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Vorwärts, FED!


16.03.17 13:30
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Die aktuelle Entscheidung des FOMC, den Leitzins um 25 Basispunkte zu erhöhen, macht Hoffnung darauf, dass der nächste Schritt der Politik von Janet Yellen und ihrer Kollegen eher früher als später kommt, so Thanos Bardas, Head of Global Rates und Portfolio-Manager beim unabhängigen US-Asset-Manager Neuberger Berman.

Erst vor ein paar Wochen hätten FED Funds Futures eine 25-prozentige Chance auf eine Erhöhung im März gespiegelt. Am vergangenen Montag habe dieser Wert bei mehr als 90 Prozent gelegen, sodass das eigentliche Ereignis nun fast wie ein Nachtrag wirke.

Warum dieser "Korbleger" bei der Zinsanhebung? Und, wichtiger noch, warum jetzt? Sicherlich habe die FED bereits vorsichtig versucht, ihre lockere Geldpolitik und die abnorm niedrigen Zinsen zurückzunehmen, was jedoch wiederholt durch eine laue Wirtschaft und exogene Ereignisse vereitelt worden sei - wie etwa Chinas Schwäche oder der Brexit, um nur zwei Beispiele aus 2016 zu nennen (ob sie sich so leicht entmutigen lassen sollte, sei freilich eine andere Frage).

Die Zentralbank habe im Dezember endlich die Chance bekommen, die Zinsen wieder anzuziehen - und schien dann zum Teil die Haltung zu vertreten "Fürs erste sind wir fertig". Die nächste Erhöhung habe sich erst für Juni abgezeichnet, wenn man sich die Märkte und die "FED Dots" angeschaut habe.

Das sei jedoch gewesen, bevor vergleichsweise schwache Arbeitsmarktzahlen, Überbestände und wirtschaftliche Unsicherheit Platz gemacht hätten für bessere Nachrichten: so genannte weiche Daten - PMI, KMU- und Verbrauchervertrauen - sowie harte Daten zu Lohn- und Gehaltsentwicklungen und Beschäftigung, in Verbindung mit zunehmender Inflation. So seien zum Beispiel im vierten Quartal 2016 im Monat 148.000 Jobs geschaffen worden. Seit Jahresbeginn 2017 seien es dagegen schon 237.000 gewesen, was das FOMC deutlich selbstbewusster agieren lasse. Euphorie um das Erstarken der Wirtschaft trage zu florierenden Kredit- und Aktien-Märkten bei (Wer glaube an den Dow Jones bei 22.000 Punkten?) und bestätige so den Kurs der US-Notenbank.

Das FOMC ändere seine Ansichten doch nur ganz allmählich. Es bleibe, nahezu unverändert, bei einem gemäßigten Kurs mit zwei weiteren Anhebungen 2017 und drei Anhebungen 2018. Bei anderen Kennzahlen, wie etwa beim getrimmten Mittelwert der Zinskonditionen, habe es bescheidene Erhöhungen (weniger als 15 Basispunkte) gegeben. Die Aktien- und Rentenmärkte hätten mit einer Erholungsrally reagiert.

Was komme als nächstes? In ihrer Rede am Freitag, den 3. März habe Yellen ihre Pläne für den nächsten Zyklus skizziert. Wenn der Leitzins weiter negativ bleibe (unter -1 Prozent), sollten sich die kurzfristigen Zinsen nahe Null einpendeln - das erfordere vier Erhöhungen (ab heute) in den nächsten zwölf Monaten. Die zweite, längerfristige Strategie brächte Realzinsen von Null auf +1 Prozent. Diese Phase könnte nicht nur Zinserhöhungen, sondern auch eine mögliche Reduzierung der Bilanzsumme der FED umfassen. Zur September-Sitzung wisse man mehr, wenn hoffentlich mehr Klarheit zur Steuerreform bestehe.

Zurück zur Frage: Warum jetzt? Vorausgesetzt, es jucke die US-Notenbank, die Zinsen drei oder vier Mal im kommenden Jahr zu erhöhen, dann sei es wichtig gewesen, die Sache diesen Monat ins Rollen zu bringen und so einen späteren Rückstau zu vermeiden. Nennen Sie mich verrückt, aber Politik ist auch ein Faktor, so Thanos Bardas. Der Titel dieses Kommentars verweise auf die "En marche!"-Bewegung in Frankreich, geführt durch das neue Gesicht Emmanuel Macron. Erst die Zeit werde zeigen, wie sich sein eklektischer liberaler Ansatz gegenüber Marine Le Pen, François Fillon und anderen Rivalen behaupte. Aber der Punkt sei, dass die verschiedenen Wahlen in Europa und die polarisierende Debatte periodisch ein Krisen-Umfeld schaffen würden, das die FED zwingen könnte, mit ihren Plänen zu pausieren - und sie dann wieder die Motivation finden müsse, die Zinsen zu erhöhen.

Und weil man gerade dabei sei, rede man über Arbeitsplatzsicherheit - insbesondere für Janet Yellen. Wenn die FED-Vorsitzende glaube, sie mache ab Januar 2018, wenn ihre Amtszeit ausgelaufen sei, einen längeren Urlaub, dann würden die aktuelle und weitere Anhebungen vielleicht eine Autopilot-Politik für die Zeit des Übergangs ermöglichen. Oder auch einen vorsorglichen Dämpfer für mit der Finanzpolitik verbundene Folgen. Nenne man es vielleicht: ein Abschiedsgeschenk?

Also dann los, FED! Auf geht‘s! (16.03.2017/alc/a/a)