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Welche Chancen Schwellenländeranleihen aktuell bieten können


22.05.24 13:00
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die makroökonomischen Indikatoren deuten darauf hin, dass Schwellenländer gut positioniert sind, um von den veränderten globalen Rahmenbedingungen zu profitieren, so Lisa Turk, Fondsmanagerin Emerging Corporate Debt, und Daniela Savoia, Fondsmanagerin Emerging Debt, bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Insbesondere die Abschwächung des US-Dollars und die allmähliche Anpassung der Geldpolitik der großen Zentralbanken könnten die Attraktivität von Schwellenländeranleihen weiter erhöhen. Für 2024 prognostiziere der Internationale Währungsfonds (IWF) ein stabiles Wachstum von rund vier Prozent in den Schwellenländern, verglichen mit rund 1,4 Prozent in den Industrieländern. Die sich ausweitende Kluft zwischen dem BIP-Wachstum der Schwellenländer und dem der Industrieländer dürfte die Anlageklasse weitgehend stützen.

Die Aktienmärkte in den Schwellenländern hätten es schwer gehabt, vor allem im Vergleich zum S&P 500-Index. Im Gegensatz dazu hätten Unternehmens- und Staatsanleihen aus Schwellenländern im vergangenen Jahr zu den Anlageklassen mit der besten Performance gehört. Schwellenländeranleihen würden ein großes, liquides und rentables Anlageuniversum darstellen, das jedoch noch relativ unerforscht sei. Selbst in schwierigen Zeiten hätten sie überdurchschnittliche Renditen erzielt und eine wichtige Rolle in diversifizierten Portfolios gespielt.

Auch das Investitionsvolumen in Schwellenländeranleihen steige kontinuierlich und spiegele das wachsende Vertrauen in den wirtschaftlichen Fortschritt dieser Länder wider. Die zunehmende Professionalisierung der Finanzmärkte in diesen Regionen sowie eine proaktive und vorausschauende Zinspolitik würden das Vertrauen internationaler Investoren stärken.

Der Markt für Schwellenländeranleihen sei viel stärker diversifiziert als der Markt für Schwellenländeraktien. So würden sich beispielsweise die Unternehmensanleihen der Schwellenländer in Dollar auf 2,5 Billionen Dollar belaufen, während der US-High-Yield-Markt 1,3 Billionen Dollar umfasse. Der Markt für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern (grüne Anleihen, nachhaltige Anleihen usw.) sei auf 900 Milliarden Dollar angewachsen und mache 25 Prozent des Weltmarktes aus. Er sei zwischen 2017 und 2022 um das Achtfache gewachsen und entwickle sich weiter (Quelle: Bloomberg, März 2024).

Die Schwellenländer seien es seit jeher gewohnt, mit Phasen hoher Inflation umzugehen. Im gegenwärtigen Zyklus hätten sie die Zinssätze viel aktiver angehoben, und dies sollte auch für Zinssenkungen gelten. In dieser Hinsicht seien mehrere Schwellenländer den Industrieländern in Sachen Geldpolitik voraus. Dies gelte vor allem für Brasilien, Kolumbien, Chile, Peru und ganz Osteuropa. Der Markt für Staatsanleihen in den Schwellenländern sei inzwischen gereift und weise wesentlich solidere Fundamentaldaten auf als in früheren Krisenzeiten.

Da der Energieverbrauch weiter steige, sei der Finanzierungsbedarf für die Energiewende in den Schwellenländern enorm. Auf die Schwellenländer würden bis 2030 voraussichtlich 66 Prozent der CO2-Emissionen entfallen (Quelle: Welt-Energieausblick 2023, Internationale Energieagentur), aber sie würden heute nur einen verschwindend geringen Anteil an der Finanzierung der Energiewende erhalten. Die damit verbundene Umschichtung von Vermögenswerten eröffne den Schwellenländern große Chancen für grüne Investitionen.

Interchile, das chilenische Stromübertragungsunternehmen, ist eine unserer Investitionsüberzeugungen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Das Unternehmen sei ein wichtiger Akteur bei der Energiewende des Landes, denn Chile habe sich entschieden, bis 2025 aus der Kohle auszusteigen, und das in einem Zeitraum von nur fünf Jahren. In Indien hätten die Experten ein starkes Vertrauen in das Solar- und Windkraftunternehmen Renew entwickelt, das nicht von den Problemen in der Lieferkette betroffen sei, mit denen europäische Unternehmen zu kämpfen hätten.

Bei der regionalen Allokation hätten die Experten Brasilien, eine der wichtigsten Volkswirtschaften der Welt, übergewichtet. Ihre Positionen in diesem Land seien aus sektoraler Sicht stark diversifiziert. Kolumbien sei ebenfalls ein attraktives Land in Bezug auf die Bewertungen. Ihre Entscheidung, die Ukraine überzugewichten, sei ein wichtiger Performancefaktor im Jahr 2023 und im ersten Quartal 2024 gewesen.

Schließlich sind wir in den Logistik- und Transportsektor in Brasilien investiert, den wir angesichts der Kreditqualität dieser Unternehmen für unterbewertet halten, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. (22.05.2024/alc/a/a)