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Unternehmensanleihen mit attraktiven Risikoprämien


18.01.19 11:30
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Brexit, Brexit und kein Ende. Die Nachrichten werden nach wie vor von diesem Thema dominiert, so die Analysten der Weberbank.

Zeitweise sei dadurch sogar die Berichterstattung über den Handelsstreit zwischen den USA und China verdrängt worden. Man könne im Folgenden erfahren, welche Neuigkeiten es bei diesen zwei Themen gegeben habe und was darüber hinaus in den letzten zwei Wochen noch für die Geldanlage von Relevanz gewesen sei.

Eine harte Woche liege hinter Theresa Mary May. Zunächst habe sie noch in Einzelterminen für die Annahme ihres mit der EU ausgehandelten Brexit-Deals geworben. Dann habe sie sich erneut den bohrenden Fragen und Anfeindungen im Parlament stellen müssen. Schließlich habe sie am Dienstag die Abstimmung über ihr Brexit-Paket mit dem schlechtesten Abstimmungsergebnis verloren, das ein britischer Premier seit fast 100 Jahren eingefahren habe. Vorgestern habe sie sich dann einem erneuten Misstrauensvotum stellen müssen, welches sie allerdings gewonnen habe. Zu beneiden sei die Britische Premierministerin aktuell nicht. Denn in einem Punkt habe sie sicherlich recht: Die Parlamentarier hätten ihr zwar gesagt, wie sie sich den Brexit nicht vorstellen würden. Aber sie hätten ihr nicht gesagt, wie der Deal denn nun eigentlich aussehen solle.

Zusätzlich habe es May mit einem nicht gerade gesprächsbereiten Oppositionsführer Jeremy Corbyn zu tun. Deshalb würden die Briten nach wie vor in einem Dilemma stecken, und man habe fast den Eindruck, dass es für keine Option eine Mehrheit geben würde, sei es für eine Verschiebung des Brexits oder für einen neuen Deal oder gar für eine neue Volksabstimmung. Dementsprechend würden sich im Moment sicherheitshalber alle EU-Staaten auf einen Hard-Brexit vorbereiten. Doch für einen solchen gebe es, wie es der Chef der deutschen Finanzaufsicht Felix Hufeld ausgedrückt habe, keine Checkliste.

Dementsprechend nervös würden sich nach wie vor die Aktienmärkte Europas zeigen. Denn die wirtschaftliche Verflechtung zwischen der EU und Großbritannien sei insbesondere bei den Lieferketten nicht zu verachten. So würden sich die Investoren fragen, ob diese Lieferketten aufrechterhalten werden könnten, wenn es zum Hard-Brexit komme? Oder ob dann kilometerlange LKW-Staus zwischen der EU und ihrem verlorenen Mitglied entstehen würden, die letztlich die, in der heutigen Zeit bis auf die Minute optimierten, Produktionsabläufe zum Erliegen bringen würden. Hier sei sicherlich auch der Grund dafür zu sehen, dass sich die US-Aktienmärkte in diesem Jahr bisher deutlich besser zeigen würden als ihre europäischen Pendants.

Zwar seien die Gewinnschätzungen in den USA für die aktuell startende Berichtssaison zum vierten Quartal 2018 ebenfalls zurückgenommen worden, aber in den dort belastenden USA/China-Handelsstreit scheine im Gegensatz zum Brexit zumindest etwas Bewegung zu kommen. Zusätzlich unterstützend wirke der nach wie vor sehr starke Arbeitsmarkt, der die Kaufkraft der Konsumenten weiter antreiben sollte. Gleichzeitig bleibe die Inflation im Zielkorridor, und die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank FED seien zuletzt eher zurückgenommen worden.

Hemmend wirke hingegen der nach wie vor anhaltende "Shutdown", also die Schließung zahlreicher Bundesbehörden aufgrund fehlender Budgets durch den Kampf Donald Trumps um ein Budget für die von ihm geplante Mauer zu Mexiko. Die Aktienmärkte würden diesen Streit aktuell jedoch noch weitestgehend ausblenden und hätten seit Jahresbeginn ordentlich zulegen können.

Im Gegensatz dazu könnten sich Renteninvestoren nach dem nicht sehr erfreulichen letzten Jahr auch zum Jahresbeginn 2019 nicht wirklich entspannen. Lediglich deutsche Bundesanleihen würden weiter stabile Renditen auf tiefstem Niveau zeigen. Zwar habe die EZB ihre Anleihenkaufprogramme nun eingestellt, werde aber weiterhin die aus dem bisher aufgebauten Anleihenportfolio fälligen Papiere durch den Erwerb neuer Anleihen ersetzen. Dies werde weiter auf die Renditen der Staatspapiere drücken. Das absolute Zinsniveau mache diese Papiere in den Augen der Analysten aber weiter unattraktiv, und längere Laufzeiten könnten trotz Notenbank-Reinvestments bei zwischenzeitlichen Renditeanstiegen empfindliche Kursverluste erleiden.

Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen würden anders als die Aktienmärkte bislang keine Trendumkehr zeigen. Hier würden nach wie vor Faktoren wie der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Ölpreisverfall zum Jahresende und damit der Anstieg der Risikoaufschläge von US-Schieferölunternehmen und die aktuell schwierige Gewinnsituation von Banken wirken. Allerdings hätten diese Zinsaufschläge im Vergleich zu Staatsanleihen inzwischen Niveaus erreicht, die die Analysten im historischen Vergleich als durchaus attraktiv einschätzen würden. Ebenfalls würden Schwellenländeranleihen nach der zuletzt beobachteten Stabilisierung der Schwellenländerwährungen wieder das Interesse der Analysten wecken. Insgesamt sollten die Rentenmärkte somit auch wieder interessante Chancen bieten, die für die von den Analysten verwalteten Rentenportfolios im Jahr 2019 wieder positive Ergebnisse erwarten lassen würden. (18.01.2019/alc/a/a)