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Währungsanleihen: Euro mit hoher Volatilität
11.10.12 14:59
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - "Good luck and much power" - so verabschiedete sich unsere Bundeskanzlerin von dem griechischen Ministerpräsidenten Samaras, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank AG.
Der Besuch sollte kein Abschiedsbesuch sein, sondern eine Ermutigung den beschrittenen Weg weiter zu gehen. Dies sei aber nicht von allen Helenen so verstanden worden und so sich der Zorn gegen das vermeintlich deutsche Diktat gerichtet. In Anbetracht der Tatsache, dass die Armen noch weiter an den Rand gedrückt würden und ums nackte Überleben kämpfen würden, komme sogar vereinzelt Verständnis auf. Das Gesundheitssystem stehe vor dem Kollaps. Operationen könnten nicht mehr durchgeführt werden, denn Medikamente und Verbandsmaterial würden fehlen, Gehälter würden nicht mehr bezahlt und vieles mehr.
Hierbei gehe es oft um Leben und Tod und die sozialen Unterschiede würden deutlich. Diese Hilflosigkeit gegen die Misswirtschaft der vergangenen Jahre und die jetzigen Einschnitte seien zusammen mit der Arroganz der eigenen Politiker sicherlich der Nährboden für diese Wut unter den Menschen. Aber dennoch würden auf der Welle der Empörung auch Griechen mitschwimmen, die einerseits auf bedürftig machen und andererseits große Geldbeträge vor dem Fiskus in Sicherheit bringen würden.
In den vergangenen Tagen seien immer wieder Meldungen verbreitet worden, nach denen alleine gegen 500 Politiker Steuerverfahren eingeleitet worden seien. Diesen Sumpf trocken zu legen, wird eine der größten Aufgaben sein, so Klaus Stopp bei der Baader Bank AG. Aber auch Nichtpolitiker hätten keinen Skrupel in der Steuererklärung nur 497 EUR als zu versteuerndes Einkommen für 2011 anzugeben, aber gleichzeitig 12 Mio. EUR ins Ausland zu überweisen. Anscheinend würden viele Menschen weiterhin nach dem Motto leben: "Wenn jeder an sich selbst denkt, dann ist ja an jeden gedacht". So könne und werde Europa aber nie zusammenwachsen.
Und in einem solchen Umfeld von Licht am Ende des Tunnels zu sprechen, sei mutig, denn es scheine sich eher um eine Lokomotive zu handeln, die uns entgegenkomme.
Ein schlechtes Omen. Das Schweizer Research-Unternehmen Independent Credit View (I-CV), das bereits in der Vergangenheit mit seinen Einschätzungen recht häufig richtig gelegen habe, habe im Rahmen einer Länderstudie Deutschland und weiteren Staaten die Bestnote AAA entzogen. Die Milliardenbelastung aus den Garantien für Südeuropa sowie die Gefahr eines Währungsschocks durch das Auseinanderbrechen des Euro würden zu den wichtigsten Gründen für die Herabstufung gehören. Nach Ansicht von I-CV gebe es weltweit nur noch vier Länder mit einem AAA-Status: Norwegen, Schweden, Schweiz und Singapur. Aber auch bei den anderen drei Großagenturen hätten sich die Reihen gelichtet. Nur noch 12 Staaten weltweit würden bei den "Großen Drei" über die höchste Bonität verfügen. Und aus der Eurozone seien das lediglich die Niederlande, Finnland, Luxemburg und Deutschland.
Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass andere Ratingagenturen dem Beispiel von I-CV folgen würden. Denn die finanzielle Belastung für Deutschland sei immens und im Falle eines "GAU's" nicht beherrschbar. Dennoch käme eine solche Herabstufung einer Zeitenwende gleich und der Maßstab wäre zukünftig nicht mehr das AAA-Rating, sondern die Spitzenbewertung würde dann AA+ bzw. Aa1 sein.
In der vergangenen Handelswoche hätten erneut zahlreiche Unternehmen den Primärmarkt für Euro-Anleihen in Anspruch genommen und sich abermals einer sehr soliden Nachfrage erfreuen können.
Bereits am Freitag vergangener Woche habe sich das spanische Telekommunikations-Unternehmen Telefónica (ISIN ES0178430E18/ WKN 850775) über reges Interesse für ihre siebenjährige Anleihe freuen können. Die Nachfrage habe mit 8 Mrd. EUR das angestrebte und auch begebene Volumen von 1,2 Mrd. EUR um ein Vielfaches übertroffen. Die ersten Spread-Überlegungen seien mit 340 bis 350 Basispunkten (BP) über Midswaps kommuniziert, aber wegen der großen Nachfrage lediglich bei 330 BP über Midswaps zugeteilt worden.
