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Warten auf die EZB
12.12.18 11:00
Wolfgang Steubing AG
Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Mal wieder schaut die Finanzwelt diese Woche gespannt nach Frankfurt und New York, so das Asset Management Team der Steubing AG in seiner monatlichen Anleihen-Kolumne.
EZB und FED würden als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk die Leitzinsen für ihren jeweiligen Wirtschaftsraum bekanntgeben. Viel interessanter würden aber wie immer die in die Zukunft ausgerichteten Interpretationen der beiden großen Notenbanken gewertet werden.
In den USA würden mittlerweile die Konjunkturaussichten weniger gut eingeschätzt als noch vor einem Jahr. Der Protektionismus des amerikanischen Präsidenten scheine sich ungünstig auf das amerikanische Wachstum auszuwirken. Deswegen würden die Auguren erwarten, dass spätestens bei einem Leitzinssatz von 2,75% die FED stoppe, um die amerikanische Konjunktur nicht abzuwürgen. "Sogar die Furcht vor einer Rezession geht bei manchem um. Auslöser dafür war die amerikanische Zinsstrukturkurve, die flach oder sogar invers ist." (FAS, 9. Dezember 2018) Wenn die Renditen für Kurzläufer höher seien als für 10-jährige Staatsanleihen, werde dies in der volkswirtschaftlichen Theorie als Indikator für eine bevorstehende Rezession gewertet.
Warten auf die EZB. Wie sehe es in Europa aus? Vollmundig habe die EZB einen Paradigmenwechsel in ihrer Zinspolitik voraussichtlich ab dem Spätsommer 2019 vorgegeben. In ihrer Kolumne hätten die Experten diese angekündigte Veränderung der Zinspolitik 2019 schon häufiger in Frage gestellt. Denn die EZB habe die eingetrübten Konjunkturaussichten in Europa nicht berücksichtigt. Ausgelöst durch drei große Faktoren. Die Angst vor einem Handelskrieg zwischen den USA und China, Angst vor einem ungeregelten Brexit und die ausufernde Staatsverschuldung Italiens würden als Hemmschuhe für die europäische Wirtschaft gelten. Deswegen würden mittlerweile auch die Chefvolkswirte verschiedener großer Banken mit der Analyse der Experten konform gehen, dass die EZB keine Zinserhöhungen im Jahr 2019 vornehmen oder vollmundig ankündigen werde.
Was das für konkrete Auswirkungen habe, sei letzte Woche noch einmal deutlich geworden. Drei kleineren Pensionskassen sei von der Aufsicht verboten worden, Neugeschäft zu machen. Schon im Mai habe die BaFin wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage der mehr als 130 kleineren Pensionskassen gewarnt. Als Auslöser gelte auch hier die anhaltende Niedrigzinsphase, die dazu führe, dass Leistungsversprechungen der Kassen nicht mehr eingehalten werden könnten. Auf die Problematik der kleinen Versicherer hätten die Experten in den letzten Monaten mehrfach hingewiesen. Große und kapitalstarke Versicherer und Investoren könnten und dürften sich mehr in Aktien positionieren - denn nach Solvency II müssten die risikoreicheren Anlagestrategien mit einer höheren Kapitalgarantie abgesichert werden. Obwohl die letzten Monate gezeigt hätten, dass eine höhere Aktienquote am kurzen Ende wohl auch keine Lösung sein müsse.
Was bleibe übrig? Alle seien auf der Suche nach der Anleihe, die Sicherheit und Zins verspreche. Wie immer sei Vorsicht geboten. Amerikanische Staatsanleihen würden zwar auf den ersten Blick einen ordentlichen Zinssatz von rund 3% bieten, aber wenn die FED die Zinsen nicht weiter erhöhe, verliere der Dollar voraussichtlich an Wert. Das würde schnell einen möglichen Zinsgewinn deutlich reduzieren.
