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Vom Wirtschaftsabschwung in die Rezession - FED und EZB mit massiven Hilfsprogrammen
01.04.20 13:30
ALTE LEIPZIGER Trust
Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Corona-Pandemie weitet sich rund um den Globus weiter dynamisch aus, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust in ihrem aktuellen "INVEST-REPORT".
Anfang April 2020 seien alleine in Deutschland laut der aktuellen Statistik der Johns Hopkins University mehr als 71.808 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. 775 Infizierte seien bundesweit gestorben, weltweit sollten es 42.345 Personen sein. Weltweit hätten die Regierungen und Notenbanken Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die angeschlagene Wirtschaft stützen zu können.
Auf oder in der Nähe des Höhepunkts des Angstzyklus würden rationale Bewertungen oft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ganze Volkswirtschaften würden nahezu vollständig heruntergefahren, es komme zum staatlich angeordneten Shutdown. Die auf Basis der Einschätzungen und Annahmen von Virologen getroffenen Entscheidungen seien sicher richtig, würden aber die Menschen verunsichern. Hinzu komme, anders als etwa in der Finanzkrise, dass jeder die Auswirkungen spüre und sehe. Der gegenwärtige Angstzustand halte jedoch nicht ewig an. Menschen würden sich an die neue Situation anpassen und es komme im weiteren Verlauf zur Normalisierung. Bis dahin dauere es aber sicherlich noch einige Zeit.
Auch wenn das Virus Ende März noch nicht erkennbar in seiner Dynamik eingedämmt sei, habe in Deutschland in den vergangenen Tagen bereits eine Diskussion über eine Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie begonnen.
Kanzlerin Merkel und der bayerische Ministerpräsident Söder hätten gesagt, bevor hierzu die Möglichkeit bestünde, müsse zur Entlastung des Gesundheitssystems die Zeit der Verdoppelung der Infizierten-Fallzahlen deutlich gestreckt werden. Der richtige Zeitpunkt hierfür sei also noch nicht gekommen.
Das Coronavirus sei ein exogener Schock, der die Volkswirtschaften nahezu gleichzeitig getroffen habe. Die Entwicklung in China scheine in diesem Zusammenhang bereits von den Marktteilnehmern nahezu abgehakt, es gehe nun insbesondere um die USA, Europa und den Rest der Welt. Die Auswirkungen des Virus würden Angebots- und Nachfrageseite betreffen. Produktionen seien stillgelegt, Lieferketten unterbrochen. Konsumenten würden ihr Verhalten ändern, sie würden nicht mehr auf große Veranstaltungen gehen und Reisen stornieren. Gewisse Branchen, etwa die Logistik- oder Reisebranche, seien extrem unter Druck.
Schon jetzt mache sich in vielen Homeoffices und Familien "Lagerkoller" breit. Das bundesweite Kontaktverbot drücke auf die Gemüter und würge gleichermaßen die Wirtschaft regelrecht ab. So sei der GfK-Konsumklimaindex für April um 5,6 auf 2,7 Zähler dramatisch eingebrochen. Das sei der niedrigste Wert seit Mai 2009 zuzeiten der Finanzkrise.
Das wichtigste wirtschaftspolitische Beratergremium der Bundesregierung rechne wegen der Corona-Pandemie damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr deutlich schrumpfe. Mit -2,8% bis -5,4% dürfte der Rückgang aber weniger drastisch ausfallen als etwa vom ifo-Institut erwartet. Die Auswirkungen des Corona-Schocks auf die deutsche Wirtschaft würden die Ökonomen in drei Szenarien skizzieren: Im ersten und zugleich wahrscheinlichsten "Basisszenario" würden sie mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von -2,8% rechnen. Dieses trete ein, wenn die Maßnahmen zur Virus-Eindämmung rasch griffen und sich die Lage über den Sommer wieder normalisiere.
Für 2021 sei dann ein BIP-Plus von 3,7% zu erwarten. Sollte es aber zu großflächigen Produktionsstilllegungen kommen oder die Einstellung sämtlicher Aktivitäten länger als derzeit geplant anhalten, sei ein herberer Einbruch von 5,4% möglich. In dem Fall könne die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in Form einer V-Kurve beschrieben werden. Immerhin sei dann aber von einer regelrechten Aufholjagd und einem BIP-Plus von 4,9% in 2021 auszugehen.
