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Was unterscheidet NASA und Rentenhändler?
17.07.15 09:13
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Auf den ersten Blick scheint es so, als ob Europa in letzter Sekunde gerettet werden konnte, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Aber davon könne definitiv nicht die Rede sein. Denn noch längst sei nicht alles in trockenen Tüchern. Bei den Menschen und in den Parlamenten sei noch genügend Überzeugungsarbeit zu leisten, weil die getroffenen Vereinbarungen nur die Grundlage für weitere Gespräche bilden würden. Man dürfe also gespannt sein, was zum Jahresende noch von den guten Vorsätzen, die man jetzt gefasst habe, übrig geblieben sei. Doch nach den härtesten Verhandlungen, die bisher in Brüssel zu führen gewesen seien, werde weiterhin über die Verhandlungsstrategie und Unnachgiebigkeit Deutschlands diskutiert.
Hierbei rücke insbesondere unser Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in den Mittelpunkt der Berichterstattung, der sich teilweise regelrechten Hasstiraden ausgesetzt sehe. Doch all' seine Kritiker verkennen, dass seine Unnachgiebigkeit auch das Ergebnis der bisherigen Reformverweigerung aller griechischen Regierungen der vergangenen Jahre darstellt, so die Analysten der Baader Bank. Die Verlässlichkeit sei das Problem gewesen, und somit hätten rote Linien eingezogen werden müssen, um das gesamte europäische Gebäude nicht zum Einsturz zu bringen. Eine sinnvolle Bewertung politischer Maßnahmen könne stets nur rückblickend erfolgen und so werde auch erst in vielen Jahren ersichtlich sein, ob Europa durch diese strengen Vorschriften gerettet oder geschwächt worden sei. Fakt sei aber auch, dass man durch die Verweigerung eines Schuldenschnitts und durch die Forderung nach unumkehrbaren Parlamentsbeschlüssen, das verloren gegangene Vertrauen regelrecht erzwingen möchte.
Denn Europa und insbesondere Euroland seien bereits nachhaltig beschädigt worden. Nun habe es gegolten, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und dazu habe eine Kombination aus Schuldentragfähigkeit sowie Investitionsbereitschaft gefunden werden müssen. Nur auf diese Weise werde es gelingen, für die nachfolgenden Generationen ein gemeinsames Europa zu schaffen. Vielleicht werde man in einigen Jahren die Geschichtsbücher neu schreiben müssen, weil man dann erkannt habe, dass Wolfgang Schäuble zum Wohle Europas gehandelt habe und sich nicht in einem Europa ohne Grenzen den modernen Raubrittern geschlagen gegeben habe. Auch wäre man früher oder später mit ähnlichen Forderungen aus anderen Staaten konfrontiert worden, was zu Ungerechtigkeiten innerhalb der Eurozone geführt hätte.
Andere Politiker wie beispielsweise aus Italien und Frankreich haben diesen Weitblick vermissen lassen und scheinen das griechische Sprichwort: "Arbeite, damit du lebst, stehle, damit du besitzt" anders zu bewerten, als der deutsche Michel, so die Analysten der Baader Bank.
Innerhalb von drei Jahren sollten weitere 82 bis 86 Mrd. EUR nach Athen fließen. Ob der gefundene Kompromiss wirklich tragfähig sei, werde sich aber erst noch zeigen müssen. Groß seien die Bedenken, dass das Geld nicht reichen werde, Griechenland dauerhaft zu retten. Schließlich werde Hellas dadurch auch nicht wettbewerbsfähiger. Klar, das Land bekomme mehr Geld als zunächst beantragt. Im Gegenzug hätten sich die anderen Eurostaaten mit einer Reihe von harten Einschnitten durchgesetzt, welche die Regierung von Alexis Tsipras nun mithilfe der Opposition umsetzen müsse.
Aber auch einige Europartner müssten ihre Parlamente befragen - nicht nur die Slowakei, Finnland und Estland, sondern auch die deutsche Regierung. Und Spanien beabsichtige es sogar freiwillig zu tun. Zwar gelte die Zustimmung in Berlin als gewiss. Dennoch rumore es vor allem in den Reihen der Union, wo es so manche Abweichler geben dürfte.
Immerhin sei es nicht ausgeschlossen, dass aus dem geplanten dritten Hilfsprogramm für Griechenland deutlich weniger Mittel des Euro-Krisenfonds ESM notwendig seien als die genannten 82 bis 86 Mrd. EUR. Je nachdem, wie sich die Wirtschaftslage in Hellas in den kommenden Jahren entwickle, brauche Griechenland vielleicht nur rund die Hälfte der jetzt angedachten ESM-Mittel, sei aus Brüssel zu hören.
Wie dem auch sei, man habe in den vergangenen Tagen auch schon mal wieder den Satz gehört, man habe sich für Griechenland wertvolle Zeit erkauft - ein Argument, das bereits 2010 in Brüssel benutzt worden sei. In Griechenland, so müsse man freilich konstatieren, sei im Gegensatz zu Irland, Spanien oder Portugal diese Zeit nicht genutzt worden. Klar sei, Athen müsse nun endlich liefern. Denn die Zeit, die man jetzt gekauft habe, sei nochmals deutlich teurer als die vor fünf Jahren.
Gleich in doppelter Hinsicht würden die Europäische Zentralbank (EZB) und der griechische Staat die griechischen Kreditinstitute am Leben halten. Da sei zum einen die akute Hilfe durch die ELA-Notkredite ("Emergency Liquidity Assistance"), die vorerst auf dem bisherigen Niveau von knapp 90 Mrd. EUR verbleiben sollten. Nur durch diese Notfallliquidität werde dafür gesorgt, dass die Griechen wenigstens 60 EUR pro Tag abheben könnten. Aber wie lange noch? Eine von Athen gewünschte Aufstockung sei bisher nicht genehmigt worden, aber das könne sich heute infolge der EZB-Sitzung ändern.
