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Unangenehmes Aufwachen der Zentralbanken


23.02.16 09:15
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Seit mindestens acht Jahren kämpfen Zentralbanken an vorderster Front, so Karsten Junius, Chefökonom, Bank J. Safra Sarasin AG.

Sie würden sich gegen eine harte Landung ihrer jeweiligen Volkswirtschaften und eine Kernschmelze an den Finanzmärkten stemmen. Inzwischen müssten sie allerdings erkennen, dass der Grenznutzen ihrer politischen Instrumente sinke. Bezeichnend sei, dass im Grunde die einzige Diskussion, die zuletzt von den Notenbanken ausgelöst worden sei, die Frage betreffe, ob es sinnvoll sei, Banknoten mit hohem Nennwert, wie die 500-EUR-, 1.000-CHF und 100-USD-Scheine, abzuschaffen - eine Maßnahme, die eindeutig nur begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen und eher symbolischen Charakter hätte.

Augenfällig sei derzeit, wie unwirksam oder sogar kontraproduktiv die Einführung negativer Einlagenzinsen durch die Bank of Japan (BoJ) in diesem Jahr gewesen sei. Anstatt abzuwerten, habe der JPY gegenüber den meisten Haupthandelswährungen aufgewertet. Die in diesem Jahr bislang zu beobachtende Underperformance von Banken im Vergleich zu anderen Aktiensektoren und die insgesamt schwache Entwicklung der Aktienmärkte seien zusätzliche Hinweise darauf, dass die Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungsschritte nicht länger der bestimmende Treiber der Finanzmärkte sei. Deren Reaktion auf die in der vergangenen Woche veröffentlichten Protokolle der jüngsten EZB- und FED-Sitzungen spreche eine deutliche Sprache und hätte drastischer nicht ausfallen können: Gleichgültigkeit nahezu allenthalben.

Es sei zwar richtig, dass das EZB-Protokoll nicht über die Aussagen von Präsident Draghi auf der Pressekonferenz hinausgegangen sei. Detailliertere Informationen über etwaige im März anstehende Maßnahmen hätten ebenfalls gefehlt. Und auch die FED habe im Hinblick auf ihre Interpretation der jüngsten Konjunkturindikatoren keine klare Tendenz erkennen lassen. Die wichtigste Erkenntnis sei aber klar: Signaleffekte der Geldpolitik würden sich nicht endlos wiederholen lassen. Sie würden nur dann greifen, wenn die Zentralbankmaßnahmen bereits in der Vergangenheit erfolgreich gewesen seien. Bei der "Whatever it takes"-Politik und beim OMT-Programm sei dies möglicherweise der Fall gewesen. Bei der Bekämpfung der Niedriginflation indes nicht.

Bedeute dies nun, dass die Zentralbanken noch vehementer vorgehen sollten? Nein. Sie sollten sich aber expliziter, transparenter und realistischer in Bezug auf die Kanäle äußern, über die ihrer Meinung nach die Geldpolitik wirke. Darüber hinaus könnte eine bessere internationale Abstimmung der Maßnahmen ebenfalls hilfreich sein. In einer Zeit, in der alle Industrieländer mit niedrigen Inflationsraten konfrontiert seien und alle Schwellenländer einen tief greifenden Anpassungsprozess durchlaufen würden, sei der Wechselkurskanal möglicherweise nicht der geeignete Weg, Wachstum zu stimulieren. Es würde lediglich ein unnötiger Währungskrieg ausgelöst, der die Reputation der Zentralbanken schädige.

Das gleiche gelte für den Kreditkanal. Es sei zwar wichtig gewesen, diesen Kanal zu reparieren. Man sollte aber realistischer Weise sehen, dass nach einer Bilanzrezession nur moderates Kreditwachstum erwarten werden könne. Statt einer noch expansiveren Geldpolitik seien die Experten nach wie vor davon überzeugt, dass Länder, die es sich leisten könnten, fiskalpolitische Maßnahmen (begleitet von Strukturreformen) aktiver verfolgen sollten. (23.02.2016/alc/a/a)