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Warum Anleger in GCC-Anleihen investieren sollten


02.10.13 17:07
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Unternehmens- und Staatsanleihen aus Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrats (GCC) könnten sich aus verschiedenen Gründen als Instrumente für die Strategien von Anlegern zur Portfoliodiversifizierung eignen, so die Experten von Franklin Templeton.

Erstens würden GCC-Anleihen nur schwach mit maßgeblichen Aktien- und Anleihenindices korrelieren. Eine Analyse von Morningstar belege eine schwache bis moderate Korrelation mit Schwellenländeranleihen, globalen Aktien, Rohstoffen und Aktien aus dem Nahen Osten und Nordafrika (MENA).

Zweitens weise die Morningstar-Analyse darauf hin, dass Indices für GCC-Anleihen im Vergleich zu globalen Anleihen- und Schwellenländer-Anleihenindices solide Risiko-Ertrags-Profile aufweisen würden. Die Experten würden mit dieser Analyse konform gehen und glauben, dass eine Beimischung von GCC-Anleihen zu reinen MENA- oder Grenzmarkt-Aktienportfolios Volatilität mindern und mittelfristig im Vergleich höhere Erträge bringen könne.

Drittens würden die Volkswirtschaften der sechs GCC-Länder (Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kuwait, Bahrain, Saudi-Arabien und Oman) nach wie vor relativ hohes Wachstum verzeichnen und seien finanziell solide aufgestellt. Zum GCC gehöre mit Katar das auf Pro-Kopf-Basis reichste Land der Welt, aber auch der weltweit größte Ölproduzent, Saudi-Arabien. Der GCC produziere nach Angaben des BP Statistical Review of World Energy insgesamt 20% des globalen Öls und verfüge über 30% der nachgewiesenen Ölvorkommen.

Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge habe die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die fünf Jahre zum 31. Dezember 2012 bei Gegenüberstellung der BIP-Wachstumsraten von Ende 2013 mit den Werten von Ende 2007 in Katar 13,28%, in Oman 6,43% und in Saudi-Arabien 4,46% betragen.

Insgesamt habe sich die jährliche GCC-Wachstumsrate für den Zeitraum auf 4,86% belaufen. Da die staatlichen Investitionsfonds der GCC-Länder gut bestückt seien und so reichlich Deckung für eventuelle Verbindlichkeiten bieten würden, würden GCC-Anleihen das Engagement in Wachstum im Schwellenländertempo mit Kapitalschutz vereinen, wie er in Industrieländern geboten sei.

Trotz vielfach hoher Staatsausgaben würden IWF-Zahlen belegen, dass der gewichtete Durchschnitt der Verschuldungsquote für GCC-Länder Ende 2012 bei nur 12,6% gelegen habe und damit sehr viel niedriger als die von Industrieländern ausgewiesenen 110%. Solide Finanzprofile hätten die Ratingagentur Moody's Investors Service in den letzten zehn Jahren zur Anhebung der Länderbonität von fünf der sechs GCC-Staaten auf 'A1' veranlasst oder besser (mit Ausnahme von Bahrain). Mit an den US-Dollar gekoppelten Währungen seien die GCC-Länder von Wechselkursturbulenzen verschont geblieben, wie sie unlängst viele Schwellenländer belastet hätten.

Ein viertes Argument für die Berücksichtigung von GCC-Anleihen sei neben ihrem exponentiellen Wachstum die zunehmende Tiefe und Liquidität dieser Instrumente. Bloomberg-Daten zufolge habe die Emission konventioneller Anleihen und Sukuk (Scharia-konformer Instrumente) in GCC-Ländern im vergangenen Jahrzehnt zugenommen: auf 42,8 Mrd. US-Dollar 2012.

Auch das GCC-Anleihen-Universum habe sich weiterentwickelt. 1999 hätten die einzigen beiden in dem GCC zugelassenen Anleiheemissionen von staatlichen Emittenten gestammt. 2012 seien 92 Anleihen ausgegeben worden, und das Spektrum der Emittenten habe von Öl- und Gasgesellschaften bis zu Chemie-, Telekommunikations- und Immobilienunternehmen gereicht.

Daten von Bloomberg würden für Ende Juni 2013 130 Anleiheemittenten aus GCC-Ländern ausweisen und ein ausstehendes Gesamtvolumen von 178 Mrd. US-Dollar. 77% davon seien auf Unternehmensanleihen entfallen. GCC-Banken hätten ihre Finanzprofile in den letzten Jahren ebenfalls verbessert. GCC-Banken, die auf den GCC-Rentenmärkten eine große Rolle spielen würden, hätten hohe Kapitalquoten.

Der Sektor sei in Krisenzeiten von staatlicher Seite zuverlässig unterstützt worden, die Bilanzen seien vergleichsweise einfach strukturiert und Probleme mit faulen Krediten würden gelöst. GCC-Banken seien nach wie vor stark auf ihre Heimatmärkte konzentriert, auf denen sie hohe strukturelle Gewinnmargen verzeichnen würden. Nichtfinanzunternehmen, die Anleihen begeben würden, stünden überwiegend unter staatlicher Kontrolle, würden rentabel arbeiten und seien fundamental robust.

Bei der Entscheidung für eine GCC-Anlage seien geopolitische Risiken ein Faktor, doch die Unruhen der letzten beiden Jahre hätten größtenteils MENA-Länder (wie Ägypten, Libyen, Syrien, Tunesien und den Libanon) betroffen, die nicht dem GCC angehören würden. Vor allem aber hätten GCC-Anleihen trotz der Instabilität im breiteren Nahen Osten hohe Renditen erwirtschaftet. In den Augen der Experten hätten GCC-Länder für MENA-Anleger sogar als sichere Häfen fungiert und vom Anstieg der Ölpreise profitiert, der mit der periodischen Verschärfung der politischen Spannungen einhergegangen sei.

GCC-Staaten würden weiter hohe Summen in Bildung, Wohnraum und groß angelegte Infrastrukturprojekte investieren. Der GCC könne solche Projekte zwar aus eigenen Mitteln finanzieren, doch die Regierungen von GCC-Ländern würden durchaus die Vorteile einer Erweiterung ihrer politischen Optionen durch Förderung ihrer Rentenmärkte sehen. Aus diesem Grund seien die Aussichten für GCC-Rentenmärkte nach Ansicht der Experten gut. (Ausgabe September 2013) (02.10.2013/alc/a/a)