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Unternehmensanleihen vor Zeitenwende
12.07.23 12:15
Candriam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Zwar konnten Anleiheinvestoren dank Zinserhöhungen kurzfristig aufatmen, doch langfristig dürften steigende Inflation, geringes Wirtschaftswachstum, Liquiditätsmangel und Kreditverknappung für hohe Volatilität und größere Abwärtsrisiken sorgen, so Nicolas Jullien, Head of High Yield & Credit Arbitrage bei Candriam.
Credit Alpha-Strategien würden in einem solchen Umfeld durch unkorrelierte Renditen und Volatilitätsmanagement überzeugen.
Nach mehr als einem Jahrzehnt gedrückter und oft negativer Renditen könnten sich Anleiheanleger wieder über Gewinne und steigende Zinsen freuen. In der Tat würden die Anleihemärkte aktuell ein höheres Renditeniveau und einige attraktive Einstiegspunkte bieten, um die künftige Performance zu sichern.
Dennoch dürfte das Umfeld keineswegs einfacher werden, denn man stehe vor einer Zeitenwende: Anhaltend hohe Inflationsraten hätten nicht nur zu einer starken Anhebung der Zinssätze durch die Zentralbanken geführt. Sie hätten auch das Ende der meisten Programme der quantitativen Lockerung und einen deutlichen Abbau der Zentralbankbilanzen eingeläutet. Zwar scheine die Inflation ihren Höhepunkt überschritten zu haben und tendiere nach unten, doch das 2-Prozent-Ziel der meisten Zentralbanken liege noch in weiter Ferne - und die Zinssätze dürften entsprechend noch länger auf einem höheren Niveau verweilen.
Nach zwölf Jahren geldpolitischer Unterstützungsmaßnahmen seien Anleiheinvestoren nun zudem plötzlich mit einer verringerten Liquidität konfrontiert, sowie mit Zinssätzen, wie sie es schon seit langem nicht mehr gegeben habe. Die Währungshüter hätten bekräftigt, dass sie die Inflation um jeden Preis bekämpfen würden - auch auf Kosten des Wirtschaftswachstums. Die restriktive Geldpolitik werde die Nachfrage drosseln und das Wirtschaftswachstum weiter bremsen. Dieser Prozess habe bereits zu erheblichen Volatilitätsspitzen geführt, und diese würden sich auch in Zukunft nicht abschwächen.
Zusätzlich zu dieser Komplexität hätten sich in den letzten Jahren strukturelle Trends herausgebildet, die sich erheblich auf die Zinssätze auswirken dürften. Zum einen würden geopolitische Risiken zunehmen und ein bedeutender Treiber der Volatilität bleiben. So lasse der Ukrainekonflikt immer noch keine Anzeichen einer Lösung erkennen - und dürfte für die Inflation, insbesondere die Energiepreise, noch einige Zeit lang eine wichtige Rolle spielen. Da sowohl die Ukraine als auch Russland wichtige Lebensmittelexporteure seien und letzterer auch ein bedeutender Hersteller von Düngemitteln sei, bedrohe die aktuelle Situation die weltweite Energie- und Lebensmittelsicherheit. Das wahrscheinliche Resultat seien eine steigende Inflation und ein Abwärtsdruck beim Wachstum.
Darüber hinaus würden in den Industrie- und Schwellenländern der Populismus und die Deglobalisierung deutlich zunehmen. Das äußere sich in einer größeren Anzahl von Handelskonflikten oder sogar Kriegen, was wiederum zu mehr Protektionismus und letztlich auch zu höheren Zöllen führen werde. Auch dies erzeuge höchstwahrscheinlich Inflationsschübe, geringeres Wachstum und Turbulenzen an den Märkten.
Ein weiterer Trend, der sich während der Covid-19-Phase beschleunigt habe, sei die Dekarbonisierung. Vorschriften und Leitlinien für Treibhausgasemissionen würden weiterhin erheblich verschärft, was für viele Sektoren - allen voran die Automobilindustrie - eine Herausforderung darstelle. Einige Unternehmen hätten ihre Geschäftsmodelle überdenken und ihre täglichen Aktivitäten strukturell verändern müssen. Das betreffe nicht nur Emittenten, sondern habe auch erhebliche Auswirkungen auf die Inflation und das Wachstum - eine weitere Quelle für Marktstörungen.