Zu Wochenbeginn habe Air Liquide (ISIN FR0000120073/ WKN 850133), ein französischer Hersteller für Industriegase, eine 500 Mio. EUR große Anleihe mit einem Kupon von 2,125% und einer Fälligkeit im Oktober 2021 emittiert. Emittiert worden sei die Anleihe bei einem Kurs von 99,329% (57 BP über Midswaps). Die Leadmanager seien Citigroup (ISIN US1729674242/ WKN A1H92V), Crédit Agricole (ISIN FR0000045072/ WKN 982285), HSBC (ISIN GB0005405286/ WKN 923893) und Société Générale (ISIN FR0000130809/ WKN 873403) gewesen.
Am Dienstag habe der spanische Versorger Gas Natural (ISIN ES0116870314/ WKN 853598) einen fünfjährigen Titel mit einem Kupon von 4,125% emittiert. Der Preis sei für die 500 Mio. EUR große Anleihe bei 99,771% bzw. 335 BP über Midswaps festgesetzt worden. Leadmanager für die Anleihe mit Fälligkeit im April 2017 seien Barclays (ISIN GB0031348658/ WKN 850403), BNP Paribas (ISIN FR0000131104/ WKN 887771), Caixa Bank, Citigroup, Mitsubishi, Santander (ISIN ES0113900J37/ WKN 858872) und Société Générale gewesen.
Ebenfalls am Dienstag dieser Woche habe der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltgrößte Versicherungskonzern Allianz seinen Investoren einen Kupon in Höhe von 5,625% gezahlt, um 1,5 Mrd. EUR über einen nachrangigen Bond zu refinanzieren. Die Rückzahlung sei für Oktober 2042 vorgesehen, wobei eine Call-Option im Oktober 2022 bestehe. Die Begebung sei bei 99,054% bzw. 400 BP über Midswaps erfolgt. Leadmanager seien Citigroup, Commerzbank (ISIN DE0008032004/ WKN 803200), HSBC und Société Générale gewesen.
Eine Wiederholung der Geschichte kündige sich wohl bei Griechenland an. Während die eine Reihe von Europapolitikern die Fortschritte Athens lobe, seien andere dabei, sie wegen nicht ausreichender Anstrengungen zu kritisieren. Der Internationale Währungsfonds IWF sage vorher, dass der Schuldenstand des Landes in fünf Jahren bei 152,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegen werde. Das sei deutlich höher, als die mit der Troika von IWF, EU und EZB für 2017 vereinbarte Quote von 137,3 Prozent. Auch wenn es löblich sei, dass Griechenland einen Beitrag zur Sanierung leiste. Es werde nicht reichen, auch wenn die verlangten 89 vorrangigen Maßnahmen umgesetzt würden. Es fehle weiterhin Geld. Es sei also nur eine Frage der Zeit, wann sich der IWF mit seiner Forderung nach einem Schuldenschnitt durchsetze. Diesmal werde es die öffentlichen Gläubiger treffen.
Lediglich die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte sich durch einen vorherigen Anleihentausch ungeschoren aus der Affäre ziehen können. Denn die selbsternannten Euro-Retter würden Griechenland - egal zu welchem Preis - in der Währungsunion halten wollen. Dazu sei dann zusätzlich ein Griechenland-III-Paket notwendig. Denn die Bilder von den bürgerkriegsähnlichen Unruhen würden zu durchschlagenden Maßnahmen mahnen. Gleichzeitig sollte die Bundesregierung den Deutschen reinen Wein einschenken und öffentlich sagen, was die Rettung der Hellenen tatsächlich koste - je eher, desto besser.
Noch zu Beginn des Jahres habe Italien ein Refinanzierungsziel von ca. 445 Mrd. EUR genannt und nun einräumen müssen, dass wegen der konjunkturellen Entwicklung nun ca. 20 Mrd. EUR mehr aufzunehmen seien. Bislang seien allerdings erst ca. 370 Mrd. EUR aufgenommen worden und somit würden für die restlichen Wochen bis zum Jahresende ca. 95 Mrd. EUR bleiben, die refinanziert werden müssten. Im Oktober seien 37 Mrd. EUR und im Dezember 56 Mrd. EUR endfällig und stünden zur Verlängerung an. Diesen Kraftakt könne Italien nur dann schaffen, wenn ihnen die Investoren Vertrauen entgegenbringen würden. Italien demonstriere im Gegensatz zu anderen Sorgenkindern Entschlossenheit. So habe man z.B. den Mehrwertsteuersatz ab dem nächsten Jahr von 21 auf 22% angehoben.
