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US-Wähler entscheiden sich für Trump - FED könnte vorsichtiger vorgehen
09.11.16 09:45
NN Investment Partners
Den Haag (www.anleihencheck.de) - Es scheint, dass die Meinungsforscher erneut falsch lagen, denn Donald Trump hat einen Überraschungssieg errungen, so Valentijn van Nieuwenhuijzen, Chefstratege und Head of Multi-Asset bei NN Investment Partners.
Es würden sich bereits erste negative Reaktionen bei risikoreichen Anlageklassen zeigen, wie auch dem Mexikanischen Peso und dem US-Dollar. "Entscheidend ist nun, ob sich Trump als populistischer oder pragmatischer Präsident der USA erweisen wird", erläutere Valentijn van Nieuwenhuijzen. "Selbst eine eher pragmatische Vorgehensweise wird erst über einen gewissen Zeitraum sichtbar sein. Von daher ist der kurzfristige Ausblick eingetrübt mit (geo-)politischer Unsicherheit."
Für die Finanzmärkte beginne damit eine Phase der Unsicherheit, denn Trump's Präsidentschaftssieg könnte einen klaren Bruch mit dem Status quo einleiten. Vor allem im Hinblick auf den fiskal- und geldpolitischen Kurs, die internationale Handelspolitik, die Einwanderungs- und die Außenpolitik, wie das Abkommen mit dem Iran. Riskante Vermögenswerte dürften in Mitleidenschaft gezogen werden, solange die Unsicherheit anhalte - das dürfte für geraume Zeit der Fall sein, denn die Amtseinführung finde erst am 20. Januar 2017 statt. Auch selbst dann werde sich der Nebel möglicherweise nur langsam lichten, bis sich Trump entweder als Pragmatiker erweise, der seine Wahlkampfdrohungen und -versprechen merklich verwässere, oder aber bis er seine populistischen Vorhaben umsetze.
Besonders anfällig seien die Schwellenländer und Schwellenländervermögenswerte, da die Anleger protektionistische Maßnahmen fürchten würden, die beträchtliche Auswirkungen auf die Importe der USA aus Schwellenländern hätten. Vor allem Länder, die sehr viel in die USA exportieren würden, könnten in hohem Maße betroffen sein. Dies gelte insbesondere für Mexiko, das 82% seiner gesamten Exporte in das nördliche Nachbarland liefere. Der Exportsektor sei von großer Bedeutung für die Beschäftigung und das Exportwachstum müsse mit dem Importwachstum Schritt halten, um eine übermäßige Ausweitung des Handelsbilanzdefizits zu verhindern.
Auch China könnte von einer möglichen Kursänderung in der US-Handelspolitik betroffen sein. Rund 18% der chinesischen Exporte würden in die USA gehen. Da die Aussichten für Chinas Inlandsnachfrage nicht allzu günstig seien, sei das Land auf ein kräftiges Exportwachstum angewiesen, wenn eine merkliche Konjunkturverlangsamung verhindert werden solle.
Für die Geldpolitik und die Anleiherenditen dürften die Auswirkungen zweischneidig sein. Zunächst könnte die Risikobereitschaft zunehmen, was zu sinkenden Renditen von Staatsanleihen führen würde. Aufgrund der durch Trump's Wahlsieg ausgelösten Unsicherheit dürfte die FED in punkto Zinsanhebungen vorsichtiger vorgehen. Dies könnte für diejenigen Schwellenländer, die stärker von ausländischem Kapital als von Exporten in die USA abhängen würden, ein positiver Faktor sein; der Nettoeffekt sei allerdings angesichts von Trumps protektionistischer Haltung wohl immer noch negativ zu sehen. Der US-Dollar dürfte kurzfristig durch das vorsichtigere Vorgehen der FED und die Furcht vor einem protektionistischen Kurs in Mitleidenschaft gezogen werden.
Mittelfristig würde eine vollständige Umsetzung von Trumps Vorhaben zu einem kräftigen Anstieg des Haushaltsdefizits führen, da er "mindestens doppelt so hohe" Infrastrukturausgaben wie Clinton plane und zugleich die Steuern senken wolle. Aufgrund der fiskalpolitischen Fundamentaldaten und durch Trump's Politik ausgelösten Inflationsdruck könnte es zu einer Trendumkehr bei den Anleiherenditen kommen, sodass diese wieder ansteigen würden. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die FED zur Eindämmung der Inflationserwartungen eine aggressivere Politik verfolgte.
Umfassendere Handelshemmnisse und eine Begrenzung der Einwanderung könnten zu einem stärkeren Preis- und Lohnauftrieb führen. Die Finanzmärkte - und zwar sowohl die Renten- als auch die Aktienmärkte - dürften wohl kaum positiv auf eine solche Entwicklung reagieren. Das Zinsumfeld wäre für Schwellenländer-Lokalwährungsanleihen und Schwellenländerwährungen ungünstig und könnte auch die zinssensiblen Edelmetallpreise belasten.
Natürlich werde nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht werde. Wenn Trump eine etwas weniger aggressive Agenda umsetzte, wären die Auswirkungen auch weniger einschneidend. Höhere Infrastrukturausgaben, niedrigere Unternehmenssteuern und mehr Deregulierung seien nicht per se schlecht für die Aktienmärkte.