Alles in allem spreche sehr viel für eine hohe Inflation und ein geringeres Wachstum. In Verbindung mit dem Wegfallen der geldpolitischen Unterstützung, der geringeren Liquidität sowie der Kreditverknappung dürfte dies das idiosynkratische Risiko auf den Märkten für Unternehmensanleihen erhöhen, die ein zunehmend asymmetrisches Profil mit einem wesentlich höheren Abwärtsrisiko aufweisen würden. Dies führe auch zu einer größeren Streuung zwischen den Segmenten und einer erhöhten Volatilität an den Märkten - eine Herausforderung für Anleiheinvestoren.
Für Anleger, die trotzdem in Unternehmensanleihen investieren wollten oder müssten, erfordere das neue Umfeld Strategien, die marktunabhängige Renditen liefern, die Volatilität verringern und auch einen Schutz vor Verlusten beinhalten würden. Dies würden etwa Absolute-Return-Ansätze ermöglichen, die auf einer Long/Short-Strategie für Unternehmensanleihen basieren würden, um unter allen Marktbedingungen eine unkorrelierte Performance zu erzielen.
Um die Chancen in sowohl steigenden als auch fallenden Märkten zu erkennen, brauche es einen überzeugungsbasierten, selektiven Ansatz, der auf einer Bottom-Up-Analyse fuße und bei dem die Bewertungen der Anleihemärkte über Sektoren, Ratings, Regionen und Instrumente hinweg mithilfe algorithmusbasierter quantitativer Analysen ständig überwacht würden - so erfolge eine fundierte und effektive Positionierung auf dem Markt. Kombiniert werden sollte dies mit einem Top-Down-Ansatz, bei dem makroökonomische Szenarien zum Tragen kommen würden, um Präferenzen in Bezug auf Sektoren, Regionen und Ratings zu formulieren. Auf diese Weise würden die Renditequellen maximal diversifiziert.
Für eine größtmögliche Risikostreuung und um eine Konzentration von Werten auf bestimmte Bereiche zu vermeiden, sollten Anleger zudem ein möglichst breites Anlageuniversum von Emittenten berücksichtigen. Eine Vorauswahl von Unternehmen sollte dabei Ausschlüsse auf Grundlage von sowohl Umwelt-, sozialen und Unternehmensführungskriterien (ESG) als auch der Liquidität von Anleihen einbeziehen.
Gerade weil der Markt für Unternehmensanleihen in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich komplex sein werde, sollten Anleger Absolute-Return-Strategien in Erwägung ziehen. (12.07.2023/alc/a/a)
Credit Alpha-Strategien würden in einem solchen Umfeld durch unkorrelierte Renditen und Volatilitätsmanagement überzeugen.
Nach mehr als einem Jahrzehnt gedrückter und oft negativer Renditen könnten sich Anleiheanleger wieder über Gewinne und steigende Zinsen freuen. In der Tat würden die Anleihemärkte aktuell ein höheres Renditeniveau und einige attraktive Einstiegspunkte bieten, um die künftige Performance zu sichern.
Dennoch dürfte das Umfeld keineswegs einfacher werden, denn man stehe vor einer Zeitenwende: Anhaltend hohe Inflationsraten hätten nicht nur zu einer starken Anhebung der Zinssätze durch die Zentralbanken geführt. Sie hätten auch das Ende der meisten Programme der quantitativen Lockerung und einen deutlichen Abbau der Zentralbankbilanzen eingeläutet. Zwar scheine die Inflation ihren Höhepunkt überschritten zu haben und tendiere nach unten, doch das 2-Prozent-Ziel der meisten Zentralbanken liege noch in weiter Ferne - und die Zinssätze dürften entsprechend noch länger auf einem höheren Niveau verweilen.
Nach zwölf Jahren geldpolitischer Unterstützungsmaßnahmen seien Anleiheinvestoren nun zudem plötzlich mit einer verringerten Liquidität konfrontiert, sowie mit Zinssätzen, wie sie es schon seit langem nicht mehr gegeben habe. Die Währungshüter hätten bekräftigt, dass sie die Inflation um jeden Preis bekämpfen würden - auch auf Kosten des Wirtschaftswachstums. Die restriktive Geldpolitik werde die Nachfrage drosseln und das Wirtschaftswachstum weiter bremsen. Dieser Prozess habe bereits zu erheblichen Volatilitätsspitzen geführt, und diese würden sich auch in Zukunft nicht abschwächen.