Ein Déjà-vu-Erlebnis hätten viele Beobachter am Montag, als der europäische Rettungsschirm ESM in Kraft getreten sei. Habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht im Juli 2010 in einem Interview mit folgender Aussage einem dauerhaften Rettungsschirm eine Absage erteilt? "Solange Angela Merkel Bundeskanzlerin ist und ich Finanzminister bin, würden Sie diese Wette verlieren. Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart." Es stelle sich nun heraus, dass es sich bei dem ESM um eine permanente Lösung handle. Man sollte ihn dafür aber nicht verurteilen, denn die Welt habe sich weitergedreht und diese Entwicklung habe man nicht erwartet.
Vor Schäuble seien aber bereits andere Politiker später nochmals mit ihren Aussagen konfrontiert worden. Schon dem ersten Bundeskanzler der Republik, Konrad Adenauer, würden die folgenden Worte zugeschrieben, als ihm 1950 vorgeworfen worden sei, dass er die Bundesrepublik wieder bewaffnen wolle, obwohl er noch ein Jahr zuvor entschieden dagegen eingetreten sei: "Was interessiert mich mein Geschwätz von jestern. Aber et kann mich doch schließlich keiner daran hindern, alle Tage klüger zu werden."
Der Rentenhandel werde weiterhin von der Unsicherheit hinsichtlich der weltweiten konjunkturellen Entwicklung und der beiden großen Sorgenkinder, Griechenland und Spanien, geprägt. Da es hierbei unterschiedliche Signale gebe und der Monat der Entscheidungen nahe, hätten sich die Rentenmärkte - bei lustlosem Handel - oft an der Entwicklung der Aktienindices orientiert. Lethargiegetrieben befinde sich der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) weiterhin in einem Seitwärtskanal zwischen 138,41% (Tief vom 17.9.) und 142,62% (Hoch vom 29.8.). Die eingeschlossene Marke von 141% stelle allerdings psychologisch eine Hürde dar, die aber bei entsprechenden Meldungen ohne Problem zu überwinden bzw. zu unterschreiten sei. Somit gelte für die restlichen Handelswochen des Jahres weiterhin der Slogan eines japanischen Automobilherstellers.
Auch in dieser Woche entziehe die Europäische Zentralbank wie beabsichtigt 209,5 Mrd. EUR mittels eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts.
Bei den Aufstockungen diverser Altemissionen in Euroland sei alles wie geplant verlaufen. So seien gestern in Deutschland die 11-jährige inflationsindexierte Anleihe um 1,5 Mrd. EUR auf insgesamt 7 Mrd. EUR und die fünfjährigen Bundesobligation um 4 Mrd. EUR auf insgesamt 9 Mrd. EUR aufgestockt worden. Bei dem so genannten Linker sei die Zuteilung bei einer 1,5-fachen Überzeichnung zu einer realen Durchschnittsrendite von -0,38% erfolgt und die Obligationen hätten bei 2,2-facher Überzeichnung zu durchschnittlichen Rendite von 0,53% begeben werden können.
Bereits zum Wochenbeginn habe die Deutsche Finanzagentur 2,42 Mrd. EUR mittels sechsmonatiger Schatzanweisungen zu Rendite von -0,0218% aufnehmen können. Es treffe also weiterhin auf Deutschland zu, dass man sich zu Minizinsen refinanzieren könne und die Inflation beim Abbau der Schulden behilflich sei.
Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft und somit auch für die Eurozone merklich gesenkt habe, habe sich die Stimmung im Hinblick auf die europäische Gemeinschaftswährung deutlich eingetrübt. Zusätzlich trage auch die Hängepartie um Spanien nicht zur Stabilität des Euros bei.
Die volatile Entwicklung des Euros gegenüber dem US-Dollar sei in einem solchen Nachrichtenumfeld die logische Konsequenz und werde durch die Tradingrange innerhalb der Berichtswoche zwischen 1,3071 und 1,2833 USD deutlich.
