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Ein Weihnachtsgeschenk von der Fed?
08.12.25 12:12
RBC BlueBay Asset Management
London (www.anleihencheck.de) - Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen stiegen in der vergangenen Woche, die Zinskurve wurde flacher, als Spekulationen zunahmen, dass Kevin Hassett in Kürze zum nächsten Fed-Chef ernannt wird, so Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.
Marktteilnehmer sähen Hassett als potenziell zinsliberaler als seine Konkurrenten. Obwohl diese Entwicklung die Erwartungen an kurzfristige Zinsen stützte, herrsche Besorgnis, dass Hassetts Bestreben, Trump zu gefallen, die Inflationsrisiken bis 2026 erhöhen könne. Dies belaste länger laufende Staatsanleihen. Ironischerweise sei einer der Hauptgründe für Trumps Forderung nach niedrigeren Zinsen sein Wunsch nach sinkenden Hypothekenzinsen. Er möchte Hypotheken erschwinglicher machen und damit die Aktivität auf dem Immobilienmarkt ankurbeln.
Es bestehe jedoch das Risiko, dass ein Eingreifen des Präsidenten die Hypothekenzinsen in die entgegengesetzte Richtung treiben könnte, falls Befürchtungen um die Unabhängigkeit der Fed zunehmen oder deren Verpflichtung zur Preisstabilität infrage gestellt werde. Aus diesem Grund sei Mark Dowding weiterhin davon überzeugt, dass der künftige Fed-Vorsitzende einen eher orthodoxen Ansatz verfolgen und dem Druck aus dem Weißen Haus widerstehen werde.
Die Fed dürfte also angesichts der starken US-Wirtschaft im Jahr 2026 weniger Zinssenkungen vornehmen, als derzeit von den Märkten eingepreist werden. Dowding halte es jedoch noch nicht für angebracht, kurzfristige Positionen einzugehen, da die Fed voraussichtlich auf der Sitzung in der kommenden Woche eine Zinssenkung vornehmen werde und die Wirtschaftsdaten vom November aufgrund des jüngsten Regierungsstillstands in den USA möglicherweise negative Überraschungen bereithalten könnten.
Was die US-Wirtschaft betrifft, gehe Dowding nach wie vor davon aus, dass die bereits angekündigten Zins- und Steuersenkungen sowie Deregulierungen das Wirtschaftswachstum bis 2026 positiv beeinflussen werden. Darüber hinaus dürften die anhaltend steigenden Investitionen in KI-Technologien die Wirtschaft im ersten Halbjahr weiter ankurbeln. Das Beschäftigungswachstum werde voraussichtlich verhalten bleiben, allerdings vor dem Hintergrund eines sinkenden Angebots an Arbeitskraft aufgrund der Wende in der US-Migrationspolitik.
Folglich erwarte Dowding in den kommenden Monaten keinen wesentlichen Anstieg der Arbeitslosenquote. Sollten sich die Entlassungszahlen allerdings auf über 300.000 pro Woche steigern, wäre das eine besorgniserregende Entwicklung. Tatsächlich bewegten sich die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosengeld immer noch stabil unter 220.000. Das sei eine relativ gesunde Arbeitsmarktlage.
Die Renditekurven europäischer Anleihen seien in der vergangenen Woche ebenfalls steiler geworden und spiegelten damit die US-Entwicklungen wider. Etwas besser als erwartet fielen die Daten des Einkaufsmanagerindexes aus, wobei der regionale Gesamtindex auf ein Zweijahreshoch gestiegen sei. Die zugrundeliegenden Länderdaten verdeutlichten jedoch, dass sich Südeuropa mit seinem relativ robusten Wachstum vom sich schwächer entwickelnden Norden abhebe.
In Deutschland wachse der Druck auf Bundeskanzler Merz, da die deutsche Wirtschaft insgesamt und die deutsche Industrie im Besonderen weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Es bestehe die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Regierungskoalition im Bundestag – obwohl Neuwahlen kaum auf Zustimmung stoßen dürften, da diese wohl eher der rechtspopulistischen AfD als anderen Parteien zugutekommen würden.
Innerhalb der Eurozone hätten sich die Spreads von Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen weiter verringert, und in der vergangenen Woche seien die Spreads zehnjähriger italienischer BTP-Anleihen erstmals seit 2009 unter 70 Basispunkte gefallen.
An den Devisenmärkten habe der Dollar in der vergangenen Woche nachgegeben, beeinflusst von der Aussicht auf eine lockere Geldpolitik unter einem möglichen neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Hassett. Dowding gehe jedoch davon aus, dass das außergewöhnliche Wachstum der USA auch in absehbarer Zukunft anhalten werde, und aus diesem Blickwinkel sei Dowding skeptisch, ob der Dollar seinen jüngsten Abwärtstrend fortsetzen werde.
Ausblick
Die Entscheidung des Fed-Treffens am kommenden Mittwoch dürfte das wichtigste Ereignis sein. Dowding gehe davon aus, dass die offizielle Bekanntgabe des nächsten Fed-Vorsitzenden erst nach diesem Zeitpunkt und nach dem Ende der Sperrfrist für Fed-Mitteilungen erfolgen werde. Anschließend stünden auch wichtige Sitzungen der Bank of England und der Bank of Japan im Fokus, bevor die Weihnachtszeit richtig beginne.