Jede Pandemie sei ein temporäres Phänomen, deren Ende von vielen Faktoren, vor allem von der Beantwortung der Frage, wann ein Impfstoff zur Verfügung stehe, abhänge. Entscheidend hierbei sei, wie lange Unternehmen durchhalten könnten. Im Falle einer Vielzahl von Insolvenzen könnte sich die Angebotsstruktur nachhaltig verändern. Und es gebe einen Effekt auf die Nachfrage: Würden Beschäftigte ihren Job verlieren, trübe sich die Verbraucherstimmung ein und die Kaufkraft sinke. Die Politik tue gut daran, dafür Sorge zu tragen, dass das vorübergehende Phänomen keinen dauerhaften volkswirtschaftlichen Schaden anrichte. Derzeit diktieren Virologen der Politik das Vorgehen, der Blick auf die Wirtschaft schien zunächst vergessen, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.
Fiskalpolitische Initiativen wie Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld, Brückenkreditprogramme seien dann aber ausgerufen worden, was zur Beruhigung der Märkte beigetragen habe. So hätten die G20-Staaten den koordinierten Kampf gegen das Virus aufgenommen. Die USA und China möchten nun stärker kooperieren und die Handelsstreitigkeiten hinter sich lassen. Beruhigend hätten sich zudem die fiskalischen Maßnahmen beiderseits des Atlantiks ausgewirkt. Das US-Parlament habe ein zwei Billionen US-Dollar umfassendes Konjunkturpaket beschlossen. Der Deutsche Bundestag habe in Rekordzeit einen Nachtragshaushalt mit 156 Milliarden Euro Neuverschuldung sowie Staatsgarantien in Höhe von 600 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Die EU-Schuldenbremse sei zugleich ausgesetzt worden.
Die Coronakrise rufe nicht nur staatlich Verantwortliche, sondern auch die Notenbanken auf den Plan. Massive geldpolitische Maßnahmen zur Stützung der Märkte seien in aller Eile von den Notenbanken beschlossen worden. Zum einen habe sich die US-Notenbank Federal Reserve (FED) bereit erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen und bestimmte mit Hypotheken besicherte Wertpapiere zu kaufen, soweit dies für das ordnungsgemäße Funktionieren von Finanzmärkten und Geldpolitik erforderlich sei. Bisher habe die FED zugesichert, Staatsanleihen im Wert von einer halben Billion Dollar und Hypothekenpapiere im Wert von 200 Milliarden Dollar zu erwerben.
Zum anderen lege die FED mehrere Kreditprogramme auf, mit denen vor allem die US-Unternehmen und Haushalte gestützt werden sollten. Diese Programme hätten einen Gesamtumfang von bis zu 300 Milliarden Dollar. Weiterhin solle der Kreditfluss an die Kommunen aufrechterhalten werden. Zudem steige die FED indirekt in den Kauf von Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investment Grade) ein.
Die FED begründe ihr erneutes Eingreifen mit dem erheblichen Schaden, der der amerikanischen Wirtschaft aufgrund der Virus-Ausbreitung drohe. Deshalb erfordere es jetzt scharfe Maßnahmen im öffentlichen wie im privaten Wirtschaftssektor. Damit sollten Arbeitsplatz- und Einkommensverluste begrenzt und die rasche konjunkturelle Erholung nach der Krise unterstützt werden.
Ähnlich argumentiere die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Auswirkungen des Virus. Sie habe das große Geschoss, die finanzielle "Bazooka" abgefeuert. 750 Milliarden Euro wolle EZB-Präsidentin Christine Lagarde über Anleihekäufe klammen Staaten und Unternehmen zukommen lassen. 2020 steige das Ankauf-Volumen der EZB mit bereits getroffenen Zusagen auf zusammen 1,1 Billionen Euro an. Dieses Paket mache knapp 10% des Bruttoinlandsprodukts aller Euro-Staaten aus. Dies zeige die Dimension der Wirtschaftskrise, die durch die Eindämmung der Corona-Pandemie ausgelöst werden könne. Noch vor kurzem sei die EZB-Präsidentin zögerlich gewesen, inzwischen habe sie sich zum Handeln gezwungen gesehen.
