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Was bewegt die Märkte im Jahr 2019 - Einzelne Rentenmärkte werden wieder interessant


05.02.19 12:03
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Normalerweise folgen Anlagerenditen dem Konjunkturzyklus, das vergangene Jahr war jedoch eine bemerkenswerte Ausnahme, so Benjamin Melman, Chief Investment Officer Asset Allocation und Sovereign Debt bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Ähnlich hohe Kursverluste in so vielen Märkten habe man seit Jahrzehnten nicht gesehen. Tatsächlich sei 2018 kein Aktien- und kein Rentenmarkt verschont geblieben, nicht einmal die in US-Dollar notierte Unze Gold habe das Jahr mit Gewinnen abschließen können. Der Bitcoin habe fast 75 Prozent seines Wertes eingebüßt. Zwar habe sich die Konjunktur vor allem in China und Europa deutlicher abgekühlt als von den Märkten erwartet. Auch sei die politische Unsicherheit besonders groß gewesen: Wachsender Protektionismus in den USA, Brexit, die italienische Haushaltssaga, politische Unruhen in Frankreich und Entwicklungen im Nahen Osten. Doch auch all diese Faktoren zusammengenommen könnten die Verluste kaum erklären.

Einige Beobachter würden auf eine drohende Rezession verweisen, die sie an der allmählichen Inversion der US-Zinskurve ablesen würden. Wir können uns dieser Einschätzung jedoch nicht anschließen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Für die aktuelle Lage seien vor allem die Zentralbanken verantwortlich, die dem Markt deutlich weniger Liquidität zuführen würden. Rückblickend hätten Anleger diese Entwicklung klar unterschätzt. Die ultralockere Geldpolitik habe zu exzessiven Bewertungen beigetragen.

Die anschließende Kehrtwende der großen Zentralbanken habe schwere Konsequenzen gehabt. Die US-Notenbank (FED) habe ihre Bilanz verkürzt, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan hätten zumindest das Tempo ihrer Bilanzverlängerung gedrosselt. Dreimonatige US-Staatsanleihen würden inzwischen mit attraktiven 2,33 Prozent verzinst. Die Spielregeln hätten sich also geändert, die USA seien heute das einzige Industrieland, in dem Anleger eine angemessene Rendite auf risikofreie Vermögenswerte erhalten würden. All dies bedeute, dass den Zentralbanken in diesem Jahr eine entscheidende Rolle zukomme.

Die Zentralbanken hätten den größten Teil ihrer Liquiditätskürzungen bereits 2018 abgeschlossen, weitere Kürzungen in diesem Jahr sollten daher deutlich kleiner ausfallen. Außerdem erwarte man erneut steigende Zinsen in den USA. Da sich die FED jedoch neuerdings ihre Optionen offenhalte, seien steigende Renditen auf risikofreie Aktiva jetzt nicht mehr so sicher wie zuvor. Eine Lockerung der Finanzkonditionen sei unwahrscheinlich, massive negative Auswirkungen auf die Kursentwicklung wie im Jahr 2018 erwarte man jedoch genauso wenig. Der Konjunkturausblick sei noch immer positiv und das wirtschaftliche Umfeld sehe wieder etwas rosiger aus. Eine Rezession würden die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management daher ausschließen und sich nicht vom Markt zurückziehen. Insbesondere an ihren Aktienpositionen würden sie festhalten. Seit dem vierten Quartal 2018 tobe ein Sturm und es sei schwer vorherzusehen, wann sich die Lage wieder beruhige. Doch zweifellos könne sich der Markt nicht auf unbegrenzte Zeit von den Fundamentaldaten abkoppeln. Deshalb brauche man einfach Geduld.

Bei der Auswahl von Risikoaktiva würden die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management Aktien gegenüber Unternehmensanleihen bevorzugen.

Aktien seien die größten Gewinner des weiter anhaltenden Zyklus. Die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management würden verstärkt in Schwellenländer-Aktien und insbesondere in unterbewertete Papiere, aber auch in europäische und US-Werte investieren.

Der Rückgang der Zentralbankliquidität werde sich in diesem Jahr weniger bemerkbar machen. Da jedoch Schwellenländer- und Unternehmensanleihen besonders von den Wertpapierkäufen profitiert hätten, dürften die Kürzungen sie auch härter treffen.

