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Vertrauensschock in US-Staatsanleihen


16.04.25 09:30
MFS Investment Management

Boston (www.anleihencheck.de) - Es kommt selten vor, dass bei einer Marktkorrektur wie letzte Woche in den USA sowohl Staatsanleihen als auch Aktien und Devisen zur gleichen Zeit abwerten. "Wir sehen dies als Zeichen dafür, dass das Vertrauen der Anleger und Anlegerinnen weltweit in auf US-Dollar lautende Vermögenswerte erheblich erschüttert wurde", sagt Benoit Anne, Anleiheexperte bei MFS Investment Management.

Der US-Dollar habe abgewertet, die Kurse von US-Anleihen seien gesunken, und der US-Aktienmarkt sei gefallen. Es sei – kurz gesagt – ein Schock für die politische Glaubwürdigkeit. Eine verlässliche Politik sei für die Finanzmärkte enorm wichtig, und kein Land stehe über diesem grundlegenden Marktgesetz – offenbar nicht einmal die USA.

Das besorgniserregendste Signal gehe nach Ansicht der Experten vom US-Staatsanleihen-Markt aus. Während die sich etwas verschlechternden makroökonomischen Fundamentaldaten im Prinzip die Anleiherenditen haben sinken lassen müssen, sei derzeit das Gegenteil der Fall. Warum? Wahrscheinlich, weil der US-Staatsanleihen-Markt – zumindest vorübergehend – seinen Status als sicherer Hafen verloren habe.

Angesichts der gestiegenen Risikoaversion scheinen US-Staatsanleihen derzeit also nicht mehr den Schutz zu bieten, den sie früher gehabt haben, was zu einem Aufwärtsdruck auf die Renditen führt, so die Experten von MFS Investment Management. Natürlich sei es noch zu früh, um zu sagen, ob dieser Vertrauensschock noch lange anhalten werde. Angesichts der extremen politischen Ungewissheit sollten wir uns darauf einstellen, dass sich das Marktumfeld in relativ kurzer Zeit radikal ändern könne.

Doch im Moment habe dieses ungewöhnliche Marktregime einige wichtige Auswirkungen. Zunächst einmal scheine die Korrelation zwischen Anleihen und Aktien wieder anzusteigen. Falls diese Situation anhalte, werde dadurch die Rolle von festverzinslichen Wertpapieren zur Diversifizierung von Portfolios untergraben.

Inzwischen würden die US-Marktzinsen steigen, aber aus den falschen Gründen. Sie hätten nichts mit einem verbesserten makroökonomischen Umfeld zu tun, sondern nur mit der Neubewertung von Staatsrisiken.

Auf der Währungsseite gebe es ebenfalls eine ungewöhnliche Entwicklung: Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa habe sich erheblich vergrößert, was normalerweise ein starkes Aufwärtssignal für den US-Dollar auslösen würde. Allerdings würden sich die Währungsmärkte gegenwärtig nicht mehr um die Zinsdynamik kümmern. Die Folge: Der Euro sei gestiegen, der US-Dollar gefallen.

Schließlich scheinen Anleger und Anlegerinnen ihr Kapital stärker zu diversifizieren – und zwar weg von den USA hin zu Europa und den Rest der Welt, so die Experten von MFS Investment Management. Angesichts der derzeitigen Risiken in den USA und der damit verbundenen möglichen Folgen sei auf kurze Sicht Vorsicht gegenüber risikoreichen Anlagen geboten. (16.04.2025/alc/a/a)