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US-Staatsanleihen trotzen wachsendem Schuldenberg


18.04.24 09:45
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Der US-Schuldenberg wächst und wächst. Was das für US-Staatsanleihen bedeutet, analysiert Raffaele Prencipe, Fund Manager Fixed Income bei DPAM (Degroof Petercam Asset Management):

Im vergangenen Jahr seien einige große Inhaber von US-Staatsanleihen zu Nettoverkäufern geworden: die Federal Reserve, die Chinesische Zentralbank und US-amerikanische Banken. Eine Auktion für 30-jährige Staatsanleihen im November habe ein sehr schlechtes Ergebnis gebracht. Mit dem Renditeanstieg aber seien die Käufer zurückgekehrt. Im laufenden Jahr würden die USA Wertpapiere in der Rekordhöhe von 4 Billionen Dollar emittieren. Die Anleihenmärkte hätten dies bisher gut verdaut. Höhere Renditen von US-Treasuries könnten die Renditen im Rest der Welt nach oben treiben.

Die enorme US-Staatsverschuldung sei ein politisches Problem. Die diesjährigen Finanzierungsgesetze seien mit 6 Monaten Verspätung verabschiedet worden. Das Congressional Budget Office prognostiziere für das nächste Jahrzehnt ein Haushaltsdefizit von durchschnittlich 5,6%. Die Verschuldung im Verhältnis zum BIP werde voraussichtlich steigen und damit die meisten Länder außer China (das von einer viel niedrigeren Basis ausgehe) überholen. Der Anteil der Staatseinnahmen, der für die Zahlung von Zinsen verwendet werde, werde von unter 10 % im Jahr 2022 auf über 25% im Jahr 2033 steigen. Dennoch sei nicht mit einem Zahlungsausfall zu rechnen. Eine Risikoprämie - und damit eine höhere Rendite - sei aufgrund des Governance- und Kreditrisikos jedoch gerechtfertigt.

Der wichtigste Aktivposten der USA sei die dynamische Wirtschaft - Beispiel künstliche Intelligenz. Solange der US-Dollar die Weltwährung sei, würden US-Staatsanleihen ihre führende Rolle an den globalen Anleihemärkten behalten. Es gebe nichts Vergleichbares in Bezug auf Größe und Liquidität.

Derzeit seien US-Staatsanleihen mit mittlerer Laufzeit (7 bis 10 Jahre) aufgrund der höheren Renditen im Vergleich zu Europa attraktiv, selbst wenn man berücksichtige, dass der neutrale Zinssatz und möglicherweise die Inflation in den USA höher sein würden. Die Risikoprämien könnten bei Anleihen mit längeren Laufzeiten steigen. Das Engagement im US-Dollar könnte sich als zusätzlicher Vorteil erweisen. (18.04.2024/alc/a/a)