Zusätzlich zu dieser Komplexität hätten sich in den letzten Jahren strukturelle Trends herausgebildet, die sich erheblich auf die Zinssätze auswirken dürften. Zum einen würden geopolitische Risiken zunehmen und ein bedeutender Treiber der Volatilität bleiben. So lasse der Ukrainekonflikt immer noch keine Anzeichen einer Lösung erkennen - und dürfte für die Inflation, insbesondere die Energiepreise, noch einige Zeit lang eine wichtige Rolle spielen. Da sowohl die Ukraine als auch Russland wichtige Lebensmittelexporteure seien und letzterer auch ein bedeutender Hersteller von Düngemitteln sei, bedrohe die aktuelle Situation die weltweite Energie- und Lebensmittelsicherheit. Das wahrscheinliche Resultat seien eine steigende Inflation und ein Abwärtsdruck beim Wachstum.
Ein weiterer Trend, der sich während der Covid-19-Phase beschleunigt habe, sei die Dekarbonisierung. Vorschriften und Leitlinien für Treibhausgasemissionen würden weiterhin erheblich verschärft, was für viele Sektoren - allen voran die Automobilindustrie - eine Herausforderung darstelle. Einige Unternehmen hätten ihre Geschäftsmodelle überdenken und ihre täglichen Aktivitäten strukturell verändern müssen. Das betreffe nicht nur Emittenten, sondern habe auch erhebliche Auswirkungen auf die Inflation und das Wachstum - eine weitere Quelle für Marktstörungen.
Alles in allem spreche sehr viel für eine hohe Inflation und ein geringeres Wachstum. In Verbindung mit dem Wegfallen der geldpolitischen Unterstützung, der geringeren Liquidität sowie der Kreditverknappung dürfte dies das idiosynkratische Risiko auf den Märkten für Unternehmensanleihen erhöhen, die ein zunehmend asymmetrisches Profil mit einem wesentlich höheren Abwärtsrisiko aufweisen würden. Dies führe auch zu einer größeren Streuung zwischen den Segmenten und einer erhöhten Volatilität an den Märkten - eine Herausforderung für Anleiheinvestoren.
Für Anleger, die trotzdem in Unternehmensanleihen investieren wollten oder müssten, erfordere das neue Umfeld Strategien, die marktunabhängige Renditen liefern, die Volatilität verringern und auch einen Schutz vor Verlusten beinhalten würden. Dies würden etwa Absolute-Return-Ansätze ermöglichen, die auf einer Long/Short-Strategie für Unternehmensanleihen basieren würden, um unter allen Marktbedingungen eine unkorrelierte Performance zu erzielen.
Um die Chancen in sowohl steigenden als auch fallenden Märkten zu erkennen, brauche es einen überzeugungsbasierten, selektiven Ansatz, der auf einer Bottom-Up-Analyse fuße und bei dem die Bewertungen der Anleihemärkte über Sektoren, Ratings, Regionen und Instrumente hinweg mithilfe algorithmusbasierter quantitativer Analysen ständig überwacht würden - so erfolge eine fundierte und effektive Positionierung auf dem Markt. Kombiniert werden sollte dies mit einem Top-Down-Ansatz, bei dem makroökonomische Szenarien zum Tragen kommen würden, um Präferenzen in Bezug auf Sektoren, Regionen und Ratings zu formulieren. Auf diese Weise würden die Renditequellen maximal diversifiziert.
Für eine größtmögliche Risikostreuung und um eine Konzentration von Werten auf bestimmte Bereiche zu vermeiden, sollten Anleger zudem ein möglichst breites Anlageuniversum von Emittenten berücksichtigen. Eine Vorauswahl von Unternehmen sollte dabei Ausschlüsse auf Grundlage von sowohl Umwelt-, sozialen und Unternehmensführungskriterien (ESG) als auch der Liquidität von Anleihen einbeziehen.
Gerade weil der Markt für Unternehmensanleihen in den kommenden Wochen und Monaten wahrscheinlich komplex sein werde, sollten Anleger Absolute-Return-Strategien in Erwägung ziehen. (12.07.2023/alc/a/a)