Dafür nähmen die Notenbanken einen starken Volumenanstieg der Bilanzen und des Risikos in Kauf. Die Regierungen seien bestrebt, dass die Liquiditäts- und Kapitalversorgung der Unternehmen und privaten Haushalte gesichert sei. Zugleich würden großvolumige Investitionsprogramme avisiert, die die notwendigen Wachstumsimpulse liefern sollten. Die Finanzierung dieser Programme sei unproblematisch, da die Notenbanken die enormen Neuemissionen im Zweifel auf ihre Bilanz nehmen würden. Im Euroraum bzw. in der EU werde zusätzlich diskutiert, dass die Schulden teilweise vergemeinschaftet werden sollten und man zu diesem Zweck EU-Bonds oder Euro-Bonds emittieren möchten. Derzeit stelle sich die deutsche Bundesregierung neben einigen anderen Ländern, etwa Österreich und die Niederlande, gegen diesen Plan.
Die Bewegungen der letzten Tage an den Finanzmärkten seien extrem gewesen. Auf einen fast beispiellosen Kursverfall an den Aktienmärkten in der vergangenen Wochen seien in den letzten Tagen ebenso rekordverdächtige Kursgewinne gefolgt. So sei der Deutsche Aktienindex von seinem noch im Februar gesehenen Allzeithoch bei 13.827 Punkten dynamisch auf zwischenzeitlich 7.959 Zähler gefallen. Anschließend habe vor dem Hintergrund der getroffenen Maßnahmen eine Kurserholung eingesetzt, die den DAX dann zumindest vorübergehend wieder über die 10.000-Punkte-Marke gehievt habe. Auch andere führende Aktienindices hätten eine kräftige Gegenbewegung eingeleitet.
Die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust würden vor einer Fortsetzung des Anstiegs allerdings nochmals einen kräftigen Rücksetzer maximal auf die bisherigen Tiefpunkte erwarten, bevor ein volatiler Kursanstieg einsetzen sollte.
Auch die Renditen würden keineswegs das typische Muster zeigen, das man aus konjunkturellen Zyklen kenne. Es fehle an Orientierung, weil derzeit niemand realistisch in der Lage sei, auch nur eine halbwegs verlässliche Prognose für die kommenden Wochen zu erstellen. Eines sei jedoch klar: Die Wirtschaftspolitik und auch die Notenbanken würden derzeit versuchen mit allen verfügbaren Mitteln gegen die Krise anzukämpfen. Den Rücklauf der wirtschaftlichen Aktivität, der durch die massiven Eindämmungsmaßnahmen verursacht werde, könne sie indes nicht verhindern. Die Politik sei bemüht, Zweitrundeneffekte abzufedern, die etwa durch einen rapiden Anstieg der Unternehmensinsolvenzen entstehen könnten. Die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust würden verhalten optimistisch in die Zukunft blicken. (Ausgabe April 2020) (01.04.2020/alc/a/a)
Anfang April 2020 seien alleine in Deutschland laut der aktuellen Statistik der Johns Hopkins University mehr als 71.808 Infektionen mit dem Coronavirus registriert worden. 775 Infizierte seien bundesweit gestorben, weltweit sollten es 42.345 Personen sein. Weltweit hätten die Regierungen und Notenbanken Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und die angeschlagene Wirtschaft stützen zu können.
Auf oder in der Nähe des Höhepunkts des Angstzyklus würden rationale Bewertungen oft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Ganze Volkswirtschaften würden nahezu vollständig heruntergefahren, es komme zum staatlich angeordneten Shutdown. Die auf Basis der Einschätzungen und Annahmen von Virologen getroffenen Entscheidungen seien sicher richtig, würden aber die Menschen verunsichern. Hinzu komme, anders als etwa in der Finanzkrise, dass jeder die Auswirkungen spüre und sehe. Der gegenwärtige Angstzustand halte jedoch nicht ewig an. Menschen würden sich an die neue Situation anpassen und es komme im weiteren Verlauf zur Normalisierung. Bis dahin dauere es aber sicherlich noch einige Zeit.
Auch wenn das Virus Ende März noch nicht erkennbar in seiner Dynamik eingedämmt sei, habe in Deutschland in den vergangenen Tagen bereits eine Diskussion über eine Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie begonnen.
Kanzlerin Merkel und der bayerische Ministerpräsident Söder hätten gesagt, bevor hierzu die Möglichkeit bestünde, müsse zur Entlastung des Gesundheitssystems die Zeit der Verdoppelung der Infizierten-Fallzahlen deutlich gestreckt werden. Der richtige Zeitpunkt hierfür sei also noch nicht gekommen.
