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Unternehmensanleihen stark gefragt - Kernländer bleiben attraktiver als Peripherie


09.10.12 09:59
Bank Sarasin & Cie AG

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Aussicht auf Staatsanleihekäufe durch die EZB hatte starken Einfluss auf die Kreditmärkte - vor allem in Spanien und Italien, so Sergio Andenmatten, Analyst der Bank Sarasin & Cie AG.

Die Anspannungen in der Peripherie dürften aus verschiedenen Gründen allerdings bald zurückkehren. So schätze die Bank Sarasin ein, dass die EZB mit ihrem Anleihenkaufprogramm zwar für eine Senkung der Kreditkosten sorge und eine monetäre Straffung in den Peripherieländern verhindere, doch es werde keine nachhaltige Bewältigung der Budgetdefizite gewährleistet. Insofern bekämpfe das Anleihenkaufprogramm der EZB lediglich die Symptome der Schuldenkrankheit, nicht aber deren Ursache. Zudem würden die Gewinnausweise für das zweite Quartal 2012 sinkende und unterdurchschnittliche Bonitätskennzahlen von spanischen und italienischen Unternehmen aufzeigen - eine Tendenz, die sich weiter intensivieren dürfte, angesichts der Auswirkungen von Sparpolitik, Wachstumsschwäche, Kapitalflucht und steigenden Kreditzinsen in den betroffenen Ländern.

Dagegen würden die Unternehmen in den europäischen Kernländern, wie beispielsweise Deutschland, weiterhin mit robusten Fundamentalfaktoren aufwarten. Wichtiger noch, sie dürften gleichzeitig die Hauptnutznießer des anhaltend positiven technischen Umfeldes bleiben, welches vor allem durch eine Verknappung verfügbarer Anleihen gekennzeichnet sei. So habe eine ungewöhnliche Konstellation von Faktoren in den letzten zwei Jahren eine Verkleinerung des europäischen Markts für Investment Grade (IG)-Anleihen bewirkt: Zum einen seien viele nachrangige Bankanleihen und Schuldtitel aus den Peripherieländern zu High-Yield heruntergestuft worden. Zum anderen habe die unkonventionelle Politik der EZB einen Abzug zahlreicher IG-Anleihen von den Märkten zur Folge gehabt.

Außerdem sei eine wachsende Anzahl von Unternehmensanleihen entweder über Rücknahmen und zuletzt verstärkt über Tender-Offerten von den Märkten genommen worden. Zudem hätten die europäischen Banken deutlich weniger vorrangige unbesicherte Anleihen herausgegeben als in der Vergangenheit, sodass die wichtigste Quelle für den Primärmarkt für IG-Anleihen versiegt sei. Des Weiteren würden Unternehmensanleihen weiterhin eine äußerst attraktive Überrendite gegenüber Staatsanleihen mit AAA-Rating erzielen - ein Umstand, welcher auf die Investoren angesichts der momentanen Jagd nach Rendite eine enorme Anziehungskraft ausüben dürfte. Aus diesen Gründen hetze eine immer größer werdende Schar von Investoren einer abnehmenden Zahl von Anleihen nach - eine Kombination, die bekannterweise einer Preissteigerung nicht abträglich sei.

Insgesamt schätze die Bank Sarasin daher den Ausblick für die Kreditmärkte weiterhin als positiv ein. Zudem sei die Übergewichtung von Kernländern gegenüber den Problemstaaten aus genannten Gründen weiterhin ein zentraler Pfeiler ihrer Kreditstrategie. Konkret erwarte die Bank Sarasin angesichts der zunehmenden Unsicherheiten im Fall von Spanien bis Ende des Jahres eine Korrektur in den Peripheriemärkten. (09.10.2012/alc/a/a)