Und da sei zum anderen frisches Geld vom eigenen Staat, das 2014 quasi aus dem Nichts geschaffen worden sei. So hätten die griechischen Banken, aber auch Institute in Italien, Spanien und Portugal, im vergangenen Jahr per Gesetz Eigenkapital von insgesamt 50 Mrd. EUR erhalten. Ohne das hätten die Institute den damaligen Stresstest der EZB nicht schadlos überstanden. Seitdem hätten die Banken aktive latente Steuern oder Verlustvorträge in ihren Bilanzen stehen, die mehr als 50% des harten Eigenkapitals der Piräus Bank und der Eurobank in Athen ausmachen würden. Bei der Alpha Bank sei es ca. ein Drittel und bei der National Bank of Greece seien es 41%.
In Griechenland bürge indessen die Europäische Union über den griechischen Bankenrettungsfonds bereits mit ca. 50 Mrd. EUR für das Bankensystem. In der jüngsten Vereinbarung der Gläubiger mit Griechenland seien nun bis zu 25 Mrd. EUR für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen. Ob das reichen werde, sei fraglich. Denn wie aus einer Analyse der Royal Bank of Scotland (RBS) hervorgehe, würden die faulen Kredite ein Vielfaches des um die Steuerforderungen bereinigten Eigenkapitals ausmachen. Bei der National Bank of Greece und der Alpha Bank sei es jeweils das Vierfache, bei der Eurobank fast das Siebenfache und bei der Piräus Bank mehr als das Achtfache.
Vor diesem Hintergrund stünden die griechischen Banken möglicherweise vor der Abwicklung, wie die "Financial Times" erfahren haben wolle. Demnach könnte es zu einem "Haircut" bei den Bankkunden kommen, wonach von allen Einlagen über 8.000 EUR 30% einbehalten würden. Ein Anleger mit 50.000 EUR würde also 12.600 EUR verlieren. Weil viele Griechen geahnt hätten, dass sie einen Teil der Zeche würden zahlen sollen, hätten sie ein Gros ihres Geldes bereits abgehoben - von den Reichen, die ihr Kapital in die Schweiz gebracht hätten, ganz zu schweigen. Als nun zu Beginn der vergangenen Woche die Banken geschlossen worden seien, hätten noch 124 Mrd. EUR Sparguthaben auf den Konten gelegen, die nun gefährdet seien. Zwar garantiere die griechische Einlagensicherung Guthaben von bis zu 100.000 EUR, doch im Einlagensicherungsfonds stünden aktuell nur 3 Mrd. EUR zur Verfügung.
Es sei eine alte Idee in neuer Verpackung. Der Gedanke, das griechische Staatsvermögen in Höhe von rund 50 Mrd. EUR zu versilbern, sei nicht neu. Bereits im ersten Rettungsprogramm von 2010 sei vereinbart worden, Privatisierungen auf den Weg zu bringen. Daraus sei nicht viel geworden. Nun solle ein Privatisierungsfonds eingerichtet werden, der von griechischen Behörden verwaltet und von der Geldgeber-Troika beaufsichtigt werde.
Wenn in Zukunft Privatisierungserlöse erzielt würden, sollten damit die Kapitalhilfen in Höhe von 25 Mrd. EUR für die griechischen Banken zurückgezahlt, 12,5 Mrd. EUR sollten für Investitionen und der Rest zur Schuldenreduzierung verwendet werden.
Einigkeit herrsche anscheinend zumindest darüber, wie die zu erzielenden Mittel verteilt werden sollten. Positiv sei auch zu sehen, dass die Verteilung nicht alleine vom Wohlwollen Athens abhängen werde - auch wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Fonds gerne einem externen Treuhänder unterstellt hätte.
Ob nun Athen seine bisherige, zögerliche Haltung bei der Privatisierung tatsächlich aufgeben werde und ob der Staat wirklich im Besitz solcher Vermögenswerte sei, müsse die Zukunft zeigen. An oberster Stelle auf der Verkaufsliste stünden unter anderem die Regionalflughäfen sowie die Seehäfen von Piräus und Thessaloniki.
Die Regierung in London wolle sich nicht an finanziellen Hilfsmaßnahmen für Griechenland beteiligen. Die Kollegen in der Eurozone hätten die Botschaft laut und deutlich erhalten, dass es nicht akzeptabel sei, dass britische Unterstützung für Rettungsmaßnahmen in der Eurozone wiederbelebt werde, habe es dazu aus dem Londoner Finanzministerium geheißen. Damit torpediere Großbritannien die Pläne von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der den alten Rettungsschirm EFSM wiederbeleben möchte. Demnach würde der EU-Haushalt, und damit auch Geld des Nettozahlers Großbritannien, als Sicherheit dienen, sollte Griechenland seine Kredite nicht zurückzahlen. Das damit verbundene Risiko werde von London als hoch eingeschätzt und somit wehre bman sich mit Händen und Füßen gegen eine solche Vorgehensweise.
Dass solche Pläne "Resteuropas" den EU-Kritikern in Großbritannien neue Munition für das Vorhaben "Brexit" liefern würden, scheine in Brüssel noch nicht jedem Politiker klar zu sein. Auch scheine die Suche nach einer Lösung so dringlich zu sein, dass einfach die Zeit fehle, um den Spruch: "Vor dem Reden zuerst Hirn einschalten" zu beherzigen.