Das Coronavirus sei ein exogener Schock, der die Volkswirtschaften nahezu gleichzeitig getroffen habe. Die Entwicklung in China scheine in diesem Zusammenhang bereits von den Marktteilnehmern nahezu abgehakt, es gehe nun insbesondere um die USA, Europa und den Rest der Welt. Die Auswirkungen des Virus würden Angebots- und Nachfrageseite betreffen. Produktionen seien stillgelegt, Lieferketten unterbrochen. Konsumenten würden ihr Verhalten ändern, sie würden nicht mehr auf große Veranstaltungen gehen und Reisen stornieren. Gewisse Branchen, etwa die Logistik- oder Reisebranche, seien extrem unter Druck.
Schon jetzt mache sich in vielen Homeoffices und Familien "Lagerkoller" breit. Das bundesweite Kontaktverbot drücke auf die Gemüter und würge gleichermaßen die Wirtschaft regelrecht ab. So sei der GfK-Konsumklimaindex für April um 5,6 auf 2,7 Zähler dramatisch eingebrochen. Das sei der niedrigste Wert seit Mai 2009 zuzeiten der Finanzkrise.
Das wichtigste wirtschaftspolitische Beratergremium der Bundesregierung rechne wegen der Corona-Pandemie damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung in diesem Jahr deutlich schrumpfe. Mit -2,8% bis -5,4% dürfte der Rückgang aber weniger drastisch ausfallen als etwa vom ifo-Institut erwartet. Die Auswirkungen des Corona-Schocks auf die deutsche Wirtschaft würden die Ökonomen in drei Szenarien skizzieren: Im ersten und zugleich wahrscheinlichsten "Basisszenario" würden sie mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von -2,8% rechnen. Dieses trete ein, wenn die Maßnahmen zur Virus-Eindämmung rasch griffen und sich die Lage über den Sommer wieder normalisiere.
Für 2021 sei dann ein BIP-Plus von 3,7% zu erwarten. Sollte es aber zu großflächigen Produktionsstilllegungen kommen oder die Einstellung sämtlicher Aktivitäten länger als derzeit geplant anhalten, sei ein herberer Einbruch von 5,4% möglich. In dem Fall könne die Entwicklung der Wirtschaftsleistung in Form einer V-Kurve beschrieben werden. Immerhin sei dann aber von einer regelrechten Aufholjagd und einem BIP-Plus von 4,9% in 2021 auszugehen.
Fiskalpolitische Initiativen wie Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld, Brückenkreditprogramme seien dann aber ausgerufen worden, was zur Beruhigung der Märkte beigetragen habe. So hätten die G20-Staaten den koordinierten Kampf gegen das Virus aufgenommen. Die USA und China möchten nun stärker kooperieren und die Handelsstreitigkeiten hinter sich lassen. Beruhigend hätten sich zudem die fiskalischen Maßnahmen beiderseits des Atlantiks ausgewirkt. Das US-Parlament habe ein zwei Billionen US-Dollar umfassendes Konjunkturpaket beschlossen. Der Deutsche Bundestag habe in Rekordzeit einen Nachtragshaushalt mit 156 Milliarden Euro Neuverschuldung sowie Staatsgarantien in Höhe von 600 Milliarden Euro auf den Weg gebracht. Die EU-Schuldenbremse sei zugleich ausgesetzt worden.
Die Coronakrise rufe nicht nur staatlich Verantwortliche, sondern auch die Notenbanken auf den Plan. Massive geldpolitische Maßnahmen zur Stützung der Märkte seien in aller Eile von den Notenbanken beschlossen worden. Zum einen habe sich die US-Notenbank Federal Reserve (FED) bereit erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen und bestimmte mit Hypotheken besicherte Wertpapiere zu kaufen, soweit dies für das ordnungsgemäße Funktionieren von Finanzmärkten und Geldpolitik erforderlich sei. Bisher habe die FED zugesichert, Staatsanleihen im Wert von einer halben Billion Dollar und Hypothekenpapiere im Wert von 200 Milliarden Dollar zu erwerben.
Zum anderen lege die FED mehrere Kreditprogramme auf, mit denen vor allem die US-Unternehmen und Haushalte gestützt werden sollten. Diese Programme hätten einen Gesamtumfang von bis zu 300 Milliarden Dollar. Weiterhin solle der Kreditfluss an die Kommunen aufrechterhalten werden. Zudem steige die FED indirekt in den Kauf von Unternehmensanleihen mit guter Bonität (Investment Grade) ein.
