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Wann kommt die Atempause der EZB?


02.02.23 16:02
TARGOBANK

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Es war klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) heute die Leitzinsen um 50 Basispunkte anhebt, so Dr. Otmar Lang, Chefvolkswirt der TARGOBANK AG.

Die viel spannendere Frage sei, wie lange der strenge monetäre Kurs noch weitergehe - weitergehen müsse!

Die Inflationsentwicklung gebe zumindest bisher keinen Anlass zur Entwarnung. Die Verbraucherpreise in der Eurozone würden zwar sinken - und das zuletzt auch stärker als erwartet. Doch die Kernrate, also die Preise ohne Energie und Lebensmittel, lägen jetzt den vierten Monat in Folge bei 5% oder sogar darüber - ein Hinweis darauf, dass sich der Preisauftrieb verfestige. Diesen müsse die EZB bekämpfen und daher dürfte sie vorerst ihren Kurs beibehalten.

Doch größere Zinssprünge von mehr als 50 Basispunkten werde die EZB aus Sorge um die Konjunktur vermeiden. Denn obwohl sich die wirtschaftliche Lage besser entwickele als prognostiziert, gelte sie aktuell immer noch als labil. Immerhin nehme die Aussicht auf positive Konjunkturüberraschungen im Euroraum und insbesondere in Deutschland seit einigen Wochen zu. Nach Einschätzung des IWF könne Deutschland 2023 sogar eine Rezession, die noch im Oktober 2022 vorhergesagt worden sei, vermeiden.

Europas Währungshüter müssten vor allem stetiges und konsequentes Handeln demonstrieren. Aber mit Geldpolitik allein lasse sich nun mal nicht jedes Problem lösen - zumal sie nur mit großer Verzögerung wirke. Daher sei es durchaus möglich, dass die EZB nach dem März-Termin eine Zinspause einlegen werde. Diese würde auch dazu beitragen, die Aufwertung des Euros zu bremsen. Seit September habe der zum US-Dollar bereits rund 15% gewonnen. Eine Entwicklung, die zwar den Preisauftrieb dämpfe, aber für den Konjunkturausblick nicht sonderlich förderlich sei. (02.02.2023/alc/a/a)