Vorübergehend scheine es, als könnten sich die Notenbanker ihrem eigentlichen Betätigungsfeld zuwenden. Dies könnte allerdings in verschiedenen Staaten nur für kurze Zeit so sein. Denn wie im Theater sei in der Hellas-Tragödie noch nicht der letzte Vorhang gefallen, sondern lediglich zum Umbau des Bühnenbildes eine kurze Pause anberaumt worden. Schon am heutigen Donnerstag werde das Thema wieder in aller Munde sein.
So werde sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause intensiv mit den jüngsten Entwicklungen rund um Griechenland beschäftigen. Dabei werde es sicherlich insbesondere um die Zukunft der griechischen Banken gehen, die ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung den normalen Geschäftsbetrieb nicht wieder aufnehmen könnten. Aber auch die anderen Bestandteile der "normalen" Geldpolitik wie die Konjunktur- und Inflationsaussichten in der Eurozone sollten wieder verstärkt in den Fokus der Notenbanker rücken.
Doch auch in anderen Notenbanken standen bzw. stehen Entscheidungen an, die enorm wichtig für die Finanzmärkte sind, so die Analysten der Baader Bank. So habe die Bank of Japan (BoJ) ein Festhalten an der bisherigen Geldpolitik beschlossen und auch die Bank of England (BoE) werde vorerst keine Änderung der Leitzinsen beschließen. Doch dies werde nicht für immer und ewig so bleiben. So habe der Notenbankchef Mark Carney vor dem britischen Parlament in London angedeutet, dass der Punkt, an dem die Zinsen steigen könnten, angesichts der Wirtschaftsentwicklung näher rücke. Dabei würde es sich um die erste Zinsanhebung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise handeln. Diese Aussage sei für viele Analysten und Marktteilnehmer überraschend gekommen, denn angesichts der geopolitischen Krisen, der robusten Binnenkonjunktur, der nur langsam anziehenden Löhne und Gehälter und nicht zuletzt wegen der infolge des Basiseffekts schwachen Inflation, sei man bisher von einer Leitzinserhöhung nicht vor dem 1. Quartal 2016 ausgegangen.
Dass Notenbanken sich infolge schwacher Konjunkturdaten mit Zinssenkungen auch noch beschäftigen müssten, werde am Beispiel der Bank of Canada (BoC) deutlich. Dort habe man sich gezwungen gewesen, den Leitzins von 0,75% auf 0,50% zu reduzieren.
Beherrschendes Thema der kommenden Wochen werde aber insbesondere die Entwicklung der US-Geldpolitik sein. Die Konjunkturdaten würden zwar weiterhin keine eindeutige Diagnose über den Gesundheitszustand der US-Wirtschaft zulassen, aber eine mögliche Zinsanhebung durch die US-amerikanische Notenbank (FED) werde dennoch immer mehr in den Fokus der Börsianer rücken. Die Äußerungen der FED-Chefin würden einen solchen Schritt von Rede zu Rede immer wahrscheinlicher werden lassen. Im Vorfeld der im kommenden Jahr anstehenden Wahl des US-Präsidenten wäre ein solcher Zinsschritt eine Bestätigung der Wirtschaftspolitik, was den Demokraten in die Karten spielen würde. Wenn sich in den nächsten Monaten auch noch in puncto Griechenland eine positive Entwicklung einstelle, dann sei eine Zinserhöhung nicht mehr zu verhindern.
Investoren würden sich vermehrt die Frage stellen, ob die Zurückhaltung am Primärmarkt mit dem Marktumfeld zusammenhänge oder bereits die Vorboten der Sommerflaute seien. Vieles spreche für eine Wiederbelebung der Aktivitäten noch vor der Sommerpause. Die Unternehmen seien von dem kräftigen Zinsanstieg überrascht worden und würden immer noch auf eine Rückkehr der für sie günstigen Finanzierung hoffen. Sollte dieser Wunsch jedoch nicht in Erfüllung gehen, so müssten die Finanzchefs in den sauren Apfel beißen und die höheren Konditionen akzeptieren.
Dem aktuellen Marktumfeld zum Trotz, in dem Zurückhaltung am Primärmarkt dominiere, habe sich dennoch ein Unternehmen mit seiner Refinanzierung an den Kapitalmarkt gewagt: Aeorport de Paris habe sich zu diesem Schritt entschlossen. So habe der französische Hauptstadtflughafen gegen den Wind durchgestartet und sich für acht Jahre (24.07.2023) mittels einer 500 Mio. EUR schweren Anleihe (ISIN FR0012861821 / WKN nicht bekannt), ausgestattet mit einem festen Kupon von 1,5% pro Jahr refinanziert. Gepreist worden sei der Bond mit 99,821%, was einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap entsprochen habe. Die Stückelung von nominal 100.000 EUR lasse ein Investment allerdings eher für institutionelle Anleger interessant erscheinen.
Neun Jahre habe es gedauert und etwa fünf Milliarden Kilometer hätten zurückgelegt werden müssen, bis erstmals ein irdischer Flugkörper den Zwergplaneten Pluto besucht habe. Die NASA bejubele diesen Erfolg als "großen Schritt für die Menschheit" und werde an den zur Erde geschickten Bildern auch noch Jahre danach Freude haben.