Die FED begründe ihr erneutes Eingreifen mit dem erheblichen Schaden, der der amerikanischen Wirtschaft aufgrund der Virus-Ausbreitung drohe. Deshalb erfordere es jetzt scharfe Maßnahmen im öffentlichen wie im privaten Wirtschaftssektor. Damit sollten Arbeitsplatz- und Einkommensverluste begrenzt und die rasche konjunkturelle Erholung nach der Krise unterstützt werden.
Ähnlich argumentiere die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die Auswirkungen des Virus. Sie habe das große Geschoss, die finanzielle "Bazooka" abgefeuert. 750 Milliarden Euro wolle EZB-Präsidentin Christine Lagarde über Anleihekäufe klammen Staaten und Unternehmen zukommen lassen. 2020 steige das Ankauf-Volumen der EZB mit bereits getroffenen Zusagen auf zusammen 1,1 Billionen Euro an. Dieses Paket mache knapp 10% des Bruttoinlandsprodukts aller Euro-Staaten aus. Dies zeige die Dimension der Wirtschaftskrise, die durch die Eindämmung der Corona-Pandemie ausgelöst werden könne. Noch vor kurzem sei die EZB-Präsidentin zögerlich gewesen, inzwischen habe sie sich zum Handeln gezwungen gesehen.
Dafür nähmen die Notenbanken einen starken Volumenanstieg der Bilanzen und des Risikos in Kauf. Die Regierungen seien bestrebt, dass die Liquiditäts- und Kapitalversorgung der Unternehmen und privaten Haushalte gesichert sei. Zugleich würden großvolumige Investitionsprogramme avisiert, die die notwendigen Wachstumsimpulse liefern sollten. Die Finanzierung dieser Programme sei unproblematisch, da die Notenbanken die enormen Neuemissionen im Zweifel auf ihre Bilanz nehmen würden. Im Euroraum bzw. in der EU werde zusätzlich diskutiert, dass die Schulden teilweise vergemeinschaftet werden sollten und man zu diesem Zweck EU-Bonds oder Euro-Bonds emittieren möchten. Derzeit stelle sich die deutsche Bundesregierung neben einigen anderen Ländern, etwa Österreich und die Niederlande, gegen diesen Plan.
Die Bewegungen der letzten Tage an den Finanzmärkten seien extrem gewesen. Auf einen fast beispiellosen Kursverfall an den Aktienmärkten in der vergangenen Wochen seien in den letzten Tagen ebenso rekordverdächtige Kursgewinne gefolgt. So sei der Deutsche Aktienindex von seinem noch im Februar gesehenen Allzeithoch bei 13.827 Punkten dynamisch auf zwischenzeitlich 7.959 Zähler gefallen. Anschließend habe vor dem Hintergrund der getroffenen Maßnahmen eine Kurserholung eingesetzt, die den DAX dann zumindest vorübergehend wieder über die 10.000-Punkte-Marke gehievt habe. Auch andere führende Aktienindices hätten eine kräftige Gegenbewegung eingeleitet.
Die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust würden vor einer Fortsetzung des Anstiegs allerdings nochmals einen kräftigen Rücksetzer maximal auf die bisherigen Tiefpunkte erwarten, bevor ein volatiler Kursanstieg einsetzen sollte.
Auch die Renditen würden keineswegs das typische Muster zeigen, das man aus konjunkturellen Zyklen kenne. Es fehle an Orientierung, weil derzeit niemand realistisch in der Lage sei, auch nur eine halbwegs verlässliche Prognose für die kommenden Wochen zu erstellen. Eines sei jedoch klar: Die Wirtschaftspolitik und auch die Notenbanken würden derzeit versuchen mit allen verfügbaren Mitteln gegen die Krise anzukämpfen. Den Rücklauf der wirtschaftlichen Aktivität, der durch die massiven Eindämmungsmaßnahmen verursacht werde, könne sie indes nicht verhindern. Die Politik sei bemüht, Zweitrundeneffekte abzufedern, die etwa durch einen rapiden Anstieg der Unternehmensinsolvenzen entstehen könnten. Die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust würden verhalten optimistisch in die Zukunft blicken. (Ausgabe April 2020) (01.04.2020/alc/a/a)


