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Vermeidung "sicherer Häfen" ist maßgeblich für Ertragsverbesserung von Anleihen


09.04.13 10:31
Franklin Templeton

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Zuge der Diskussion über den "großen Wechsel" von Anleihen zu Aktien lässt sich die Annahme der Anleger entschuldigen, die Aussichten der festverzinslichen Anlageklasse sei 2013 generell düster, so die Experten von Franklin Templeton.

Es stimme, in den vergangenen Monaten hätten sich die Returns von vielen Staatsanleihen, die als "sichere Häfen" gelten würden - vor allem die USA, Deutschland und Großbritannien - negativ entwickelt. Der Grund: Ihre Renditen hätten von den historischen Tiefständen von 2012 in der Mitte der Staatsschuldenkrise der Eurozone zugenommen.

Infolge des negativen Kapitalertrags hätten die Inhaber von zehnjährigen US-Staatspapieren im Januar den gesamten Zinscoupon von 2013 verloren. Erst kürzlich hätten zehnjährige US-Staatspapiere über 2% rentiert und seien gegenüber dem Rekordtiefstand von 1,39% im Juli 2012 gestiegen. Dadurch habe sich insgesamt die Möglichkeit eines negativen Returns in 2013 für die Anleger in US-Treasuries erhöht.

Derartig nachteilige Ergebnisse für US-Staatspapiere sowie für anderweitige angebliche sichere Häfen würden jedoch nicht unbedingt in anderen Bereichen des Anleihemarkts nachgebildet. Aus Sicht der Experten könnten Investoren in diesem Jahr dennoch angemessene Returns erzielen. Durch die Diversifikation, die sich von den Anleihen der angeblich sicheren Häfen abwende und sich auf andere Bereiche, wie die Schwellenmärkte bzw. die qualitativ hochwertigen Emissionen von Unternehmensanleihen, konzentriere.

Zu den nach Ansicht der Experten viel versprechenden Staatsanleihen der Schwellenmärkte würden Litauen, Chile und Mexiko sowie bestimmte asiatische Länder gehören. Im Fall Litauen seien die Renditen von vor einigen Jahren für zehnjährige Staatsanleihen von 8,5% auf derzeit ca. 4,5% gesunken. Trotz des starken Rückgangs lohne es sich nach Meinung der Experten die litauischen Anlagen weiter zu halten, da die Volkswirtschaft und die finanzpolitischen Fundamentaldaten verhältnismäßig gesund seien.

Die Verschuldungsquote Litauens von 25% sei beispielsweise verglichen mit der der USA von 85% günstig. Beträchtliche ausländische Mittel seien zweifellos in die Staatsanleihen der Schwellenmärkte geflossen, wie z. B. Litauen. Dies sei jedoch kein Grund, die zugrunde liegende Anleihe zugunsten einer Anleihe eines angeblich sicheren Hafens, wie US-Staatspapiere, zu verkaufen.

Analog könne man für andere bevorzugte Schwellenmärkte argumentieren. Die Renditen der chilenischen Staatsanleihen hätten einen ähnlichen Rückgang verzeichnet wie die litauischen. Er sei ebenfalls der kräftigen haushaltspolitischen Lage, der Leistungsbilanz Chiles sowie der niedrigen Verschuldungsquote zuzuschreiben.

Neben diesen positiven Strukturbedingungen verfüge das Land über reiche Rohstoffvorkommen und habe im krassen Gegensatz zu den USA ein völlig kapitalgedecktes Rentenversicherungssystem. Im Fall Mexiko komme hinzu, dass das Zusammenspiel der Volkswirtschaft mit dem US-Wachstum ein zusätzlicher Vorteil sei, der nach Ermessen der Experten dem Land zugute kommen sollte, wenn die US-Konjunkturerholung an Dynamik gewinne. Außerdem hätten sie Allokationen in auf Lokalwährung lautenden Anleihen von asiatischen Ländern bevorzugt wie Malaysia und Südkorea. Die Renditen zahlreicher dieser Emissionen seien - so würden sie meinen - nach wie vor potenziell attraktiv. Langfristig könnten die Währungen beider Länder von einer weiteren Aufwertung gegenüber dem USD profitieren.

Taktisch könnten die Experten zwar ihr Engagement in Anleihen der Schwellenmärkte zurückschrauben, wenn sie glauben würden, dass sich die Bewertungen weit über die Fundamentaldaten entwickelt hätten. Es sei jedoch schwer, sich ein kurz- bis mittelfristiges Szenario vorzustellen, in dem sie dieses Engagement ganz beseitigen würden, vor allem in Anbetracht des Wirtschaftsklimas und der eingeschränkten Alternativen.

Damit solle nicht gesagt werden, dass Industriestaaten keine Anlagechancen für Staatsanleihen böten. Auch wenn die Experten gegen die angeblich sicheren Häfen für Anleihen in den USA, Deutschland, Japan und Großbritannien eine Abneigung hätten. Französische und italienische Staatsanleihen würden ihrer Meinung nach zu einem angemessenen Wert, verglichen mit Bundesanleihen, gehandelt. Länder wie Kanada, Australien und das Gros Skandinaviens würden sich dadurch (neben ihren bevorzugten Schwellenmärkten) unterscheiden, dass sie überlegene Wachstumsaussichten sowie günstige Verschuldungsquoten hätten. Deshalb seien ihre Schuldtitel viel versprechender als die der verhältnismäßig langsam wachsenden, verschuldeten G3-Länder (d. h. USA, Eurozone und Japan).

Obwohl zum Beispiel aufgrund von Wahlen in der Eurozone immer wieder Marktschwankungen auftreten könnten, werde 2013 nach Meinung der Experten ein hartes Jahr für die Inhaber von Anleihen der angeblich sicheren Häfen. Während dieses Zeitraums könnte es aus ihrer Sicht zu negativen Returns von einigen dieser Emissionen kommen. Doch die herausfordernde Lage von Anleihen der angeblich sicheren Häfen - so würden sie meinen - sollte Investoren nicht von den potenziellen Erträgen von Anleihen anderer Bereiche ablenken. Beispielsweise die auf USD lautenden Staatsanleihen von Ländern wie Litauen, Chile und Mexiko oder die auf Lokalwährung lautenden Anleihen von Malaysia und Südkorea. (Perspektiven März 2013) (09.04.2013/alc/a/a)