Falls Trump unter anderem seine Haltung beim Thema Protektionismus mäßigte, könnte die Reflation weiter fortgesetzt werden, wovon Aktien gegenüber Anleihen profitieren sollten. So könnten die US-Unternehmen bei vorübergehenden Steuererleichterungen für Kapital, welches in die USA zurückfließe (Steuersatz von 10%), wie es Trump im Wahlkampf vorgeschlagen habe, beträchtliche Gewinne einstreichen, was sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte stützen sollte. Und die Kehrtwenden in den internationalen Beziehungen und in der Handelspolitik, für die sich der gewählte Präsident im Wahlkampf eingesetzt habe, seien nicht so ohne weiteres umzusetzen. (09.11.2016/alc/a/a)
Es würden sich bereits erste negative Reaktionen bei risikoreichen Anlageklassen zeigen, wie auch dem Mexikanischen Peso und dem US-Dollar. "Entscheidend ist nun, ob sich Trump als populistischer oder pragmatischer Präsident der USA erweisen wird", erläutere Valentijn van Nieuwenhuijzen. "Selbst eine eher pragmatische Vorgehensweise wird erst über einen gewissen Zeitraum sichtbar sein. Von daher ist der kurzfristige Ausblick eingetrübt mit (geo-)politischer Unsicherheit."
Für die Finanzmärkte beginne damit eine Phase der Unsicherheit, denn Trump's Präsidentschaftssieg könnte einen klaren Bruch mit dem Status quo einleiten. Vor allem im Hinblick auf den fiskal- und geldpolitischen Kurs, die internationale Handelspolitik, die Einwanderungs- und die Außenpolitik, wie das Abkommen mit dem Iran. Riskante Vermögenswerte dürften in Mitleidenschaft gezogen werden, solange die Unsicherheit anhalte - das dürfte für geraume Zeit der Fall sein, denn die Amtseinführung finde erst am 20. Januar 2017 statt. Auch selbst dann werde sich der Nebel möglicherweise nur langsam lichten, bis sich Trump entweder als Pragmatiker erweise, der seine Wahlkampfdrohungen und -versprechen merklich verwässere, oder aber bis er seine populistischen Vorhaben umsetze.
Besonders anfällig seien die Schwellenländer und Schwellenländervermögenswerte, da die Anleger protektionistische Maßnahmen fürchten würden, die beträchtliche Auswirkungen auf die Importe der USA aus Schwellenländern hätten. Vor allem Länder, die sehr viel in die USA exportieren würden, könnten in hohem Maße betroffen sein. Dies gelte insbesondere für Mexiko, das 82% seiner gesamten Exporte in das nördliche Nachbarland liefere. Der Exportsektor sei von großer Bedeutung für die Beschäftigung und das Exportwachstum müsse mit dem Importwachstum Schritt halten, um eine übermäßige Ausweitung des Handelsbilanzdefizits zu verhindern.
Für die Geldpolitik und die Anleiherenditen dürften die Auswirkungen zweischneidig sein. Zunächst könnte die Risikobereitschaft zunehmen, was zu sinkenden Renditen von Staatsanleihen führen würde. Aufgrund der durch Trump's Wahlsieg ausgelösten Unsicherheit dürfte die FED in punkto Zinsanhebungen vorsichtiger vorgehen. Dies könnte für diejenigen Schwellenländer, die stärker von ausländischem Kapital als von Exporten in die USA abhängen würden, ein positiver Faktor sein; der Nettoeffekt sei allerdings angesichts von Trumps protektionistischer Haltung wohl immer noch negativ zu sehen. Der US-Dollar dürfte kurzfristig durch das vorsichtigere Vorgehen der FED und die Furcht vor einem protektionistischen Kurs in Mitleidenschaft gezogen werden.
Mittelfristig würde eine vollständige Umsetzung von Trumps Vorhaben zu einem kräftigen Anstieg des Haushaltsdefizits führen, da er "mindestens doppelt so hohe" Infrastrukturausgaben wie Clinton plane und zugleich die Steuern senken wolle. Aufgrund der fiskalpolitischen Fundamentaldaten und durch Trump's Politik ausgelösten Inflationsdruck könnte es zu einer Trendumkehr bei den Anleiherenditen kommen, sodass diese wieder ansteigen würden. Dies wäre vor allem dann der Fall, wenn die FED zur Eindämmung der Inflationserwartungen eine aggressivere Politik verfolgte.
Umfassendere Handelshemmnisse und eine Begrenzung der Einwanderung könnten zu einem stärkeren Preis- und Lohnauftrieb führen. Die Finanzmärkte - und zwar sowohl die Renten- als auch die Aktienmärkte - dürften wohl kaum positiv auf eine solche Entwicklung reagieren. Das Zinsumfeld wäre für Schwellenländer-Lokalwährungsanleihen und Schwellenländerwährungen ungünstig und könnte auch die zinssensiblen Edelmetallpreise belasten.
Natürlich werde nicht alles so heiß gegessen wie es gekocht werde. Wenn Trump eine etwas weniger aggressive Agenda umsetzte, wären die Auswirkungen auch weniger einschneidend. Höhere Infrastrukturausgaben, niedrigere Unternehmenssteuern und mehr Deregulierung seien nicht per se schlecht für die Aktienmärkte.
Falls Trump unter anderem seine Haltung beim Thema Protektionismus mäßigte, könnte die Reflation weiter fortgesetzt werden, wovon Aktien gegenüber Anleihen profitieren sollten. So könnten die US-Unternehmen bei vorübergehenden Steuererleichterungen für Kapital, welches in die USA zurückfließe (Steuersatz von 10%), wie es Trump im Wahlkampf vorgeschlagen habe, beträchtliche Gewinne einstreichen, was sowohl die Aktien- als auch die Rentenmärkte stützen sollte. Und die Kehrtwenden in den internationalen Beziehungen und in der Handelspolitik, für die sich der gewählte Präsident im Wahlkampf eingesetzt habe, seien nicht so ohne weiteres umzusetzen. (09.11.2016/alc/a/a)