Saisonbedingt herrsche um diese Jahreszeit eine gewisse Weihnachtsstimmung an den Märkten, und Anfang Januar seien Hoffnung und Optimismus spürbar. Unweigerlich könne dieser Januar-Optimismus im Laufe des Monats etwas nachlassen. Insgesamt neige Dowding dazu, dies als günstigen Zeitpunkt zu betrachten, um Risiken einzugehen und diese im neuen Jahr – in Erwartung dieser Trends – wieder abzubauen. "Wir leben immer noch in einer Welt, in der menschliche Entscheidungen die Märkte stärker bestimmen als Maschinen", so Dowding. In diesem Fall möchte zumindest in den nächsten Wochen niemand als allzu pessimistisch gelten – oder? (Ausgabe vom 05.12.2025) (08.12.2025/alc/a/a)
Marktteilnehmer sähen Hassett als potenziell zinsliberaler als seine Konkurrenten. Obwohl diese Entwicklung die Erwartungen an kurzfristige Zinsen stützte, herrsche Besorgnis, dass Hassetts Bestreben, Trump zu gefallen, die Inflationsrisiken bis 2026 erhöhen könne. Dies belaste länger laufende Staatsanleihen. Ironischerweise sei einer der Hauptgründe für Trumps Forderung nach niedrigeren Zinsen sein Wunsch nach sinkenden Hypothekenzinsen. Er möchte Hypotheken erschwinglicher machen und damit die Aktivität auf dem Immobilienmarkt ankurbeln.
Es bestehe jedoch das Risiko, dass ein Eingreifen des Präsidenten die Hypothekenzinsen in die entgegengesetzte Richtung treiben könnte, falls Befürchtungen um die Unabhängigkeit der Fed zunehmen oder deren Verpflichtung zur Preisstabilität infrage gestellt werde. Aus diesem Grund sei Mark Dowding weiterhin davon überzeugt, dass der künftige Fed-Vorsitzende einen eher orthodoxen Ansatz verfolgen und dem Druck aus dem Weißen Haus widerstehen werde.
Die Fed dürfte also angesichts der starken US-Wirtschaft im Jahr 2026 weniger Zinssenkungen vornehmen, als derzeit von den Märkten eingepreist werden. Dowding halte es jedoch noch nicht für angebracht, kurzfristige Positionen einzugehen, da die Fed voraussichtlich auf der Sitzung in der kommenden Woche eine Zinssenkung vornehmen werde und die Wirtschaftsdaten vom November aufgrund des jüngsten Regierungsstillstands in den USA möglicherweise negative Überraschungen bereithalten könnten.
Was die US-Wirtschaft betrifft, gehe Dowding nach wie vor davon aus, dass die bereits angekündigten Zins- und Steuersenkungen sowie Deregulierungen das Wirtschaftswachstum bis 2026 positiv beeinflussen werden. Darüber hinaus dürften die anhaltend steigenden Investitionen in KI-Technologien die Wirtschaft im ersten Halbjahr weiter ankurbeln. Das Beschäftigungswachstum werde voraussichtlich verhalten bleiben, allerdings vor dem Hintergrund eines sinkenden Angebots an Arbeitskraft aufgrund der Wende in der US-Migrationspolitik.
Folglich erwarte Dowding in den kommenden Monaten keinen wesentlichen Anstieg der Arbeitslosenquote. Sollten sich die Entlassungszahlen allerdings auf über 300.000 pro Woche steigern, wäre das eine besorgniserregende Entwicklung. Tatsächlich bewegten sich die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosengeld immer noch stabil unter 220.000. Das sei eine relativ gesunde Arbeitsmarktlage.
In Deutschland wachse der Druck auf Bundeskanzler Merz, da die deutsche Wirtschaft insgesamt und die deutsche Industrie im Besonderen weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen habe. Es bestehe die Gefahr eines Auseinanderbrechens der Regierungskoalition im Bundestag – obwohl Neuwahlen kaum auf Zustimmung stoßen dürften, da diese wohl eher der rechtspopulistischen AfD als anderen Parteien zugutekommen würden.
Innerhalb der Eurozone hätten sich die Spreads von Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen weiter verringert, und in der vergangenen Woche seien die Spreads zehnjähriger italienischer BTP-Anleihen erstmals seit 2009 unter 70 Basispunkte gefallen.
An den Devisenmärkten habe der Dollar in der vergangenen Woche nachgegeben, beeinflusst von der Aussicht auf eine lockere Geldpolitik unter einem möglichen neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Hassett. Dowding gehe jedoch davon aus, dass das außergewöhnliche Wachstum der USA auch in absehbarer Zukunft anhalten werde, und aus diesem Blickwinkel sei Dowding skeptisch, ob der Dollar seinen jüngsten Abwärtstrend fortsetzen werde.
Ausblick
Die Entscheidung des Fed-Treffens am kommenden Mittwoch dürfte das wichtigste Ereignis sein. Dowding gehe davon aus, dass die offizielle Bekanntgabe des nächsten Fed-Vorsitzenden erst nach diesem Zeitpunkt und nach dem Ende der Sperrfrist für Fed-Mitteilungen erfolgen werde. Anschließend stünden auch wichtige Sitzungen der Bank of England und der Bank of Japan im Fokus, bevor die Weihnachtszeit richtig beginne.
Saisonbedingt herrsche um diese Jahreszeit eine gewisse Weihnachtsstimmung an den Märkten, und Anfang Januar seien Hoffnung und Optimismus spürbar. Unweigerlich könne dieser Januar-Optimismus im Laufe des Monats etwas nachlassen. Insgesamt neige Dowding dazu, dies als günstigen Zeitpunkt zu betrachten, um Risiken einzugehen und diese im neuen Jahr – in Erwartung dieser Trends – wieder abzubauen. "Wir leben immer noch in einer Welt, in der menschliche Entscheidungen die Märkte stärker bestimmen als Maschinen", so Dowding. In diesem Fall möchte zumindest in den nächsten Wochen niemand als allzu pessimistisch gelten – oder? (Ausgabe vom 05.12.2025) (08.12.2025/alc/a/a)


