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Was wir vom FED-Meeting erwarten können


10.06.20 12:30
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die heutige Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) der US-Notenbank FED stellt in gewisser Weise einen großen Schritt in Richtung Normalität für Investoren dar, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.

Gespannt werde erwartet, was die FED nach der Rückkehr zu ihrem geplanten Sitzungsprogramm als nächstes tun werde.

Aus Sicht der Experten liege die Shock-and-Awe-Phase hinter uns. Jetzt müsse sich die FED allerdings mit der Realität eines sehr umfangreichen Treasury-Finanzierungsprogramms in Verbindung mit Nullzinsen und einer Wirtschaft in einer tiefen Rezession auseinandersetzen.

Das erste Problem liege in der Frage, wer diese ganzen US-Staatsanleihen kaufen werde, während die Renditen niedrig seien. Die Experten hätten in der Vergangenheit schon einmal argumentiert, dass die US-Treasuries bei diesen Niveaus den Anlegern nicht den gleichen Schutz bieten würden, wie in Zeiten höherer Renditen. Sie würden zwar risikofrei, aber eben auch renditefrei bleiben. Viele Anleger würden froh sein, sie aus Liquiditätsgründen in ihrem Portfolio zu haben, aber die Angst vor steigenden Renditen dürfte sie dazu bewegen, Kurzläufer vorzuziehen, bei denen die mit steigenden Renditen verbundenen Preisrisiken geringer seien. Die FED werde daher in Zukunft mehr Anleihen halten müssen, da das hohe Angebot schwer auf einem Markt laste, der für die Experten am längeren Ende der Renditekurve offen gesagt schlichtweg unattraktiv sei.

Heute stehe daher für die FED ein formelles Programm zur quantitativen Lockerung (QE) im Fokus. Für den Fall, dass dies als nicht ausreichend erachtet werde und die Renditen von Anleihen mit längeren Laufzeiten ansteigen würden (und zwar bis zu einem Punkt, an dem die FED die Renditen als Hindernis für die Erholung ansehe), würden die Experten erwarten, dass eine Politik der Zinskurvensteuerung (Yield Curve Control) durchgesetzt werde. Ihrer Meinung nach sei es dafür im Moment jedoch noch zu früh.

Der zweite Punkt, den die Experten heute erwarten würden, sei die Bekanntgabe einer gewissen Vorwärtsorientierung. Angesichts der beispiellosen Maßnahmen, die die FED in dieser Krise ergriffen habe, stelle sich für die Anleger die Frage, wie lange diese Maßnahmen noch anhalten würden, wie lange die Zinssätze bei Null liegen würden und wie die FED die Renditekurve aussehen lassen wolle. In diesem Zusammenhang seien richtungsweisende Aussagen der FED nicht nur aus der Perspektive von Anleiheanlegern sehr nützlich, sondern auch aus der Perspektive der Unternehmen und der Wirtschaft im Allgemeinen. Denn Investoren sollten in der Lage sein, vertrauensvoll in eine günstige Kreditaufnahme für einen bestimmten Zeitraum zu investieren und Unternehmen sollten sich darauf verlassen können, ihre Finanzierung zu sehr günstigen Konditionen tilgen zu können. (10.06.2020/alc/a/a)