Soweit möchten die Analysten bei der vermeintlichen Einigung um das schuldengeplagte Griechenland mit seinen Geldgebern nicht gehen, aber auch dieses Ereignis werde sich womöglich in den Geschichtsbüchern wieder finden. Nicht nur bei der NASA sei gejubelt worden, auch am Rentenmarkt sei die Erleichterung für kurze Zeit deutlich spürbar gewesen. Das Drama um Hellas scheine vorerst gebannt, der überwiegende Optimismus der Marktteilnehmer spiegele sich gleichermaßen im Kursverlauf des Euro-Bund-Futures wider. Demzufolge sei das Sorgenbarometer - mit weniger Sorgen - in die neue Handelswoche gestartet und sei bis auf 149,49% zurückgefallen, was dem tiefsten Stand seit dem 12. Juni 2015 entspreche.
Doch die Euphorie in puncto Athen habe nicht lange gewährt, Zweifel und Bedenken an der Umsetzbarkeit der getroffenen Vereinbarung hätten sich breit gemacht und so sei das Zinsbarometer im weiteren Handelsverlauf in der Spitze bis auf 152,69% gestiegen. Ein Schritt in die richtige Richtung sei wohl gemacht, doch es gelte noch einige Hürden zu überwinden. Und die gestrige Abstimmung des Parlaments in Athen sei erst der Anfang gewesen. Nach diesem wichtigen ersten Schritt starte das Rentenbarometer heute Morgen bei 152,45% und viele Rentenhändler würden sich die Frage stellen, was noch alles in diesem Trojanischen Pferd à la Brüssel drinstecke.
Charttechnisch verlaufe eine erste nennenswerte Unterstützung des Rentenbarometers bei der psychologisch wichtigen Marke von 150% und nach oben habe sich ein erster Widerstand bei 152,29% (mehrere Tiefs im Juli) aufgebaut, der im gestrigen Abendhandel bereits überwunden und sogleich zur Unterstützung umfunktioniert worden sei. Eine Verschärfung der Hellas-Krise würde den Blick wieder auf die nächste Widerstandslinie bei 154,70% (mehrere Hochs und Tiefs im Mai) eröffnen.
In dieser Handelswoche hätten sich die Euroländer verstärkt am Kapitalmarkt präsent gezeigt. Insgesamt seien für ca. 28 Mrd. EUR Altemissionen aufgestockt bzw. Neuemissionen aufgelegt worden. Den Anfang hätten zum Wochenstart Italien und Belgien (ISIN BE0000327362 / WKN A1G3BU / 2019; ISIN BE0000334434 / WKN A1ZUS1 / 2025; ISIN BE0000320292 / WKN A1AWF4 / 2041) gemacht. Die Niederlande seien diesem Beispiel bereits am Folgetag in der ISIN NL0011220108 / WKN A1ZY9A / 2025 gefolgt und den Schlusspunkt würden am heutigen Donnerstag Spanien (ISIN ES00000127D6 / WKN A1Z161 / 2018; ISIN ES00000127G9 / WKN A1Z2RV / 2025; ISIN ES00000127A2 / WKN A1ZXQ6 / 2030; ISIN ES00000121S7 / WKN A1AM06 / 2041) und Frankreich (ISIN FR0012634558 / WKN A1VJZD / 2018; ISIN FR0012557957 / WKN A1ZW41 / 2020; ISIN FR0010192997 / WKN A0D2UV / 2021) setzen. Insgesamt hätten diesen Refinanzierungsmaßnahmen Rückzahlungen von ca. 72 Mrd. EUR und Kuponzahlungen von ca. 7 Mrd. EUR entgegengestanden.
Zur Wochenmitte habe die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue zehnjährige Anleihe begeben. Ausgestattet sei diese Benchmark-Anleihe mit einem Kupon von 1%, was gegenüber der vergleichbaren Emission im Februar dieses Jahres eine Verdoppelung des Nominalzinses bedeutet habe. Die Nachfrage seitens der Investoren habe sich dennoch in Grenzen gehalten, so dass die Anleihe technisch unterzeichnet worden sei. Dem Emissionsvolumen von 5 Mrd. EUR hätten lediglich Orders für insgesamt 4,499 Mrd. EUR entgegengestanden. Die Zuteilung sei mit einer Durchschnittsrendite von 0,88% erfolgt und zur Marktpflege seien 913,5 Mio. EUR zurückbehalten worden.
In den USA seien in dieser Woche "lediglich" 45 Mrd. USD als 4-Wochen- sowie jeweils 24 Mrd. USD in Form von 3- bzw. 6-Monats-T-Bills refinanziert worden.
Der gestrige Mittwoch sei von Amazon als "Prime Day" ausgerufen worden. Der Online-Versandhändler habe mit Tausenden von Sonderangeboten, bei Rabatten von bis zu 50% geworben. Jedoch könnten nur diejenigen Kunden auf Schnäppchenjagd gehen, die Mitglied beim Premium Programm "Amazon Prime" seien.
Ähnlich verhalte es sich auch mit Griechenland und seinen Gläubigern. Nach der augenscheinlichen Einigung am Wochenende scheine es so, dass nun auch Alexis Tsipras das System verstanden habe. Wer die Vorteile der Eurozone nutzen möchte, müsse auch einen gewissen eigenen Beitrag leisten, also Reformen verabschieden. Die Hoffnung auf diese Einsicht habe die Gemeinschaftswährung noch vor dem Wochenende von 1,0989 auf 1,1215 USD getrieben. Doch die Erleichterung habe nur kurz gewährt. Schon am Montag sei der Euro den Rückzug angetreten. Die Gründe hierfür seien u.a. die wieder in den Mittelpunkt der Überlegungen gerückte Zinserhöhung in den USA und die weiterhin schwierige Lösung der griechischen Finanzmisere gewesen. Beides sei gestern im Laufe des Tages bestätigt worden und so notiere der Euro gegenüber dem Greenback aktuell um die Marke von 1,0940 USD.