Dennoch habe der Euro aber gegenüber anderen Währungen etwas zulegen können. Zum Beispiel gegenüber dem Südafrikanischen Rand (ZAR) habe er ein neues Jahreshoch bei 11,65 ZAR markiert. Auch gegenüber der Türkischen Lira, die unter der überraschend deutlich gesunkenen Industrieproduktion und dem Syrienkonflikt gelitten habe, habe ein Erstarken registriert werden können.
Dennoch seien Anleger nach wie vor um den Euro besorgt und würden in ausgewählte Fremdwährungsanleihen investieren. Guter Nachfrage würden sich weiterhin Anleihen auf Norwegische Kronen und Australische Dollar erfreuen.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright © 2011: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Lurgiallee 12, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (11.10.2012/alc/a/a)
Der Besuch sollte kein Abschiedsbesuch sein, sondern eine Ermutigung den beschrittenen Weg weiter zu gehen. Dies sei aber nicht von allen Helenen so verstanden worden und so sich der Zorn gegen das vermeintlich deutsche Diktat gerichtet. In Anbetracht der Tatsache, dass die Armen noch weiter an den Rand gedrückt würden und ums nackte Überleben kämpfen würden, komme sogar vereinzelt Verständnis auf. Das Gesundheitssystem stehe vor dem Kollaps. Operationen könnten nicht mehr durchgeführt werden, denn Medikamente und Verbandsmaterial würden fehlen, Gehälter würden nicht mehr bezahlt und vieles mehr.
Hierbei gehe es oft um Leben und Tod und die sozialen Unterschiede würden deutlich. Diese Hilflosigkeit gegen die Misswirtschaft der vergangenen Jahre und die jetzigen Einschnitte seien zusammen mit der Arroganz der eigenen Politiker sicherlich der Nährboden für diese Wut unter den Menschen. Aber dennoch würden auf der Welle der Empörung auch Griechen mitschwimmen, die einerseits auf bedürftig machen und andererseits große Geldbeträge vor dem Fiskus in Sicherheit bringen würden.
In den vergangenen Tagen seien immer wieder Meldungen verbreitet worden, nach denen alleine gegen 500 Politiker Steuerverfahren eingeleitet worden seien. Diesen Sumpf trocken zu legen, wird eine der größten Aufgaben sein, so Klaus Stopp bei der Baader Bank AG. Aber auch Nichtpolitiker hätten keinen Skrupel in der Steuererklärung nur 497 EUR als zu versteuerndes Einkommen für 2011 anzugeben, aber gleichzeitig 12 Mio. EUR ins Ausland zu überweisen. Anscheinend würden viele Menschen weiterhin nach dem Motto leben: "Wenn jeder an sich selbst denkt, dann ist ja an jeden gedacht". So könne und werde Europa aber nie zusammenwachsen.
Und in einem solchen Umfeld von Licht am Ende des Tunnels zu sprechen, sei mutig, denn es scheine sich eher um eine Lokomotive zu handeln, die uns entgegenkomme.
Ein schlechtes Omen. Das Schweizer Research-Unternehmen Independent Credit View (I-CV), das bereits in der Vergangenheit mit seinen Einschätzungen recht häufig richtig gelegen habe, habe im Rahmen einer Länderstudie Deutschland und weiteren Staaten die Bestnote AAA entzogen. Die Milliardenbelastung aus den Garantien für Südeuropa sowie die Gefahr eines Währungsschocks durch das Auseinanderbrechen des Euro würden zu den wichtigsten Gründen für die Herabstufung gehören. Nach Ansicht von I-CV gebe es weltweit nur noch vier Länder mit einem AAA-Status: Norwegen, Schweden, Schweiz und Singapur. Aber auch bei den anderen drei Großagenturen hätten sich die Reihen gelichtet. Nur noch 12 Staaten weltweit würden bei den "Großen Drei" über die höchste Bonität verfügen. Und aus der Eurozone seien das lediglich die Niederlande, Finnland, Luxemburg und Deutschland.
Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass andere Ratingagenturen dem Beispiel von I-CV folgen würden. Denn die finanzielle Belastung für Deutschland sei immens und im Falle eines "GAU's" nicht beherrschbar. Dennoch käme eine solche Herabstufung einer Zeitenwende gleich und der Maßstab wäre zukünftig nicht mehr das AAA-Rating, sondern die Spitzenbewertung würde dann AA+ bzw. Aa1 sein.
In der vergangenen Handelswoche hätten erneut zahlreiche Unternehmen den Primärmarkt für Euro-Anleihen in Anspruch genommen und sich abermals einer sehr soliden Nachfrage erfreuen können.
