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US-Zinssenkung rückt näher


03.09.25 09:42
Union Investment

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Den anhaltenden Unsicherheiten zum Trotz verzeichneten die US-Aktienbörsen im August neue Höchststände, so die Experten von Union Investment.

Dies habe ebenfalls auf den japanischen Aktienmarkt zugetroffen. Für viele Anleger scheine die Entwicklung überraschend, denn das Marktumfeld bleibe wie etwa beim Krieg zwischen der Ukraine und Russland sowie der US-Zollthematik weiterhin ungewiss. Zudem setze US-Präsident Trump mit seinen Verbalattacken gegen FED-Chef Powell (und der versuchten Entlassung der FED-Gouverneurin Lisa Cook) den Eingriff in die Unabhängigkeit der US-Notenbank weiter fort. Die Zölle würden die Preise in den USA treiben, wenngleich die zollbedingte Preisentwicklung dort geringer ausfalle als zunächst vom Markt erwartet.

Dennoch hätten sowohl die US-Aktien als auch der US-Rentenmarkt im August mit positiven Vorzeichen aufwarten können. Dies dürfte im Wesentlichen auf die US-Geld- bzw. Zinspolitik zurückzuführen sein. Denn zuletzt hätten verschiedene Faktoren bei den Anlegern die Erwartung hinsichtlich baldiger US-Leitzinssenkungen geschürt. Neben der zollbedingten Inflationsentwicklung, die unter den Schätzungen gelegen habe, habe der jüngste US-Arbeitsmarktbericht enttäuscht und zusätzlich für Zinssenkungspotenzial gesorgt.

Jackson Hole: Powells Rede habe deutlichen Impuls gegeben

Als wesentlicher Impuls sei aber die Rede von FED-Chef Jerome Powell beim jüngst abgehaltenen Notenbank-Symposium in Jackson Hole einzuordnen. Powell habe dort eine mögliche Leitzinssenkung in Aussicht gestellt. Er habe sehr deutlich signalisiert, dass sich die FED darauf vorbereite, die Geldpolitik zu rekalibrieren, um ein neutraleres Niveau zu erreichen. Powell habe auf wachsende Risiken für den Arbeitsmarkt hingewiesen und festgestellt, dass der Beschäftigungsaufbau viel langsamer erfolge, als man das noch vor den Juli-Revisionen eingeschätzt habe. Auch habe er die Gefahr einer hartnäckigen Inflation erwähnt: Die zollbedingten Preiseffekte würden sich bemerkbar machen und dürften sich in den kommenden Monaten noch vergrößern. Die US-Notenbank sehe aber weiterhin keine Notwendigkeit, überhastet vorzugehen, unter anderem auch aufgrund der stabilen Arbeitslosenquote.

Dies sei am Markt zum Anlass genommen worden, auf einen Zinsschritt der FED bereits im September zu spekulieren. Auch Union Investment habe ihre Einschätzung zur US-Zinspolitik entsprechend angepasst. Sie rechne nun im September mit einer Zinssenkung der FED um 25 Basispunkte, gefolgt von einem zweiten Zinsschritt im kommenden Dezember. Die früher als bislang von Union Investment erwarteten Zinssenkungen verstünden sich als "Risikomanagement" der FED und seien nicht als Zeichen eines Abrutschens des amerikanischen Arbeitsmarkts zu werten. Genau dies wolle die US-Notenbank damit vermeiden.

Vor diesem Hintergrund hätten die US-Finanzmärkte im August tendiert freundlich. US-Staatsanleihen hätten Kursgewinne und damit leicht rückläufige Renditen verzeichnet. US-Aktien hätten, angeführt von Tech-Titeln, hinzugewinnen können. Einige Indices hätten neue Höchststände erreicht.

US-Dollar werte weiter ab

Auch wenn der US-Dollar Ende Juli aufgrund überraschend robuster amerikanischer Konjunkturdaten kurzfristig bis auf 1,14 Euro habe aufwerten können, habe er seitdem wieder nachgegeben. Ende August seien wieder knapp 1,17 US-Dollar je Euro und damit fast drei Cents mehr zu zahlen gewesen. Darüber hinaus habe der Dollar auch gegen den Japanischen Yen, das Britische Pfund und die lateinamerikanischen Währungen schwächer tendiert. Nach der Erholung im Vormonat habe der US-Dollar damit seine Schwächephase fortgesetzt, auch wenn er sein mehrjähriges Tief von 1,18 Euro Ende Juni noch nicht wieder erreicht habe. Hintergrund der Entwicklung seien auch hier die für die USA zuletzt deutlich gestiegenen Zinssenkungserwartungen. Der Zinsschritt im September gelte für die meisten Marktteilnehmer als so gut wie sicher. Hinzu komme, dass die jüngsten Arbeitsmarktdaten enttäuscht hätten, während die Inflationszahlen im Rahmen geblieben seien. Die Gelder der Anleger seien daher in Märkte geflossen, die höhere Renditen geboten hätten, insbesondere in die Schwellenländer.

Abwertung dürfte sich fortsetzen

Union Investment gehe davon aus, dass sich die Dollar-Abwertung strukturell fortsetze. Dieser Prozess verlaufe langsam, aber stetig. Nach ihren Schätzungen sollte der Euro-Kurs Ende 2025 bei 1,18 US-Dollar liegen. Für Ende September 2026 erwarte man sogar 1,25 US-Dollar. Für internationale Investoren sei die Anlage in US-Staatsanleihen als sicherer Hafen zwar derzeit meist immer noch die erste Wahl, doch würden geopolitische Veränderungen die Dominanz der US-Währung weiter zurückdrängen und zu mehr internationaler Diversifikation führen. Besonders schwer wiege, dass unter Trump das Vertrauen in die US-Institutionen stark gelitten habe. Die negativen Effekte von Trumps Politik auf die US-Konjunktur und auf den Reserve-Status der amerikanischen Währung würden sich immer deutlicher abzeichnen. (Marktrückblick und -ausblick August 2025) (03.09.2025/alc/a/a)