Trotz der ersten Einigung am Wochenende sähen einige Privatanleger die Rettung Griechenlands auf wackeligen Beinen. Daher seien verstärkt Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, Südafrikanische Rand und Norwegische Kronen nachgefragt worden.
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Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader und Dieter Brichmann. (17.07.2015/alc/a/a)
Aber davon könne definitiv nicht die Rede sein. Denn noch längst sei nicht alles in trockenen Tüchern. Bei den Menschen und in den Parlamenten sei noch genügend Überzeugungsarbeit zu leisten, weil die getroffenen Vereinbarungen nur die Grundlage für weitere Gespräche bilden würden. Man dürfe also gespannt sein, was zum Jahresende noch von den guten Vorsätzen, die man jetzt gefasst habe, übrig geblieben sei. Doch nach den härtesten Verhandlungen, die bisher in Brüssel zu führen gewesen seien, werde weiterhin über die Verhandlungsstrategie und Unnachgiebigkeit Deutschlands diskutiert.
Hierbei rücke insbesondere unser Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in den Mittelpunkt der Berichterstattung, der sich teilweise regelrechten Hasstiraden ausgesetzt sehe. Doch all' seine Kritiker verkennen, dass seine Unnachgiebigkeit auch das Ergebnis der bisherigen Reformverweigerung aller griechischen Regierungen der vergangenen Jahre darstellt, so die Analysten der Baader Bank. Die Verlässlichkeit sei das Problem gewesen, und somit hätten rote Linien eingezogen werden müssen, um das gesamte europäische Gebäude nicht zum Einsturz zu bringen. Eine sinnvolle Bewertung politischer Maßnahmen könne stets nur rückblickend erfolgen und so werde auch erst in vielen Jahren ersichtlich sein, ob Europa durch diese strengen Vorschriften gerettet oder geschwächt worden sei. Fakt sei aber auch, dass man durch die Verweigerung eines Schuldenschnitts und durch die Forderung nach unumkehrbaren Parlamentsbeschlüssen, das verloren gegangene Vertrauen regelrecht erzwingen möchte.
Denn Europa und insbesondere Euroland seien bereits nachhaltig beschädigt worden. Nun habe es gegolten, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und dazu habe eine Kombination aus Schuldentragfähigkeit sowie Investitionsbereitschaft gefunden werden müssen. Nur auf diese Weise werde es gelingen, für die nachfolgenden Generationen ein gemeinsames Europa zu schaffen. Vielleicht werde man in einigen Jahren die Geschichtsbücher neu schreiben müssen, weil man dann erkannt habe, dass Wolfgang Schäuble zum Wohle Europas gehandelt habe und sich nicht in einem Europa ohne Grenzen den modernen Raubrittern geschlagen gegeben habe. Auch wäre man früher oder später mit ähnlichen Forderungen aus anderen Staaten konfrontiert worden, was zu Ungerechtigkeiten innerhalb der Eurozone geführt hätte.
Andere Politiker wie beispielsweise aus Italien und Frankreich haben diesen Weitblick vermissen lassen und scheinen das griechische Sprichwort: "Arbeite, damit du lebst, stehle, damit du besitzt" anders zu bewerten, als der deutsche Michel, so die Analysten der Baader Bank.
Innerhalb von drei Jahren sollten weitere 82 bis 86 Mrd. EUR nach Athen fließen. Ob der gefundene Kompromiss wirklich tragfähig sei, werde sich aber erst noch zeigen müssen. Groß seien die Bedenken, dass das Geld nicht reichen werde, Griechenland dauerhaft zu retten. Schließlich werde Hellas dadurch auch nicht wettbewerbsfähiger. Klar, das Land bekomme mehr Geld als zunächst beantragt. Im Gegenzug hätten sich die anderen Eurostaaten mit einer Reihe von harten Einschnitten durchgesetzt, welche die Regierung von Alexis Tsipras nun mithilfe der Opposition umsetzen müsse.
Aber auch einige Europartner müssten ihre Parlamente befragen - nicht nur die Slowakei, Finnland und Estland, sondern auch die deutsche Regierung. Und Spanien beabsichtige es sogar freiwillig zu tun. Zwar gelte die Zustimmung in Berlin als gewiss. Dennoch rumore es vor allem in den Reihen der Union, wo es so manche Abweichler geben dürfte.
Immerhin sei es nicht ausgeschlossen, dass aus dem geplanten dritten Hilfsprogramm für Griechenland deutlich weniger Mittel des Euro-Krisenfonds ESM notwendig seien als die genannten 82 bis 86 Mrd. EUR. Je nachdem, wie sich die Wirtschaftslage in Hellas in den kommenden Jahren entwickle, brauche Griechenland vielleicht nur rund die Hälfte der jetzt angedachten ESM-Mittel, sei aus Brüssel zu hören.
Wie dem auch sei, man habe in den vergangenen Tagen auch schon mal wieder den Satz gehört, man habe sich für Griechenland wertvolle Zeit erkauft - ein Argument, das bereits 2010 in Brüssel benutzt worden sei. In Griechenland, so müsse man freilich konstatieren, sei im Gegensatz zu Irland, Spanien oder Portugal diese Zeit nicht genutzt worden. Klar sei, Athen müsse nun endlich liefern. Denn die Zeit, die man jetzt gekauft habe, sei nochmals deutlich teurer als die vor fünf Jahren.