Sollte es aufgrund externer Einflüsse unerwartet früh zu einer Rezession kommen, müssten sich die Experten stärker mit Liquiditätsrisiken für Portfolios befassen. Seit Einführung der neuen Bestimmungen für den Bankensektor hätten die Rentenmärkte noch keine Rezession erlebt und könnten daher anders reagieren als bei der letzten Rezession. Vor der Lehman-Pleite hätten Investmentbanken in Stressphasen mit ihren erheblichen Bilanzen für Liquidität sorgen können, heute sei das fast unmöglich. Asset Manager seien quasi an die Stelle der Banken getreten, würden sich aber, genau wie ihre Kunden, sehr viel zyklischer verhalten.

Historisch betrachtet könnten die risikobereinigten Renditen von Unternehmensanleihen in der Spätphase des Zyklus nicht mit Aktienrenditen mithalten.

US-Unternehmen seien traditionell hoch verschuldet, auch wenn die Verbindlichkeiten ihre Zahlungsfähigkeit nicht übersteigen würden. In der heutigen Situation könnten US-Unternehmensanleihen jedoch unter Druck geraten und andere Märkte anstecken.

Trotzdem seien Anleihen in einem Portfolio sinnvoll. Erstens würden sie, anders als im vergangenen Jahr, ein angemessenes Risiko-/Renditeprofil bieten. Zweitens sollten Fundamentaldaten keinen Einfluss auf ihre Kurse haben. Drittens erwarte man von Anleihen höhere Risikodiversifizierung als 2018. Die FED zeige sich in ihrer Zinspolitik inzwischen sehr viel pragmatischer, Duration werde daher mit ihrer antizyklischen Qualität wieder interessant. Im Fall eines wirtschaftlichen oder finanziellen Schocks würden die Märkte ihre Prognosen für die Leitzinsen der FED anpassen, Treasury-Zinsen würden dann fallen.

Wegen der aktuellen Realverzinsung seien inflationsgeschützte US-Anleihen inzwischen sehr interessant. Wir halten an unserem Exposure auf portugiesische und griechische Staatsanleihen fest, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Beide Märkte würden durch mehrere Faktoren gestützt, die diese Positionen rechtfertigen würden. In beiden Ländern normalisiere sich die Lage, die europäischen Hilfsprogramme seien ausgelaufen und die wirtschaftlichen Fundamentaldaten hätten sich deutlich verbessert. Die Zinsen auf Anleihen beider Staaten seien daher deutlich und nachhaltig gefallen.

Am Markt für Unternehmensanleihen hätten die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management keine wirklichen Favoriten, sondern würden nach Region auswählen. Europa sei für sie der wichtigste Markt, das Potenzial nachrangiger europäischer Finanzanleihen überzeuge sie und biete Kaufgelegenheiten. Nach einem schwachen Jahr 2018 seien die Bewertungen attraktiv, Rentabilität und Solvabilität der Emittenten hätten sich verbessert.

Unternehmensanleihen aus Schwellenländern würden sich ebenfalls durch attraktive Bewertungen sowie Diversifikationspotenzial auszeichnen und seien interessant für Anleger, die ein Exposure auf den (aus Sicht der Experten noch immer attraktiven) globalen Zyklus suchen würden. In diesen Staaten würden die Experten verstärkt in Unternehmen investieren, die sowohl in ihrem Heimatmarkt als auch international aktiv seien. Potenzial sähen die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management auch bei Schwellenländer-Staatsanleihen, allerdings komme es hier auf eine sorgfältige Emittentenauswahl an.

2018 hatten wir stärkere Schwankungen erwartet und das ganz Jahr über taktisch investiert, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. In diesem Jahr würden die Experten ähnliche Bedingungen erwarten und möchten Risiken verstärkt durch Optionen begrenzen, durch die sie gleichzeitig die Hedging-Kosten decken möchten. Außerdem würden sie ihre Liquiditätsreserven aktiv steuern, um so das Renditepotenzial exzessiver Volatilitätsausschläge abzuschöpfen. 2019 sei Flexibilität oberstes Gebot.

