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Was die Kapitalmärkte aktuell bewegt


09.10.23 10:15
ODDO BHF

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Prof. Dr. Jan Viebig, Chief Investment Officer der ODDO BHF SE, kommentiert wöchentlich was die Märkte bewegt. In dieser Ausgabe erläutert er, welche Schlussfolgerungen ODDO BHF angesichts des schwächelnden Wachstums in Europa, der Sorgen um den Immobiliensektor in China und der Frage, ob aufgrund des Zinsniveaus eine schmerzfreie Desinflation in den USA noch möglich erscheint, für ihre Anlagepolitik zieht.

Aufgrund der veränderten Zins- und Renditelandschaft könnten Anleihen als Alternative zu Aktien wieder in Betracht gezogen werden. Wenn in den USA Staatsanleihen mit Renditen um 5 Prozent verfügbar seien, im Euroraum mit Renditen von 3 Prozent und mehr, sei für Aktien die Schwelle zur Attraktivität grundsätzlich höher als in einem Null- oder Negativzinsumfeld.

Für die Anlagepolitik der Experten würden sich aus diesen Überlegungen vier Schlussfolgerungen ergeben:

Die Risiken für den Anleger am Aktienmarkt hätten sich mit der Wachstumsschwäche in Europa, der Immobilienkrise in China und dem Anstieg der Renditen etwas erhöht. Das bekräftige die Experten zum einen in ihrer leichten Untergewichtung von Aktien. Zum anderen würden sie gerade bei europäischen Aktien defensivere Sektoren wie beispielsweise das Gesundheitswesen bevorzugen und hochzyklische Titel meiden.

Chancen für Aktien würden die Experten in bestimmten Segmenten sehen. Sie würden weiter auf Qualitätswerte setzen. Hierzu würden sie Werte aus dem Bereich Informationstechnologie zählen, sofern sie hohe Eigenkapitalrenditen aufweisen würden und moderat bewertet seien. Sie würden zudem auf defensive Konsumgüterhersteller mit starken Markennamen und stabilen freien Zahlungsströmen ("Free Cash-Flows") setzen. Werte aus der Pharmabranche, die zuletzt unter Druck gekommen seien, würden den Experten ebenfalls interessant erscheinen, sofern deren Kapitalrenditen hoch seien und ein klar definierter Wettbewerbsvorteil existiere.

In einem Umfeld steigender Zinsen würden die Experten stark verschuldete Unternehmen meiden. In Unternehmen aus den Branchen Immobilien und Versorger würden sie weiterhin . ihrem Qualitätsansatz folgend - nicht investieren, da diese Sektoren durchgängig zu niedrige Eigenkapitalrenditen aufweisen würden. Im Energiebereich seien die Experten hingegen investiert, würden die Positionen aber inzwischen reduzieren und antizyklisch Gewinne mitnehmen.

Das höhere Renditeniveau verbunden mit der Aussicht auf ein Ende der Leitzinsanhebungen lasse Anleihen wieder attraktiv erscheinen. Unternehmensanleihen guter Bonität (Investment Grade) böten nach Überzeugung der Experten ein günstiges Rendite-Profil bei moderatem Risiko. Gerade im Euro-Segment würden sich die Risikoaufschläge, gemessen am Renditeabstand zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen, deutlich oberhalb ihres langjährigen Durchschnitts bewegen.

Als interessante Ergänzung eines Depots würden die Experten derzeit kurzlaufende Hochzinsanleihen einschätzen. Auf Euro lautende Hochzinsanleihen ("Speculative Grade") böten für kürzere Laufzeiten momentan Renditen von 6 Prozent bis 8 Prozent (BB bis B Rating) bei entsprechendem Risiko. Allerdings sei in dieser Risikoklasse eine sorgfältige Selektion entscheidend. Kurze Laufzeiten würden aber helfen, die Kreditrisiken überschaubar zu halten, und den Effekt von Schwankungen der Rendite auf die Performance abfedern. (09.10.2023/alc/a/a)