Gleich in doppelter Hinsicht würden die Europäische Zentralbank (EZB) und der griechische Staat die griechischen Kreditinstitute am Leben halten. Da sei zum einen die akute Hilfe durch die ELA-Notkredite ("Emergency Liquidity Assistance"), die vorerst auf dem bisherigen Niveau von knapp 90 Mrd. EUR verbleiben sollten. Nur durch diese Notfallliquidität werde dafür gesorgt, dass die Griechen wenigstens 60 EUR pro Tag abheben könnten. Aber wie lange noch? Eine von Athen gewünschte Aufstockung sei bisher nicht genehmigt worden, aber das könne sich heute infolge der EZB-Sitzung ändern.
Und da sei zum anderen frisches Geld vom eigenen Staat, das 2014 quasi aus dem Nichts geschaffen worden sei. So hätten die griechischen Banken, aber auch Institute in Italien, Spanien und Portugal, im vergangenen Jahr per Gesetz Eigenkapital von insgesamt 50 Mrd. EUR erhalten. Ohne das hätten die Institute den damaligen Stresstest der EZB nicht schadlos überstanden. Seitdem hätten die Banken aktive latente Steuern oder Verlustvorträge in ihren Bilanzen stehen, die mehr als 50% des harten Eigenkapitals der Piräus Bank und der Eurobank in Athen ausmachen würden. Bei der Alpha Bank sei es ca. ein Drittel und bei der National Bank of Greece seien es 41%.
In Griechenland bürge indessen die Europäische Union über den griechischen Bankenrettungsfonds bereits mit ca. 50 Mrd. EUR für das Bankensystem. In der jüngsten Vereinbarung der Gläubiger mit Griechenland seien nun bis zu 25 Mrd. EUR für die Rekapitalisierung der Banken vorgesehen. Ob das reichen werde, sei fraglich. Denn wie aus einer Analyse der Royal Bank of Scotland (RBS) hervorgehe, würden die faulen Kredite ein Vielfaches des um die Steuerforderungen bereinigten Eigenkapitals ausmachen. Bei der National Bank of Greece und der Alpha Bank sei es jeweils das Vierfache, bei der Eurobank fast das Siebenfache und bei der Piräus Bank mehr als das Achtfache.
Vor diesem Hintergrund stünden die griechischen Banken möglicherweise vor der Abwicklung, wie die "Financial Times" erfahren haben wolle. Demnach könnte es zu einem "Haircut" bei den Bankkunden kommen, wonach von allen Einlagen über 8.000 EUR 30% einbehalten würden. Ein Anleger mit 50.000 EUR würde also 12.600 EUR verlieren. Weil viele Griechen geahnt hätten, dass sie einen Teil der Zeche würden zahlen sollen, hätten sie ein Gros ihres Geldes bereits abgehoben - von den Reichen, die ihr Kapital in die Schweiz gebracht hätten, ganz zu schweigen. Als nun zu Beginn der vergangenen Woche die Banken geschlossen worden seien, hätten noch 124 Mrd. EUR Sparguthaben auf den Konten gelegen, die nun gefährdet seien. Zwar garantiere die griechische Einlagensicherung Guthaben von bis zu 100.000 EUR, doch im Einlagensicherungsfonds stünden aktuell nur 3 Mrd. EUR zur Verfügung.
Es sei eine alte Idee in neuer Verpackung. Der Gedanke, das griechische Staatsvermögen in Höhe von rund 50 Mrd. EUR zu versilbern, sei nicht neu. Bereits im ersten Rettungsprogramm von 2010 sei vereinbart worden, Privatisierungen auf den Weg zu bringen. Daraus sei nicht viel geworden. Nun solle ein Privatisierungsfonds eingerichtet werden, der von griechischen Behörden verwaltet und von der Geldgeber-Troika beaufsichtigt werde.
Wenn in Zukunft Privatisierungserlöse erzielt würden, sollten damit die Kapitalhilfen in Höhe von 25 Mrd. EUR für die griechischen Banken zurückgezahlt, 12,5 Mrd. EUR sollten für Investitionen und der Rest zur Schuldenreduzierung verwendet werden.
Einigkeit herrsche anscheinend zumindest darüber, wie die zu erzielenden Mittel verteilt werden sollten. Positiv sei auch zu sehen, dass die Verteilung nicht alleine vom Wohlwollen Athens abhängen werde - auch wenn Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Fonds gerne einem externen Treuhänder unterstellt hätte.
Ob nun Athen seine bisherige, zögerliche Haltung bei der Privatisierung tatsächlich aufgeben werde und ob der Staat wirklich im Besitz solcher Vermögenswerte sei, müsse die Zukunft zeigen. An oberster Stelle auf der Verkaufsliste stünden unter anderem die Regionalflughäfen sowie die Seehäfen von Piräus und Thessaloniki.
Die Regierung in London wolle sich nicht an finanziellen Hilfsmaßnahmen für Griechenland beteiligen. Die Kollegen in der Eurozone hätten die Botschaft laut und deutlich erhalten, dass es nicht akzeptabel sei, dass britische Unterstützung für Rettungsmaßnahmen in der Eurozone wiederbelebt werde, habe es dazu aus dem Londoner Finanzministerium geheißen. Damit torpediere Großbritannien die Pläne von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der den alten Rettungsschirm EFSM wiederbeleben möchte. Demnach würde der EU-Haushalt, und damit auch Geld des Nettozahlers Großbritannien, als Sicherheit dienen, sollte Griechenland seine Kredite nicht zurückzahlen. Das damit verbundene Risiko werde von London als hoch eingeschätzt und somit wehre bman sich mit Händen und Füßen gegen eine solche Vorgehensweise.