Dann würden vielleicht doch nur Hochzinsanleihen übrig bleiben. Aber auch hier dürfe die Gier nicht so groß sein, dass die Investoren zu niedrige Spreads in Kauf nehmen oder vielleicht sogar vollständig unrealistische Engagements erwägen würden.
Die EZB müsse den gordischen Knoten zeitnah zerschlagen. Die Schmerzgrenze der kleinen Pensionskassen und Versicherer sei erreicht. Konjunkturunterstützende Maßnahmen seien wichtig gewesen und seien wichtig. Dennoch müsse ein Sterben der privaten Altersvorsorge verhindert werden. Die Welt müsse wieder ins Gleichgewicht kommen. (12.12.2018/alc/a/a)
EZB und FED würden als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk die Leitzinsen für ihren jeweiligen Wirtschaftsraum bekanntgeben. Viel interessanter würden aber wie immer die in die Zukunft ausgerichteten Interpretationen der beiden großen Notenbanken gewertet werden.
In den USA würden mittlerweile die Konjunkturaussichten weniger gut eingeschätzt als noch vor einem Jahr. Der Protektionismus des amerikanischen Präsidenten scheine sich ungünstig auf das amerikanische Wachstum auszuwirken. Deswegen würden die Auguren erwarten, dass spätestens bei einem Leitzinssatz von 2,75% die FED stoppe, um die amerikanische Konjunktur nicht abzuwürgen. "Sogar die Furcht vor einer Rezession geht bei manchem um. Auslöser dafür war die amerikanische Zinsstrukturkurve, die flach oder sogar invers ist." (FAS, 9. Dezember 2018) Wenn die Renditen für Kurzläufer höher seien als für 10-jährige Staatsanleihen, werde dies in der volkswirtschaftlichen Theorie als Indikator für eine bevorstehende Rezession gewertet.
Was das für konkrete Auswirkungen habe, sei letzte Woche noch einmal deutlich geworden. Drei kleineren Pensionskassen sei von der Aufsicht verboten worden, Neugeschäft zu machen. Schon im Mai habe die BaFin wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage der mehr als 130 kleineren Pensionskassen gewarnt. Als Auslöser gelte auch hier die anhaltende Niedrigzinsphase, die dazu führe, dass Leistungsversprechungen der Kassen nicht mehr eingehalten werden könnten. Auf die Problematik der kleinen Versicherer hätten die Experten in den letzten Monaten mehrfach hingewiesen. Große und kapitalstarke Versicherer und Investoren könnten und dürften sich mehr in Aktien positionieren - denn nach Solvency II müssten die risikoreicheren Anlagestrategien mit einer höheren Kapitalgarantie abgesichert werden. Obwohl die letzten Monate gezeigt hätten, dass eine höhere Aktienquote am kurzen Ende wohl auch keine Lösung sein müsse.
Was bleibe übrig? Alle seien auf der Suche nach der Anleihe, die Sicherheit und Zins verspreche. Wie immer sei Vorsicht geboten. Amerikanische Staatsanleihen würden zwar auf den ersten Blick einen ordentlichen Zinssatz von rund 3% bieten, aber wenn die FED die Zinsen nicht weiter erhöhe, verliere der Dollar voraussichtlich an Wert. Das würde schnell einen möglichen Zinsgewinn deutlich reduzieren.
Dann würden vielleicht doch nur Hochzinsanleihen übrig bleiben. Aber auch hier dürfe die Gier nicht so groß sein, dass die Investoren zu niedrige Spreads in Kauf nehmen oder vielleicht sogar vollständig unrealistische Engagements erwägen würden.
Die EZB müsse den gordischen Knoten zeitnah zerschlagen. Die Schmerzgrenze der kleinen Pensionskassen und Versicherer sei erreicht. Konjunkturunterstützende Maßnahmen seien wichtig gewesen und seien wichtig. Dennoch müsse ein Sterben der privaten Altersvorsorge verhindert werden. Die Welt müsse wieder ins Gleichgewicht kommen. (12.12.2018/alc/a/a)