Die größten Risiken für den Ausblick der Experten von Edmond de Rothschild Asset Management:

- Politische Risiken

Die politische Lage habe sich global deutlich verschlechtert und berge die ernsthafte Gefahr der Unregierbarkeit. Für die Märkte sei dies negativ und könnte Volatilität verursachen. Natürlich seien bereits viele Risiken eingepreist, die Politik sei jedoch immer für Überraschungen gut. Deshalb sollte man wachsam bleiben. In Europa nehme der Populismus zu, soziale Unruhen hätten die Regierungen in Deutschland, Spanien und Frankreich geschwächt und die Regierungskoalition in Belgien zu Fall gebracht. Die populistische Regierung in Italien zeige sich dagegen genauso stark, wie ihre Politik schwammig sei.

Großbritannien könne sich derweil nicht auf die EU-Austrittsmodalitäten einigen, obwohl der Brexit-Termin rasant näher rücke. Für Anleger sei das Land mittlerweile völlig unberechenbar. Sicher sei hingegen, dass die erwartete Stärkung der europäischen Strukturen in den letzten sechs Monaten massiv beeinträchtigt worden sei. Deutschland und Frankreich seien geschwächt, und auch die Nachteile des europäischen Hybridmodells seien offengelegt worden. Die Europawahlen in diesem Jahr würden Aufschluss über das neue politische Umfeld geben und stünden daher unter genauer Beobachtung.

Die politische US-Krise werde dagegen durch nur einen Mann verkörpert. Immer wieder würden Kabinettsmitglieder oder Mitarbeiter des Weißen Hauses zurücktreten, enge Vertraute Trumps würden verurteilt, ein chaotischer Eindruck dränge sich auf. In Anbetracht der derzeitigen Lage könnte man dies jedoch für Ablenkungsmanöver halten. In der Innenpolitik sei es dabei trotz allem zu einer bedeutenden Entwicklung in Form eines Government Shutdown gekommen, also einer Regierungsschließung. Wie Bloomberg berichte, wolle Donald Trump außerdem Jerome Powell ablösen, nachdem der Chairman der FED für seine Politik massive Kritik habe einstecken müssen. Die Krise habe auch gravierende Folgen gehabt für die unsichere Weltlage in Form eines Handelsstreits mit China, drohenden Strafzöllen auf europäische Autoimporte, neuer Sanktionen gegen den Iran und eines US-Truppenabzugs aus Syrien.

- Öl als politisches Mittel

Öl verwandle sich zunehmend in eine politische Variable, insbesondere seit Trump versuche, den Ölpreis zu beeinflussen und so die Kaufkraft der US-Haushalte anzukurbeln. Dafür sei der US-Präsident in hohem Maße auf die Beziehungen zu Saudi-Arabien angewiesen, teilweise zudem auf Russland. Gleichzeitig würden neue Sanktionen gegen den Iran und der US-Truppenabzug aus Syrien die Lage im Nahen Osten noch komplizierter machen. Der Ölpreis dürfte sich auch weiterhin an diesem neuen Paradigma orientieren. Preisbewegungen würden voraussichtlich auch auf andere Märkte übergreifen.

- Mögliche Rückkehr der Inflation

Die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management würden eine Rückkehr der Inflation für relativ unwahrscheinlich halten. Ganz ausschließen könne man dieses Szenario jedoch nicht, zumal die Preise in der Spätphase des Zyklus in der Regel steigen würden. Preisspannungen wären sehr schädlich, denn dann würde Anleger ihre Leitzinsprognosen nach oben korrigieren - und das war bereits im vergangenen Jahr ein sensibles Thema.

Werde 2019 ein Wendejahr? Zu Jahresbeginn sehen wir zahlreiche Graubereiche, jedoch auch Potenzial für eine Erholung, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Im vierten Quartal 2018 seien die Märkte eingebrochen, die FED sei jetzt sehr viel vorsichtiger. Die Experten würden eine Rezession in den nächsten Monaten für ausgeschlossen halten, außerdem sei ein vernünftiges Ergebnis der Handelsgespräche zwischen den USA und China durchaus möglich, selbst wenn die Märkte ein solches eher nicht erwarten würden. Daher würden die Experten in ihren Portfolios ein normales Risiko-Exposure aufrechthalten. Aktien hätten dabei Vorrang vor Unternehmensanleihen.

Irgendwann, vielleicht noch in diesem Jahr, werden wir unsere Portfolios auf das Ende des Zyklus vorbereiten müssen, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management. Aber noch sei es nicht soweit. Bis dahin würden sich die Experten nicht vom Markt zurückziehen. In dieser Phase des Zyklus sei nichts ausgeschlossen. (05.02.2019/alc/a/a)