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Unternehmensanleihen: Liquiditätsrisiken sind unterbewertet
17.04.15 09:58
AXA Investment Managers
Köln (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Jahren sind immer mehr private Schuldner mit immer höheren Emissionsvolumina an den Kapitalmarkt gekommen, so die Experten von AXA Investment Managers.
Doch parallel dazu hätten sich viele Banken aus dem Handel mit Unternehmensanleihen zurückgezogen. Grund dafür sei die vergleichsweise hohe Unterbewertung von Liquiditätsrisiken im 2. Quartal 2014. Die sei zwar inzwischen teilweise korrigiert worden, liege aber noch immer unter dem historischen Durchschnitt. Darauf weise Gregory Venizelos, Anlageexperte von AXA Investment Managers hin. "Die Banken stehen unter unvermindertem Regulierungsdruck. Sie müssen ihre Bilanzen in Ordnung bringen und Risiken abbauen", erkläre Venizelos in einem aktuellen Researchpapier. "Das wirkt sich auf ihren Wertpapierhandel und die Möglichkeiten für ein Market-Making aus."
Zinsorientierte Anleger im Allgemeinen und Investoren, die sich auf Unternehmensanleihen im Besonderen fokussiert hätten, sollten diese Entwicklung im Auge behalten. Denn die Kreditmärkte würden dadurch mehr und mehr die Merkmale eines typischen OTC-Handels zu spüren bekommen. "Vor allem in Phasen, in denen die Anleger in sichere Häfen flüchten und Risiken in ihrem Portfolio abbauen, kann es zu unkontrollierten Preissprüngen kommen, die unabhängig sind von der Qualität einzelner Papiere", fürchte der Experte. "Denn der professionelle Handel ist in dieser Situation kaum mehr in der Lage, größere Bestände, die an den Markt kommen, aufzunehmen."
Den Kräftewandel am Markt würden Zahlen unter anderem von Bloomberg und der US-Notenbank in New York belegen, die AXA Investment Managers ausgewertet habe. So würden Händler in den USA nur noch ein Fünftel der Anleihebestände von 2007 halten. Gleichzeitig habe sich das Emissionsvolumen seitdem mehr als verdoppelt. "Die Schere zwischen den stark gewachsenen Kreditmärkten auf der einen Seite und dem Rückzug des professionellen Handels auf der anderen Seite ist jedoch teilweise durch eine Reihe von Faktoren kompensiert worden", sage Venizelos. Dazu würden stärkere Aktivitäten am Primärmarkt und ein schnellerer Umschlag von Beständen durch den professionellen Handel gehören. Der bekomme dabei Unterstützung vom Voranschreiten elektronischer Handelsplattformen, die den Handel beschleunigen würden und dafür sorgen sollten, dass laufend marktgerechte An- und Verkaufkurse festgestellt würden.
""Teilweise" ist allerdings die entscheidende Einschränkung in diesem Zusammenhang", so der AXA-Experte, "denn keiner dieser Faktoren kann für sich genommen die Liquidität eines gut organisierten, professionellen Handels ersetzen - vor allem dann nicht, wenn institutionelle Investoren einen "Exit" bei Unternehmensanleihen suchen und größere Bestände auf den Markt werfen."
Ein Grund dafür: An vielen der neuen elektronischen Handelsplätze würden sich bislang nur kleinere Orders abwickeln lassen, da sie sich eher an Retail-Anleger denn an institutionelle Investoren wenden würden. "Das heißt allerdings nicht, dass auf Dauer keine Lösung in Sicht ist", sage Venizelos. "Derzeit gibt es eine Reihe von Projekten, die zusammengenommen Anlass geben zu der Hoffnung, dass sie die Liquidität an den Anleihemärkten verbessert."
Dazu gehöre zum Beispiel die Entwicklung von neuen, intelligenten Handelsplattformen, die die offenen Positionen (open interest) aller Marktteilnehmer sowohl im Handel zwischen Kunden und Händler als auch im Handel untereinander berücksichtigen würden. Dazu werde als weitere Neuerung an einer Standardisierung von neu begebenen Unternehmensanleihen gearbeitet, so wie das bereits am Markt für Credit Default Swaps (CDS) der Fall sei. Zwar werde dadurch die Flexibilität der Emittenten eingeschränkt. Allerdings biete eine stärkere Konfektionierung die Grundlage dafür, größere Ordervolumina im elektronischen Handel abzuwickeln. (17.04.2015/alc/a/a)
Doch parallel dazu hätten sich viele Banken aus dem Handel mit Unternehmensanleihen zurückgezogen. Grund dafür sei die vergleichsweise hohe Unterbewertung von Liquiditätsrisiken im 2. Quartal 2014. Die sei zwar inzwischen teilweise korrigiert worden, liege aber noch immer unter dem historischen Durchschnitt. Darauf weise Gregory Venizelos, Anlageexperte von AXA Investment Managers hin. "Die Banken stehen unter unvermindertem Regulierungsdruck. Sie müssen ihre Bilanzen in Ordnung bringen und Risiken abbauen", erkläre Venizelos in einem aktuellen Researchpapier. "Das wirkt sich auf ihren Wertpapierhandel und die Möglichkeiten für ein Market-Making aus."
Zinsorientierte Anleger im Allgemeinen und Investoren, die sich auf Unternehmensanleihen im Besonderen fokussiert hätten, sollten diese Entwicklung im Auge behalten. Denn die Kreditmärkte würden dadurch mehr und mehr die Merkmale eines typischen OTC-Handels zu spüren bekommen. "Vor allem in Phasen, in denen die Anleger in sichere Häfen flüchten und Risiken in ihrem Portfolio abbauen, kann es zu unkontrollierten Preissprüngen kommen, die unabhängig sind von der Qualität einzelner Papiere", fürchte der Experte. "Denn der professionelle Handel ist in dieser Situation kaum mehr in der Lage, größere Bestände, die an den Markt kommen, aufzunehmen."
""Teilweise" ist allerdings die entscheidende Einschränkung in diesem Zusammenhang", so der AXA-Experte, "denn keiner dieser Faktoren kann für sich genommen die Liquidität eines gut organisierten, professionellen Handels ersetzen - vor allem dann nicht, wenn institutionelle Investoren einen "Exit" bei Unternehmensanleihen suchen und größere Bestände auf den Markt werfen."
Ein Grund dafür: An vielen der neuen elektronischen Handelsplätze würden sich bislang nur kleinere Orders abwickeln lassen, da sie sich eher an Retail-Anleger denn an institutionelle Investoren wenden würden. "Das heißt allerdings nicht, dass auf Dauer keine Lösung in Sicht ist", sage Venizelos. "Derzeit gibt es eine Reihe von Projekten, die zusammengenommen Anlass geben zu der Hoffnung, dass sie die Liquidität an den Anleihemärkten verbessert."
Dazu gehöre zum Beispiel die Entwicklung von neuen, intelligenten Handelsplattformen, die die offenen Positionen (open interest) aller Marktteilnehmer sowohl im Handel zwischen Kunden und Händler als auch im Handel untereinander berücksichtigen würden. Dazu werde als weitere Neuerung an einer Standardisierung von neu begebenen Unternehmensanleihen gearbeitet, so wie das bereits am Markt für Credit Default Swaps (CDS) der Fall sei. Zwar werde dadurch die Flexibilität der Emittenten eingeschränkt. Allerdings biete eine stärkere Konfektionierung die Grundlage dafür, größere Ordervolumina im elektronischen Handel abzuwickeln. (17.04.2015/alc/a/a)


