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Unternehmensanleihen bleiben attraktiv, Aktien untergewichten


05.10.16 11:27
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Die Politik wird die Finanzmärkte in den kommenden Monaten dominieren, so Franz Wenzel, Chefstratege von AXA Investment Managers.

Er verweise auf das Referendum in Italien, die Präsidentschaftswahlen in den USA, Frankreich und Deutschland sowie auf die Tatsache, dass die wirtschaftlichen Folgen des Brexit noch ausstünden. Die politischen Unwägbarkeiten seien hoch geblieben, die sehr expansive Geldpolitik dauere an, und das weltweite Wirtschaftswachstum werde verhalten sein.

Während die Geldpolitik Anleihen unterstütze, seien Aktien bereits teuer und würden unter schwachem Gewinnwachstum leiden. Im Euroraum würden die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) im Umfeld der äußerst verhaltenen Inflation fortgeführt und somit weiterhin für niedrige oder negative Zinsen sorgen. In den USA dürfte ein möglicher Zinsanstieg moderat ausfallen, da die Notenbank FED im Spannungsfeld zwischen Vollbeschäftigung und schwacher Produktivität agieren müsse. Für die globale Wirtschaft erwarte Wenzel für das nächste Jahr ein Wachstum von rund 2,8 Prozent.

In seiner Anlagestrategie empfehle er, Aktien unterzugewichten; Gründe dafür seien das verhaltene Gewinnwachstum und die bereits ansprechende Bewertung. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis von 21 signalisiere eine leichte Überteuerung von Aktien, und die optimistischen Gewinnerwartungen vieler Analysten stünden im Gegensatz zu den schwindenden Gewinnmargen insbesondere in den USA.

Unternehmensanleihen hingegen würden noch Potenzial bergen: Die expansive Geldpolitik der EZB halte die Risikoprämien niedrig. Zudem garantiere die Verlängerung des Anleihekaufprogramms niedrige Zinsen und sei zugleich Sicherheitsnetz. Doch während Euro-Anleihen die Unterstützung der EZB genießen würden, seien amerikanische Unternehmensanleihen bereits teuer. Ebenso müsse beachtet werden, dass die Politik der Notenbanken zu langfristigen Marktverwerfungen führe.

In seinem Ausblick für die einzelnen Wirtschaftsregionen sei Wenzel in Bezug auf die USA am positivsten. Der ISM-Einkaufsmanagerindex, der mit einem Vorlauf von drei bis sechs Monaten die Entwicklung der US-Industrieproduktion abbilde, signalisiere eine Stabilisierung. Der Konsum stütze die Wirtschaft, und das Konsumentenvertrauen verharre auf hohem Niveau. Bremsend würden das schwache Produktivitätswachstum, steigende und auf die Gewinnmargen drückende Lohnstückkosten sowie der stärkere US-Dollar, der die Investitionen belaste, wirken. Für 2016 prognostiziere Wenzel ein US-Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent, für 2017 eine Wachstumsrate von nahezu 2 Prozent.

In der Eurozone erwarte er ein stabiles Wachstum auf niedrigem Niveau von 1,5 Prozent in diesem und von 1,2 Prozent im nächsten Jahr. Positiv zu Buche würden der private Konsum, die leichte Erholung am Arbeitsmarkt und die tendenziell steigenden Immobilienpreise schlagen. Sorgenkind bleibe die zu niedrige Inflation. Aber die Unternehmen hätten ihren Verschuldungsgrad trotz der tiefen Zinsen kaum angehoben.

Der Chefstratege von AXA Investment Managers fasse zusammen: "Das enttäuschende Wachstum der Unternehmensgewinne und die relativ hohe Bewertung der Aktienmärkte rechtfertigen eine Untergewichtung von Aktien. Im Gegensatz dazu weisen Unternehmensobligationen geringe Ausfallraten auf, und sie profitieren von der Unterstützung der EZB. Sie bieten zurzeit das attraktivste Risiko-Rendite-Profil." (05.10.2016/alc/a/a)