Dass solche Pläne "Resteuropas" den EU-Kritikern in Großbritannien neue Munition für das Vorhaben "Brexit" liefern würden, scheine in Brüssel noch nicht jedem Politiker klar zu sein. Auch scheine die Suche nach einer Lösung so dringlich zu sein, dass einfach die Zeit fehle, um den Spruch: "Vor dem Reden zuerst Hirn einschalten" zu beherzigen.
Vorübergehend scheine es, als könnten sich die Notenbanker ihrem eigentlichen Betätigungsfeld zuwenden. Dies könnte allerdings in verschiedenen Staaten nur für kurze Zeit so sein. Denn wie im Theater sei in der Hellas-Tragödie noch nicht der letzte Vorhang gefallen, sondern lediglich zum Umbau des Bühnenbildes eine kurze Pause anberaumt worden. Schon am heutigen Donnerstag werde das Thema wieder in aller Munde sein.
So werde sich der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause intensiv mit den jüngsten Entwicklungen rund um Griechenland beschäftigen. Dabei werde es sicherlich insbesondere um die Zukunft der griechischen Banken gehen, die ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung den normalen Geschäftsbetrieb nicht wieder aufnehmen könnten. Aber auch die anderen Bestandteile der "normalen" Geldpolitik wie die Konjunktur- und Inflationsaussichten in der Eurozone sollten wieder verstärkt in den Fokus der Notenbanker rücken.
Doch auch in anderen Notenbanken standen bzw. stehen Entscheidungen an, die enorm wichtig für die Finanzmärkte sind, so die Analysten der Baader Bank. So habe die Bank of Japan (BoJ) ein Festhalten an der bisherigen Geldpolitik beschlossen und auch die Bank of England (BoE) werde vorerst keine Änderung der Leitzinsen beschließen. Doch dies werde nicht für immer und ewig so bleiben. So habe der Notenbankchef Mark Carney vor dem britischen Parlament in London angedeutet, dass der Punkt, an dem die Zinsen steigen könnten, angesichts der Wirtschaftsentwicklung näher rücke. Dabei würde es sich um die erste Zinsanhebung nach der Finanz- und Wirtschaftskrise handeln. Diese Aussage sei für viele Analysten und Marktteilnehmer überraschend gekommen, denn angesichts der geopolitischen Krisen, der robusten Binnenkonjunktur, der nur langsam anziehenden Löhne und Gehälter und nicht zuletzt wegen der infolge des Basiseffekts schwachen Inflation, sei man bisher von einer Leitzinserhöhung nicht vor dem 1. Quartal 2016 ausgegangen.
Dass Notenbanken sich infolge schwacher Konjunkturdaten mit Zinssenkungen auch noch beschäftigen müssten, werde am Beispiel der Bank of Canada (BoC) deutlich. Dort habe man sich gezwungen gewesen, den Leitzins von 0,75% auf 0,50% zu reduzieren.
Investoren würden sich vermehrt die Frage stellen, ob die Zurückhaltung am Primärmarkt mit dem Marktumfeld zusammenhänge oder bereits die Vorboten der Sommerflaute seien. Vieles spreche für eine Wiederbelebung der Aktivitäten noch vor der Sommerpause. Die Unternehmen seien von dem kräftigen Zinsanstieg überrascht worden und würden immer noch auf eine Rückkehr der für sie günstigen Finanzierung hoffen. Sollte dieser Wunsch jedoch nicht in Erfüllung gehen, so müssten die Finanzchefs in den sauren Apfel beißen und die höheren Konditionen akzeptieren.
Dem aktuellen Marktumfeld zum Trotz, in dem Zurückhaltung am Primärmarkt dominiere, habe sich dennoch ein Unternehmen mit seiner Refinanzierung an den Kapitalmarkt gewagt: Aeorport de Paris habe sich zu diesem Schritt entschlossen. So habe der französische Hauptstadtflughafen gegen den Wind durchgestartet und sich für acht Jahre (24.07.2023) mittels einer 500 Mio. EUR schweren Anleihe (ISIN FR0012861821 / WKN nicht bekannt), ausgestattet mit einem festen Kupon von 1,5% pro Jahr refinanziert. Gepreist worden sei der Bond mit 99,821%, was einem Emissionsspread von +60 bps über Mid Swap entsprochen habe. Die Stückelung von nominal 100.000 EUR lasse ein Investment allerdings eher für institutionelle Anleger interessant erscheinen.
Neun Jahre habe es gedauert und etwa fünf Milliarden Kilometer hätten zurückgelegt werden müssen, bis erstmals ein irdischer Flugkörper den Zwergplaneten Pluto besucht habe. Die NASA bejubele diesen Erfolg als "großen Schritt für die Menschheit" und werde an den zur Erde geschickten Bildern auch noch Jahre danach Freude haben.
Soweit möchten die Analysten bei der vermeintlichen Einigung um das schuldengeplagte Griechenland mit seinen Geldgebern nicht gehen, aber auch dieses Ereignis werde sich womöglich in den Geschichtsbüchern wieder finden. Nicht nur bei der NASA sei gejubelt worden, auch am Rentenmarkt sei die Erleichterung für kurze Zeit deutlich spürbar gewesen. Das Drama um Hellas scheine vorerst gebannt, der überwiegende Optimismus der Marktteilnehmer spiegele sich gleichermaßen im Kursverlauf des Euro-Bund-Futures wider. Demzufolge sei das Sorgenbarometer - mit weniger Sorgen - in die neue Handelswoche gestartet und sei bis auf 149,49% zurückgefallen, was dem tiefsten Stand seit dem 12. Juni 2015 entspreche.