Bereits am Freitag vergangener Woche habe sich das spanische Telekommunikations-Unternehmen Telefónica (ISIN ES0178430E18/ WKN 850775) über reges Interesse für ihre siebenjährige Anleihe freuen können. Die Nachfrage habe mit 8 Mrd. EUR das angestrebte und auch begebene Volumen von 1,2 Mrd. EUR um ein Vielfaches übertroffen. Die ersten Spread-Überlegungen seien mit 340 bis 350 Basispunkten (BP) über Midswaps kommuniziert, aber wegen der großen Nachfrage lediglich bei 330 BP über Midswaps zugeteilt worden.
Zu Wochenbeginn habe Air Liquide (ISIN FR0000120073/ WKN 850133), ein französischer Hersteller für Industriegase, eine 500 Mio. EUR große Anleihe mit einem Kupon von 2,125% und einer Fälligkeit im Oktober 2021 emittiert. Emittiert worden sei die Anleihe bei einem Kurs von 99,329% (57 BP über Midswaps). Die Leadmanager seien Citigroup (ISIN US1729674242/ WKN A1H92V), Crédit Agricole (ISIN FR0000045072/ WKN 982285), HSBC (ISIN GB0005405286/ WKN 923893) und Société Générale (ISIN FR0000130809/ WKN 873403) gewesen.
Am Dienstag habe der spanische Versorger Gas Natural (ISIN ES0116870314/ WKN 853598) einen fünfjährigen Titel mit einem Kupon von 4,125% emittiert. Der Preis sei für die 500 Mio. EUR große Anleihe bei 99,771% bzw. 335 BP über Midswaps festgesetzt worden. Leadmanager für die Anleihe mit Fälligkeit im April 2017 seien Barclays (ISIN GB0031348658/ WKN 850403), BNP Paribas (ISIN FR0000131104/ WKN 887771), Caixa Bank, Citigroup, Mitsubishi, Santander (ISIN ES0113900J37/ WKN 858872) und Société Générale gewesen.
Ebenfalls am Dienstag dieser Woche habe der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltgrößte Versicherungskonzern Allianz seinen Investoren einen Kupon in Höhe von 5,625% gezahlt, um 1,5 Mrd. EUR über einen nachrangigen Bond zu refinanzieren. Die Rückzahlung sei für Oktober 2042 vorgesehen, wobei eine Call-Option im Oktober 2022 bestehe. Die Begebung sei bei 99,054% bzw. 400 BP über Midswaps erfolgt. Leadmanager seien Citigroup, Commerzbank (ISIN DE0008032004/ WKN 803200), HSBC und Société Générale gewesen.
Eine Wiederholung der Geschichte kündige sich wohl bei Griechenland an. Während die eine Reihe von Europapolitikern die Fortschritte Athens lobe, seien andere dabei, sie wegen nicht ausreichender Anstrengungen zu kritisieren. Der Internationale Währungsfonds IWF sage vorher, dass der Schuldenstand des Landes in fünf Jahren bei 152,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegen werde. Das sei deutlich höher, als die mit der Troika von IWF, EU und EZB für 2017 vereinbarte Quote von 137,3 Prozent. Auch wenn es löblich sei, dass Griechenland einen Beitrag zur Sanierung leiste. Es werde nicht reichen, auch wenn die verlangten 89 vorrangigen Maßnahmen umgesetzt würden. Es fehle weiterhin Geld. Es sei also nur eine Frage der Zeit, wann sich der IWF mit seiner Forderung nach einem Schuldenschnitt durchsetze. Diesmal werde es die öffentlichen Gläubiger treffen.
Lediglich die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte sich durch einen vorherigen Anleihentausch ungeschoren aus der Affäre ziehen können. Denn die selbsternannten Euro-Retter würden Griechenland - egal zu welchem Preis - in der Währungsunion halten wollen. Dazu sei dann zusätzlich ein Griechenland-III-Paket notwendig. Denn die Bilder von den bürgerkriegsähnlichen Unruhen würden zu durchschlagenden Maßnahmen mahnen. Gleichzeitig sollte die Bundesregierung den Deutschen reinen Wein einschenken und öffentlich sagen, was die Rettung der Hellenen tatsächlich koste - je eher, desto besser.
