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Weitere EZB-Anleihekäufe sind unwahrscheinlich


10.09.19 10:45
ETHENEA

Munsbach (www.anleihencheck.de) - Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone ist nach wie vor relativ schwach, so Dr. Volker Schmidt, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA.

Während Frankreich und Spanien in diesem Jahr vergleichsweise gute Ergebnisse erzielt hätten, hätten sich sowohl Deutschland als auch Italien eher unterdurchschnittlich entwickelt. Darüber hinaus lägen die Inflationszahlen in der Eurozone trotz eines soliden Beschäftigungs- und Lohnwachstums immer noch deutlich unter den angestrebten 2 Prozent.

Obwohl Mario Draghi auf der Juli-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) erklärt habe, dass die EZB "bereit ist, all ihre Instrumente anzupassen", würden jüngste Kommentare mehrerer EZB-Mitglieder darauf schließen lassen, dass die Meinung darüber, ob ein zusätzliches Quantitative Easing (QE)-Programm gerechtfertigt wäre, im Rat geteilt sei. Aus Sicht der Experten von ETHENEA werde die EZB daher auf ihrer bevorstehenden Sitzung kein weiteres Anleihekaufprogramm ankündigen, sondern jede Diskussion zu diesem Thema auf spätere Sitzungen verschieben. Angesichts der günstigen Refinanzierungsbedingungen im Euroraum - sowohl für Staaten als auch für die meisten Großunternehmen - bestehe derzeit kein Bedarf an weiterer Unterstützung. Das neue TLTRO (Targeted Longer-Term Refinancing Operations) hingegen solle Banken dabei unterstützen, kleineren Unternehmen Kredite zu attraktiven Konditionen anzubieten.

Insgesamt sei die Kreditversorgung in der Eurozone kein großes Problem. Stattdessen leide die Wirtschaft aufgrund neuer Zölle vor allem unter einem schwachen internationalen Handel, wobei dieses Problem durch die Unsicherheiten um den Brexit noch verstärkt werde. Da die EZB keinen Einfluss auf Handelshemmnisse habe, könne sie nur versuchen, die Folgen abzumildern. In dieser Hinsicht sei die Zentralbank erfolgreich. Obwohl die bereits von der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde vorgeschlagene steuerliche Unterstützung zusätzliche wirtschaftliche Entlastung bringen könnte, werde man eine deutliche Verbesserung der Wirtschaft der Eurozone erst dann sehen, wenn eine dauerhafte Lösung für die verschiedenen Handelskonflikte gefunden sei. Dies bedeute, dass eine mögliche Zinssenkung durch die EZB nur geringe oder gar keine Auswirkungen haben werde. Ein prosperierender Dienstleistungssektor in der Eurozone sowie ein nachhaltiges Beschäftigungs- und Lohnwachstum würden die Wirtschaft jedoch erheblich stützen und eine deutliche Abschwächung verhindern. (10.09.2019/alc/a/a)