Doch die Euphorie in puncto Athen habe nicht lange gewährt, Zweifel und Bedenken an der Umsetzbarkeit der getroffenen Vereinbarung hätten sich breit gemacht und so sei das Zinsbarometer im weiteren Handelsverlauf in der Spitze bis auf 152,69% gestiegen. Ein Schritt in die richtige Richtung sei wohl gemacht, doch es gelte noch einige Hürden zu überwinden. Und die gestrige Abstimmung des Parlaments in Athen sei erst der Anfang gewesen. Nach diesem wichtigen ersten Schritt starte das Rentenbarometer heute Morgen bei 152,45% und viele Rentenhändler würden sich die Frage stellen, was noch alles in diesem Trojanischen Pferd à la Brüssel drinstecke.
Charttechnisch verlaufe eine erste nennenswerte Unterstützung des Rentenbarometers bei der psychologisch wichtigen Marke von 150% und nach oben habe sich ein erster Widerstand bei 152,29% (mehrere Tiefs im Juli) aufgebaut, der im gestrigen Abendhandel bereits überwunden und sogleich zur Unterstützung umfunktioniert worden sei. Eine Verschärfung der Hellas-Krise würde den Blick wieder auf die nächste Widerstandslinie bei 154,70% (mehrere Hochs und Tiefs im Mai) eröffnen.
In dieser Handelswoche hätten sich die Euroländer verstärkt am Kapitalmarkt präsent gezeigt. Insgesamt seien für ca. 28 Mrd. EUR Altemissionen aufgestockt bzw. Neuemissionen aufgelegt worden. Den Anfang hätten zum Wochenstart Italien und Belgien (ISIN BE0000327362 / WKN A1G3BU / 2019; ISIN BE0000334434 / WKN A1ZUS1 / 2025; ISIN BE0000320292 / WKN A1AWF4 / 2041) gemacht. Die Niederlande seien diesem Beispiel bereits am Folgetag in der ISIN NL0011220108 / WKN A1ZY9A / 2025 gefolgt und den Schlusspunkt würden am heutigen Donnerstag Spanien (ISIN ES00000127D6 / WKN A1Z161 / 2018; ISIN ES00000127G9 / WKN A1Z2RV / 2025; ISIN ES00000127A2 / WKN A1ZXQ6 / 2030; ISIN ES00000121S7 / WKN A1AM06 / 2041) und Frankreich (ISIN FR0012634558 / WKN A1VJZD / 2018; ISIN FR0012557957 / WKN A1ZW41 / 2020; ISIN FR0010192997 / WKN A0D2UV / 2021) setzen. Insgesamt hätten diesen Refinanzierungsmaßnahmen Rückzahlungen von ca. 72 Mrd. EUR und Kuponzahlungen von ca. 7 Mrd. EUR entgegengestanden.
Zur Wochenmitte habe die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland eine neue zehnjährige Anleihe begeben. Ausgestattet sei diese Benchmark-Anleihe mit einem Kupon von 1%, was gegenüber der vergleichbaren Emission im Februar dieses Jahres eine Verdoppelung des Nominalzinses bedeutet habe. Die Nachfrage seitens der Investoren habe sich dennoch in Grenzen gehalten, so dass die Anleihe technisch unterzeichnet worden sei. Dem Emissionsvolumen von 5 Mrd. EUR hätten lediglich Orders für insgesamt 4,499 Mrd. EUR entgegengestanden. Die Zuteilung sei mit einer Durchschnittsrendite von 0,88% erfolgt und zur Marktpflege seien 913,5 Mio. EUR zurückbehalten worden.
In den USA seien in dieser Woche "lediglich" 45 Mrd. USD als 4-Wochen- sowie jeweils 24 Mrd. USD in Form von 3- bzw. 6-Monats-T-Bills refinanziert worden.
Der gestrige Mittwoch sei von Amazon als "Prime Day" ausgerufen worden. Der Online-Versandhändler habe mit Tausenden von Sonderangeboten, bei Rabatten von bis zu 50% geworben. Jedoch könnten nur diejenigen Kunden auf Schnäppchenjagd gehen, die Mitglied beim Premium Programm "Amazon Prime" seien.
Ähnlich verhalte es sich auch mit Griechenland und seinen Gläubigern. Nach der augenscheinlichen Einigung am Wochenende scheine es so, dass nun auch Alexis Tsipras das System verstanden habe. Wer die Vorteile der Eurozone nutzen möchte, müsse auch einen gewissen eigenen Beitrag leisten, also Reformen verabschieden. Die Hoffnung auf diese Einsicht habe die Gemeinschaftswährung noch vor dem Wochenende von 1,0989 auf 1,1215 USD getrieben. Doch die Erleichterung habe nur kurz gewährt. Schon am Montag sei der Euro den Rückzug angetreten. Die Gründe hierfür seien u.a. die wieder in den Mittelpunkt der Überlegungen gerückte Zinserhöhung in den USA und die weiterhin schwierige Lösung der griechischen Finanzmisere gewesen. Beides sei gestern im Laufe des Tages bestätigt worden und so notiere der Euro gegenüber dem Greenback aktuell um die Marke von 1,0940 USD.
Trotz der ersten Einigung am Wochenende sähen einige Privatanleger die Rettung Griechenlands auf wackeligen Beinen. Daher seien verstärkt Fremdwährungsanleihen auf US-Dollar, Südafrikanische Rand und Norwegische Kronen nachgefragt worden.
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