Noch zu Beginn des Jahres habe Italien ein Refinanzierungsziel von ca. 445 Mrd. EUR genannt und nun einräumen müssen, dass wegen der konjunkturellen Entwicklung nun ca. 20 Mrd. EUR mehr aufzunehmen seien. Bislang seien allerdings erst ca. 370 Mrd. EUR aufgenommen worden und somit würden für die restlichen Wochen bis zum Jahresende ca. 95 Mrd. EUR bleiben, die refinanziert werden müssten. Im Oktober seien 37 Mrd. EUR und im Dezember 56 Mrd. EUR endfällig und stünden zur Verlängerung an. Diesen Kraftakt könne Italien nur dann schaffen, wenn ihnen die Investoren Vertrauen entgegenbringen würden. Italien demonstriere im Gegensatz zu anderen Sorgenkindern Entschlossenheit. So habe man z.B. den Mehrwertsteuersatz ab dem nächsten Jahr von 21 auf 22% angehoben.
Ein Déjà-vu-Erlebnis hätten viele Beobachter am Montag, als der europäische Rettungsschirm ESM in Kraft getreten sei. Habe Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht im Juli 2010 in einem Interview mit folgender Aussage einem dauerhaften Rettungsschirm eine Absage erteilt? "Solange Angela Merkel Bundeskanzlerin ist und ich Finanzminister bin, würden Sie diese Wette verlieren. Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart." Es stelle sich nun heraus, dass es sich bei dem ESM um eine permanente Lösung handle. Man sollte ihn dafür aber nicht verurteilen, denn die Welt habe sich weitergedreht und diese Entwicklung habe man nicht erwartet.
Vor Schäuble seien aber bereits andere Politiker später nochmals mit ihren Aussagen konfrontiert worden. Schon dem ersten Bundeskanzler der Republik, Konrad Adenauer, würden die folgenden Worte zugeschrieben, als ihm 1950 vorgeworfen worden sei, dass er die Bundesrepublik wieder bewaffnen wolle, obwohl er noch ein Jahr zuvor entschieden dagegen eingetreten sei: "Was interessiert mich mein Geschwätz von jestern. Aber et kann mich doch schließlich keiner daran hindern, alle Tage klüger zu werden."
Auch in dieser Woche entziehe die Europäische Zentralbank wie beabsichtigt 209,5 Mrd. EUR mittels eines siebentägigen Refinanzierungsgeschäfts.
Bei den Aufstockungen diverser Altemissionen in Euroland sei alles wie geplant verlaufen. So seien gestern in Deutschland die 11-jährige inflationsindexierte Anleihe um 1,5 Mrd. EUR auf insgesamt 7 Mrd. EUR und die fünfjährigen Bundesobligation um 4 Mrd. EUR auf insgesamt 9 Mrd. EUR aufgestockt worden. Bei dem so genannten Linker sei die Zuteilung bei einer 1,5-fachen Überzeichnung zu einer realen Durchschnittsrendite von -0,38% erfolgt und die Obligationen hätten bei 2,2-facher Überzeichnung zu durchschnittlichen Rendite von 0,53% begeben werden können.
Bereits zum Wochenbeginn habe die Deutsche Finanzagentur 2,42 Mrd. EUR mittels sechsmonatiger Schatzanweisungen zu Rendite von -0,0218% aufnehmen können. Es treffe also weiterhin auf Deutschland zu, dass man sich zu Minizinsen refinanzieren könne und die Inflation beim Abbau der Schulden behilflich sei.
Nachdem der Internationale Währungsfonds (IWF) die Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft und somit auch für die Eurozone merklich gesenkt habe, habe sich die Stimmung im Hinblick auf die europäische Gemeinschaftswährung deutlich eingetrübt. Zusätzlich trage auch die Hängepartie um Spanien nicht zur Stabilität des Euros bei.
Die volatile Entwicklung des Euros gegenüber dem US-Dollar sei in einem solchen Nachrichtenumfeld die logische Konsequenz und werde durch die Tradingrange innerhalb der Berichtswoche zwischen 1,3071 und 1,2833 USD deutlich.
Dennoch habe der Euro aber gegenüber anderen Währungen etwas zulegen können. Zum Beispiel gegenüber dem Südafrikanischen Rand (ZAR) habe er ein neues Jahreshoch bei 11,65 ZAR markiert. Auch gegenüber der Türkischen Lira, die unter der überraschend deutlich gesunkenen Industrieproduktion und dem Syrienkonflikt gelitten habe, habe ein Erstarken registriert werden können.
Dennoch seien Anleger nach wie vor um den Euro besorgt und würden in ausgewählte Fremdwährungsanleihen investieren. Guter Nachfrage würden sich weiterhin Anleihen auf Norwegische Kronen und Australische Dollar erfreuen.
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Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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