ein wirtschaftlicher Strukturwandel (weniger und effizientere Industrie, mehr Dienstleistung) dafür verantwortlich sein könnte, davon rede niemand.
Dass dafür in den letzten 15 Jahren aufgebaute Überkapazitäten und somit ein Überangebot verantwortlich sein könnte, würden zwar viele wissen, aktuell rede aber jeder nur von Nachfrageschwäche, um somit einen Beweis für die ach so schwache Weltwirtschaft zu haben. Dass dafür neue Grenzanbieter, wie die US-Fracking-Industrie verantwortlich sein könnten, wolle man ignorieren. Dass ein 50 Jahre altes Angebots-Kartell (OPEC) gerade auseinanderbreche und Preise für Rohöl nun endlich den freien Marktkräften überlassen seien, werde geflissentlich ignoriert, da das Argument ja nicht neu sei.
Natürlich würden die Rohstoff-Schwellenländer unter den niedrigen Preisen leiden. Sie hätten jedoch während der Boom-Zeiten versäumt, die damals sprudelnden Einnahmen zum Aufbau von Infrastruktur, eines Verarbeitenden Gewerbes, einer vernünftigen Verwaltung (Stichwort Korruption) etc. zu verwenden. Auch hier würden offensichtlich nur unter Druck Lernprozesse stattfinden. Wichtig sei aber in dem Zusammenhang, dass der Großteil der Welt von fallenden Rohstoffen massiv profitiere. Allein ein nachhaltiger Rückgang des Ölpreises auf 50 Dollar wirke wie ein globales Konjunkturprogramm im Gegenwert von 1,5 Billionen Dollar. Ein Faktor der zweifelsfrei vorhanden sei und wirke, aber von Volkswirten und Investoren aktuell größtenteils ignoriert werde.
Eine Stimmung, die die Welt am Abgrund sehe, das Vertrauen in politische Institutionen und Notenbanken zu verlieren scheine, die im negativen Sinne jede Nachricht übertreibe, passe zur Jahreszeit. In den letzten Jahren sei es nahezu schon Tradition gewesen, in den Sommer- und Herbstmonaten die weltweite Konjunktur-Angst zu "spielen". Natürlich immer mit anderen Akteuren: 2010 - Griechenland & die Euro-Krise, 2011 - Fukushima und das US-Schuldendrama, 2012 - wieder die Euro-Krise, 2013 - Tapering der US-Zentralbank und die EM-Krise, 2014 - Russland und Ukraine, 2015 - Griechenland, China und die Schwellenländer usw.
Stimmungen seien das Eine, Fakten, Bewertungen und Zukunftsperspektive das Andere. Die USA würden wachsen, China wachse weiter, selbst Europas Konjunkturdaten seien erstaunlich positiv und robust. Iran komme wieder zur Weltgemeinschaft hinzu, mit Russland werde vernünftigerweise wieder gesprochen, Griechenland beruhige sich. Das sei doch klasse! Aktien seien nach der Korrektur wieder günstig. Im Niedrig-/Nullzinsumfeld komme kein Investor an rentierlichen Anlagen wie Aktien oder Unternehmensanleihen herum. Schwankungen würden zum Geschäft gehören, auch wenn diese, zugegebenermaßen aktuell etwas heftig ausfallen würden.
Wer das verstehe, sehe nicht die Risiken (Schwankungen), sondern die Potenziale in der Zukunft. Im Einkauf liege der Gewinn, das sei klar und deshalb seien solche Phasen wie aktuell zum Vermögensaufbau ideal. Wer sich leichter tue auch gern mit ratierlichen Käufen, die die Schwankungen etwas glätten würden oder im Vertrauen auf seinen Vermögensverwalter. (06.10.2015/alc/a/a)


